Ein vergilbtes Pergament mit großem Siegel liegt flach aufgefaltet in einem Karton. Die Leiterin des Bautzener Diözesanarchivs, Birgit Mitzscherlich, zeigt eine der Kostbarkeiten aus ihrem Haus: eine Urkunde, unterschrieben von König Karl IV. aus dem Jahr 1347. Eine Bestätigung von Privilegien - zum Beispiel Pachten einziehen oder das Volk zählen zu dürfen. "Das zeigt ein bisschen die weltpolitische Bedeutung auch des Bautzener Domkapitels, denn Karl IV. war nicht irgendwer."

Kleines Archiv stemmt Großprojekt

Genau 992 Urkunden hat das Archiv in den vergangenen drei Jahren restaurieren und konservieren lassen. Darunter sind auch Dokumente von Päpsten und Kaisern. Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 1221. "Ich bin sehr glücklich darüber, dass uns das über die Jahre gelungen ist, weil wir sind am Ende - auch wenn wir so bedeutsame Schätze haben - ein kleines Archiv mit wenigen Mitarbeitern, die nicht jederzeit die Möglichkeit haben hier solche Projekte zu stemmen."

Dabei war es für einige Schriftstücke höchste Zeit, sie zu sichern, weiß Archivmitarbeiter Clemens Wöppel. "Manchmal haben auch ganze Teile der Urkunde gefehlt. Leider können wir den Inhalt nicht wiederbringen. Aber was wir machen können: sie so stabilisieren, dass keine weiteren Fehlstellen entstehen."

Die Urkunde vom 12. September 1347 bestätigt drei Privilegien für das Domkapitel Bautzen, die zuvor Kaiser Karl IV., König von Böhmen erteilt hatte. Mit den Privilegien wie Pachten und Sonderrechten integrierte der Böhmen-König Bautzen und die Oberlausitz damals in sein Reich.Bildrechte: Martin Kliemank

Entstaubt, repariert und flach gedrückt

Die Dokumente wurden in einer Leipziger Restaurierungswerkstatt von Staub und Schimmel befreit, in einer Klimakammer getrocknet und flach gedrückt, Löcher hintersetzt. Das konnte für ein Schriftstück schon mal zwei bis drei Wochen lang dauern. Ein Aufwand, der sich lohnt, findet Birgit Mitzscherlich. "Wir haben ja aus der Zeit vor der Reformation so gut wie gar keine Papierunterlagen. Es gab damals noch keine Akten. Alles, was wir zur Geschichte wissen, wissen wir aus Urkunden. Das macht es immer nochmal ganz besonders bedeutsam."

Neues Verpackungskonzept und künftig auch Onlinenutzung

Fast 84.000 Euro kostete es, die Urkunden zu konservieren. Statt in Umschlägen gefaltet, sind sie nun flach auf Tableaus liegend eingelagert. Eine gute Grundlage, um die Dokumente digitalisieren und online präsentieren zu können. Ein nächster Schritt, von dem sich Domdekan Andreas Kutschke neue Erkenntnisse verspricht. "In dem Moment, wo die Bestände digitalisiert sind, sind sie viel einfacher zugänglich, dass auch Menschen für Forschung nicht vor Ort kommen müssen, sondern das von verschiedenen Universitäten aus das machen können. Von daher gehe ich schon davon aus, dass dann nochmal eine gewisse Dynamik in die Erforschung der Inhalte der Urkunden hineinkommt."

Das Bautzener Domkapitel St. Petri wurde Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet. Aus dieser Zeit stammen auch Urkunden im Bestand des Archivs, die jetzt aufwändig konserviert wurden. (Archivfoto)Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Denn nicht nur für die Kirchen, sondern auch für die Regional- und Landesgeschichte lagert mit den Urkunden im Bautzener Domstift ein teils noch unerschlossener Schatz.

MDR (kk)

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