Warum Patienten ihre Ärzte anlügen
- Vor allem junge Menschen sagen ihrem Arzt nicht immer die Wahrheit.
- Patienten schweigen etwa über soziale Umstände oder ihren Alkoholkonsum.
- Falschaussagen können schwerwiegende Konsequenzen haben.
Der Arzt ist eine wichtige Vertrauensperson. Oft müssen unangenehme Dinge angesprochen werden. Vor allem jüngere Patienten verschweigen dabei jedoch bewusst Details zu ihrem Befinden: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sind es 45 Prozent bei den 18- bis 24-jährigen, die ihrem Arzt oder ihrer Ärztin schon einmal bewusst nicht die Wahrheit gesagt haben. Bei den über 55-Jährigen sind es 24 Prozent.
Bei einer Umfrage in einem Chemnitzer Einkaufszentrum zeigt sich ein gemischtes Bild. Eine Frau gibt zu: "Ich sage nicht immer alles, mag das nicht so." Eine andere entgegnet: "Wenn man Vertrauen hat zum Arzt, warum soll er es nicht wissen?"
Patienten schweigen über finanzielle Umstände oder Alkoholkonsum
Am häufigsten wird in deutschen Arztpraxen über die Symptome einer Krankheit geschwiegen, so die YouGov-Umfrage. Hinzu kommen soziale Umstände wie die finanzielle Situation, familiäre oder psychische Probleme. Dass Patienten nicht immer offen und ehrlich sind, erlebt auch der Allgemeinmediziner Holm Riegel. Er betreibt in Magdeburg eine eigene Praxis.
Riegel sagt: "Ich denke, dass beim Alkoholkonsum sehr häufig gelogen wird oder eine falsche Angabe gemacht wird. Es gibt natürlich viele Sachen, da ist das schambehaftet. Da wollen die Menschen nicht darüber reden, fühlen sich schlecht und denken, sie machen irgendetwas Ungehöriges. Es gibt dann natürlich auch eine kleine Gruppe von Menschen, die einen Krankenschein sehr gerne hätten. Das merkt man dann vor allem, wenn das recht häufig vorkommt." Dies seien aber die wenigsten seiner Patienten, sagt Holm Riegel.
Arzt warnt vor schwerwiegenden Konsequenzen
Der Allgemeinmediziner aus Magdeburg ist nicht der einzige, der solche Erfahrungen macht. Auch beim Verband der Sächsischen Hausärztinnen und Hausärzte ist bekannt, dass Patienten nicht immer die Wahrheit auf den Tisch legen. Arzt und Verbandschef Torben Ostendorf weist auf die Gefahren hin, die sich damit verbinden: "Das kann schwerwiegende Konsequenzen haben. Wenn hier einer kommt und berichtet über Brustschmerzen, nur um eine Krankschreibung zu bekommen, dann mach ich mir schlimmstenfalls die Gedanken, gibt's da möglicherweise einen Herzinfarkt oder Ähnliches? Man würde dann Blut abnehmen, EKGs schreiben, schlimmstenfalls in ein Krankenhaus schicken, und das alles nur wegen der Fehlaussage." So könne es dann zu unnötigen Behandlungen kommen, sagt Ostendorf.
Ein anderer Fall seien gefährliche Wechselwirkungen, wenn Patienten nicht mitteilen, dass sie Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel nehmen. Ostendorf nennt ein Beispiel: "Zum Beispiel Johanneskraut. Johanneskraut ist ja ein Medikament, was bei depressiven Verstimmungen, also psychischen Problemen, eingesetzt werden kann, was frei verkäuflich ist, was aber über den entsprechenden Abbau in der Leber mit vielen anderen Medikamenten Wechselwirkungen hat. Dann kann das mit anderen Medikamenten, die wir verordnen, auch Probleme machen, wenn wir von den Medikamenten nichts wissen."
Solche Probleme oder auch Versäumnisse bei der Behandlung könnten ausgeschlossen werden, wenn Patienten der Elektronischen Patientenakte zustimmten, sagt Ostendorf. Hier aber sei die Skepsis vor allem wegen des Datenschutzes bei vielen noch sehr groß.
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