Viele Unternehmen haben keine KI-Regeln
- KI-Regeln schützen Beschäftigte und Daten
- Wie viele Unternehmen in Mitteldeutschland KI-Richtlinien haben, ist unbekannt.
- Richtlinien allein nützen nichts
Marco Langhof war früh dran. Er sagt, sein IT-Dienstleistungsunternehmen Teleport in Barleben habe bereits KI-Regeln gehabt, bevor die entsprechenden gesetzlichen Regeln der EU kamen. "Aus Sicht einer Person, die für ein Unternehmen und für alle Mitarbeitenden dafür verantwortlich ist, kann ich gar nicht anders als das gut zu finden, auch wenn es aus Brüssel kommt. Und auch wenn es sich erst mal nach Bürokratie anhört."
Damit muss sich jeder auseinandersetzen
Denn es sei vor allem den Mitarbeitenden gegenüber fair, dass sich Firmen mit KI beschäftigten und Regeln festlegten, sagt Langhof. Nur so wüssten Mitarbeitende, welche KI-Anwendungen sie nutzen und wie sie mit Firmen-Daten umgehen dürften. "Damit muss sich jeder auseinandersetzen. Ich persönlich sage, es ist gar nicht so kompliziert, aber es setzt natürlich voraus, dass sich die Geschäftsführung einmal Gedanken darüber macht." Vor dem Hintergrund der Potenziale von KI hält Langhof diese Auseinandersetzung für geboten.
Keine Zahlen zur Verbreitung von KI-Regeln für Unternehmen
Unternehmer Marco LanghofBildrechte: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar GabbertKI birgt hohe Risiken für Firmen: Wissen könnte abfließen, Cyberattacken ermöglicht werden. KI sei ein empfindliches und wichtiges Tor, das gut bewacht gehöre, sagt Langhof, der auch Sachsen-Anhalts Arbeitgeberpräsident ist. Aber haben alle Unternehmen in Sachsen-Anhalt KI-Regeln? Langhof: "Dafür würde ich nichts verwetten, gar nichts. Im Gegenteil. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass nicht alle Unternehmen das getan haben. Es ist sogar, glaube ich, die verschwindende Minderheit."
Auf Anfrage von MDR AKTUELL kann keine der Industrie- und Handelskammern (IHK) in Mitteldeutschland sagen, wie viele ihrer Unternehmen KI-Richtlinien haben. Die Thüringer Industrie- und Handelskammern haben in einer Umfrage herausgefunden, dass 30 Prozent der Unternehmen KI einsetzen und 25 Prozent das planen. Ähnliche Größenordnungen nennt die IHK Magdeburg. Deswegen würde man davon ausgehen, dass interne KI-Richtlinien in Unternehmen vorliegen, schreibt die IHK Südthüringen.
Mit Leitlinien ist sehr wenig gelöst.
Die IHK Dresden bietet ihren Unternehmen Muster-KI-Regeln an. Eine gelebte KI-Richtlinie könne Unternehmen schützen sowie Innovation und Sicherheit klug verbinden, schreibt die IHK Dresden. Sie schreibt aber auch, es gäbe vermutlich genau so viele Unternehmen, wo solche Regeln im Schreibtisch liegen, wie solche, die die Regeln mit Überzeugung anwenden.
Richtlinien allein lösen Probleme nicht
Nicolas Kayser-Bril ist Journalist bei Algorithm Watch – einer Organisation, die sich dafür einsetzt, dass Algorithmen und KI Gerechtigkeit und Demokratie stärken. Kayser-Bril hat sich mehr als 200 KI-Leitlinien angeschaut. Er ist skeptisch, ob sie funktionieren, denn oft sei nicht geregelt, was passiert, wenn gegen die Regeln verstoßen wird. "Mit Leitlinien ist sehr wenig gelöst. Wo es Leitlinien gibt, gibt es weniger Kriminalität von Arbeitnehmern, das stimmt. Man weiß aber nicht, ob die Leitlinien dafür verantwortlich sind. Es kann natürlich sein, dass, wo die Unternehmenskultur besser ist, man mehr Leitlinien schreibt."
Dass interne KI-Regeln mitunter nichts nutzen, zeigt eine französische Zeitung, die Artikel der Konkurrenz umschreiben ließ – per KI und obwohl die eigenen Regeln das untersagen. Auch die belgische Uni in Gent hat KI-Regeln. Für Studierende. Die Rektorin war aber bei einer Rede mit frei erfundenen Zitaten erwischt worden – die von einer KI stammten.
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