Studie: Vertragen sich Windräder und Welterbe in Quedlinburg?
Die Welterbestadt Quedlinburg ist Stadt des Fachwerks und des Tourismus. Doch Quedlinburg will künftig auch mit Wirtschaft punkten: mit Solar- und Windkraftanlagen. Dafür wurde das Zukunftsprojekt "Morgenrot" geplant, ein Industriepark inklusive Solarflächen und riesigen Windrädern. Doch Quedlinburg gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Deshalb hatte die Stadt ein Gutachten in Auftrag gegeben, das herausfinden sollte, ob sich die Pläne mit dem Welterbe vertragen. Diese Studie liegt jetzt vor.
Einige Änderungen vorgeschlagen
"Insgesamt werden die durch das 'Zukunftsprojekt Morgenrot' verursachten Veränderungen…als akzeptabel erachtet." Der Weltkulturerbestatus werde nicht gefährdet, wenn einige Änderungen an den Plänen vorgenommen werden. Das ist im Kern die Aussage des Gutachtens, das von dem Ingenieurbüro "michael kloos planning and heritage consultancy" aus Aachen angefertigt wurde.
Industriepark soll kleiner werden
Er sei erleichtert, erklärte Quedlinburgs Oberbürgermeister Frank Ruch (CDU), als er das Gutachten vorstellte, weil der Weg, das Projekt umzusetzen, nicht versperrt sei. Die bisherigen Pläne sahen einen 353 Hektar großen Industriepark vor, auf dem Gebäude bis 30 Metern Höhe gebaut werden dürfen, sowie einen 534 großen Energiepark mit Photovoltaikanlagen und 14 Windrädern bis zu 285 Metern Höhe.
Quedlinburgs Oberbürgermeister Frank Ruch (CDU) hat das Gutachten vorgestellt. Bildrechte: MDR/Carsten ReußIch bin erleichtert.
Diese Pläne können allerdings laut Gutachten nicht eins zu eins umgesetzt werden. Darin werden zahlreiche Änderungen angemahnt. Um Sichtachsen freizuhalten, zum Beispiel vom Schlossberg an den Türmen der Nikolaikirche vorbei ins Umland, sollen vier Windräder gar nicht und einige andere nicht so hoch wie geplant gebaut werden. Nur zehn der geplanten 14 Windräder soll es geben.
Die Gebäudehöhe im geplanten Industriegebiet müsse heruntergesetzt werden, heißt es. Einige der geplanten Flächen sollen überhaupt nicht genutzt werden, vor allem, um von den Zufahrtsstraßen aus einen freien Blick auf die Stadt zu erhalten. Das Gutachten kommt zu dem Schluss: Wenn all das umgesetzt werde, sei das Welterbe nicht gefährdet.
Oberbürgermeister: Quedlinburg braucht Einnahmen durch Industrie
Quedlinburgs Oberbürgermeister ist überzeugt, dass die Investoren mitziehen. Diese hätten das bereits signalisiert. Man habe, so Ruch, seitens der Stadt immer kommuniziert, dass das Projekt sterbe, wenn dadurch der Welterbestatus in Gefahr sei.
Frank Ruch will das Projekt nun mit den entsprechenden Änderungen vorantreiben. Quedlinburg brauche unbedingt Einnahmen und dafür Industrie. "Sonst können wir unsere Standards nicht halten", so der CDU-Politiker. Die Stadt gibt nach eigenen Angaben allein für das Welterbe jährlich fünf bis sechs Millionen Euro aus. Im Vergleich zu anderen Städten seien das zusätzliche Ausgaben.
Das vorgestellte Gutachten macht es nötig, dass der geplante Industriepark verkleinert werden muss. Bildrechte: MDR/Carsten ReußGegner des Projekts bleiben kritisch
Auch bei vielen Bürgern war die Studie ungeduldig erwartet worden. Im Verein "Zukunft Quedlinburg", in dem sich die Gegner des Projekts versammelt haben, ist man weiter skeptisch. Der Zweite Vorsitzende, Martin Straka, ist überzeugt, dass dem Welterbe mit den Windrädern ein großer Schaden zugefügt werde. Der Verein wirbt derzeit um Unterschriften für eine Petition gegen das Projekt. Rund 1.500 Bürger haben bereits unterschrieben.
Jetzt sollen die Pläne überarbeitet werden. Mitte April soll eine Einwohnerversammlung stattfinden. Gestritten wird sicher weiter um das Zukunftsprojekt "Morgenrot", trotz Welterbe-Verträglichkeitsstudie.
MDR (Carsten Reuß)
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