• Gaspreise zu hoch für Befüllen der Gasspeicher
  • Umsatz von 18 Milliarden Euro
  • Ostdeutsche Kommunen als Aktionäre
  • Erdgas bleibt Kerngeschäft

Der Frühling ist da und damit eine Herausforderung für Ulf Heitmüller. Der Chef des Leipziger Gaskonzerns VNG muss seine Gasspeicher wieder befüllen. Diese sind nach dem Winter nur noch zu 18 Prozent voll. Eigentlich beginnt jetzt die beste Zeit fürs Einspeichern, denn die Gaspreise sinken üblicherweise, wenn die Temperaturen steigen.

Gaspreise zu hoch für Befüllen der Gasspeicher

Dieses Jahr allerdings ist alles anders. Wegen des Iran-Kriegs sind die Gaspreise heute höher als im Winter. Und lohnen, sagt Heitmüller, tue sich das Einspeichern gerade nicht. Deswegen warte die VNG mal noch ab: Man tue nichts Unwirtschaftliches. Man speichere erst ein, "wenn sich die Spreads wieder in eine Richtung gedreht haben, wo es dann auch für uns wirtschaftlich sinnvoll ist".

Wann der beste Zeitpunkt ist, lässt sich freilich schwer vorhersagen. Fest steht: Die Politik verlangt, dass die Speicher im Herbst wieder voll sein müssen. Gefragt ist jetzt gutes Timing.

Umsatz von 18 Milliarden Euro

Im vergangenen Jahr hat die VNG offenbar ein glückliches Händchen fürs Timing gehabt. Bei der Jahresbilanz konnte Finanzvorstand Bodo Rodestock einen Umsatz von 18 Milliarden Euro vermelden – und einen hübschen Gewinn. "Unter dem Strich steht ein Konzernergebnis von 200 Millionen Euro. Und dieses Ergebnis liegt ebenfalls oberhalb unserer Erwartungen. Und daran orientiert sich auch unsere Dividende", sagt Rodestock. Man freue sich, den Aktionären eine Erfolgsbeteiligung in Höhe von 35 Millionen Euro ausschütten zu können.

Ostdeutsche Kommunen als Aktionäre

Zu den Aktionären gehören neben dem Energiekonzern EnBW vor allem diverse ostdeutsche Kommunen, die an der VNG traditionell beteiligt sind. Für die Zukunft will das Unternehmen verstärkt in grüne Gase investieren. Neben grünem Wasserstoff setzt man vor allem auf Biogas, sagt Technik-Vorstand Hans Joachim Polk: "Wir haben unser Portfolio in den vergangenen Jahren deutlich erweitert und werden diesen Kurs konsequent fortsetzen." Die Biogas-Tochter Balance gehöre heute zu den führenden Biogasanlagen-Betreibern Deutschlands. Mit dem Erwerb von zehn Anlagen an fünf ostdeutschen Standorten im vergangenen Oktober habe man den "größten Zukauf der letzten Jahre realisiert".

Erdgas bleibt Kerngeschäft

Kerngeschäft der VNG bleibt aber vorerst das Erdgas. Der Konzern beliefert über ein eigenes Leitungsnetz mehr als 400 Großkunden – vom Stadtwerk bis zum Industriebetrieb. Von den aktuellen Lieferengpässen durch die Straße von Hormus ist die VNG nicht direkt betroffen. Sie bezieht ihr Gas vor allem aus Norwegen und als LNG-Flüssiggas aus den USA. Trotzdem, sagt Vorstandschef Heitmüller, spüre man die Krise: "Klar ist halt, dass LNG sich die Route sucht, wo das meiste Geld bezahlt wird. Und das führt dazu, dass diese Preissteigerungen auch bei uns durchschlagen."

Höhere Preise werde man am Ende auch an die Kunden weitergeben müssen. Noch spüren die meisten Verbraucher die Turbulenzen an den Gasmärkten nicht, weil sie langfristige Verträge haben. Doch mit einigen Monaten Verspätung wird der aktuelle Gasmangel auch in den Endkundenpreisen zu sehen sein.

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