Warum private Bauherren bei Verträgen und Mängeln schnell an Grenzen stoßen
Wer aufmerksam durch Magdeburg-Buckau geht, dürfte die Villa schnell bemerken. Sie wurde um 1880 erbaut, später lebte dort ein jüdischer Arzt, zu DDR-Zeiten war dort eine Poliklinik untergebracht. Heute gehört das Haus dem Archäologen Jörg Vogt. Im Inneren prägen hohe Decken, historische Details und großzügige Räume das Gebäude. Es wird sofort klar, wie anspruchsvoll und zeitintensiv die Sanierung ist.
Gefunden hat Jörg Vogt die Villa eher zufällig. Eine Anzeige in der Zeitung, eine Versteigerung, ein günstiger Preis. Dass viel Arbeit auf ihn zukommen würde, war ihm dabei von Anfang an bewusst. "Ich hatte vorher ein Gutshaus gekauft", sagt er. "Dadurch hatte ich bereits Erfahrung mit dem Ausbau von alten Häusern."
Der Charme des alten Hauses
Vieles übernimmt Vogt in der Villa selbst: Er verlegt Böden, bringt Putz auf und kümmert sich um kleinere Arbeiten. Geht es aber darum, etwas fachgerecht abzudichten oder abzusichern, braucht er Fachbetriebe. Gerade hier wird Sanieren schnell zur Geduldsprobe.
Für Jens Vogt ist die Sanierung alter Häuser eine Herzensangelegenheit.Bildrechte: MDRFür ein Dachfenster im Zimmer seiner Tochter sucht Vogt schon lange einen Handwerker. "Seit sieben oder acht Jahren suche ich jemanden, der diese Schleppgaube abbaut und ein Fenster da einbaut." Er hat zahlreiche Anfragen gestellt, rund zehn Firmen waren vor Ort.
Wenn Fachfirmen fehlen
Einige sagten später ab, andere meldeten sich gar nicht mehr zurück. Auch über Vermittlungsplattformen kam nichts zustande. Das zeigt ein Problem, das viele private Bauherren kennen: Aufwendige oder ungewöhnliche Arbeiten lassen sich oft nur schwer erledigen, weil die richtigen Handwerker schwer zu finden sind.
Wie schnell ein Bauprojekt zur Nervenprobe wird, hat Vogt nach eigener Darstellung auch bei einem anderen Objekt erlebt: einem Gutshaus in Morsleben, das er ebenfalls seit Jahren saniert. Dort führte ein Streit über die Ausführung der Arbeiten schließlich sogar vor Gericht. Für Vogt zeigt das, wie aufwendig es werden kann, wenn Erwartungen und die tatsächliche Umsetzung nicht zusammenpassen und Gerichte klären müssen, wer im Recht ist.
Was Bauherren oft unterschätzen
Dass solche Probleme nicht erst auf der Baustelle beginnen, sagt auch Henrik Fork-Weigel, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbund e.V.. Der Verein berät private Bauherren etwa zu Verträgen, Zahlungsplänen und Mängeln während der Bauphase.
Henrik Fork-Weigel, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbund e.V.: Probleme entstehen meist schon, bevor es auf der Baustelle los geht.Bildrechte: MDRFork-Weigel sagt, viele Vertragsklauseln benachteiligten Verbraucherinnen und Verbraucher, und Zahlungspläne richteten sich oft nicht nach dem tatsächlichen Baufortschritt. Dazu kämen Fehler bei der Ausführung. Seine Bilanz fällt deutlich aus: "Im Durchschnitt gab es bei den 100 Hausbauvorhaben, die wir begleitet haben, 31 Mängel."
Alte Rollläden, neuer Ärger
Die Nachfrage nach Beratung bleibe hoch. Wer baut oder saniert, investiere oft die größte Summe seines Lebens, sagt Fork-Weigel. Beratungsbedarf entstehe deshalb oft schon früh: etwa bei Verträgen, Zahlungsplänen und der Einschätzung von Bestandsimmobilien. Denn wer baut oder saniert, braucht starke Nerven. Für Jörg Vogt zeigt sich das immer wieder ganz konkret an seinem Haus.
Derzeit sind es die historischen Rollläden, die ihm Probleme bereiten. Ein Detail, das er eigentlich unbedingt erhalten wollte. Er habe einen Handwerker mit der Instandsetzung beauftragt, sagt er. Trotz mehrerer Versuche habe das nicht funktioniert. Bezahlt habe er trotzdem, doch zufrieden ist er mit dem Ergebnis nicht.
Warum Sanieren schnell zur Belastung wird
Jörg Vogt betont zugleich, dass er auch gute Erfahrungen gemacht habe. Es gebe sehr gute Handwerker, und mit manchen Gewerken arbeite er zuverlässig zusammen. Sein Fall zeigt daher nicht, dass Bauen grundsätzlich am Handwerk scheitert. Er macht vielmehr deutlich, wie aufwendig und konfliktanfällig Bauen und Sanieren für private Eigentümer werden kann, vor allem bei alten Gebäuden mit einem hohen Sanierungsaufwand.
ARD-Mitmachaktion #besserwohnen
Bezahlbarer Wohnraum ist eine der zentralen Fragen unserer Zeit. Die ARD widmet sich in einem Themenschwerpunkt der Frage, wie Menschen in Deutschland wohnen und was sich ändern muss. Seit Oktober wurden hierfür Stimmen aus dem ganzen Land gesammelt. Mehrere hundert Mieterinnen und Mieter haben sich bereits beteiligt und ihre persönliche Wohnsituation geschildert.
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MDR (Hannes Leonard)
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