Ruhekiller Zucker? Wie sich Süßes auf Entspannung auswirkt
Bevor es stressig wird, lieber nochmal eine Portion Energie – Zucker hilft in Stresssituationen. Der Körper reagiert stärker auf Stress, wenn wir etwas Süßes zu uns nehmen. Es wird mehr Cortisol ausgeschüttet, die Herzrate bleibt länger erhöht. Kurzfristig steht so mehr Energie zur Verfügung, langfristig steigt aber das Risiko für Bluthochdruck, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Wie wirkt Zucker auf das autonome Nervensystem?
Doch wie wirkt Zucker, wenn wir uns entspannend wollen? Das haben Forschende der Universität Konstanz genauer untersucht. Die Neuropsychologen untersuchten 94 gesunde Probanden. Die kamen nüchtern ins Labor, erhielten entweder ein zuckerhaltiges Getränk oder Wasser. Die eine Hälfte ruhte sich danach einfach aus, die andere bekam eine Massage. In der Zeit wurde die Herzaktivität überwacht.
Neben der Selbstauskunft – also wie entspannt sich die Testpersonen vorkamen – untersuchten die Wissenschaftler um Erstautorin Maria Meier die Aktivität des autonomen Nervensystems. Dieses steuert verschiedene Prozesse in unserem Organismus, wie etwa die Herzfrequenz oder die Atmung und besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Sympathikus und Parasympathikus.
Zwei Taktgeber für unser Herz
"Unser Herz hat einen internen Taktgeber, der bestimmt, wie schnell es schlägt. Dabei wirkt der Sympathikus in Stressmomenten stimulierend und aktivierend, während der Parasympathikus als sogenannte vagale Bremse den Herzschlag verlangsamt", erklärt Meier. Die Wissenschaftlerin und ihre Kollegen berechneten bei den Probanden die Herzratenvariabilität, ein Maß für die Aktivität des Parasympathikus. Außerdem ermittelten sie rechnerisch die sogenannte Präejektionsperiode, die als Maß für die Aktivität des Sympathikus gilt.
Sämtliche Probanden gaben an, dass Massage oder Ruhephase als entspannend empfunden wurden. Dies bestätigte auch die Messung der Herzaktivität: Die Entspannungstechniken aktivierten den Parasympathikus, ob nun zuvor Zucker eingenommen worden war oder nicht. Für tiefere Erholung sorgte dabei die Massage im Vergleich zum bloßen Ausruhen. So weit, so erwartbar.
Sympathikus wird durch Zucker erregt – auch beim Entspannen
Zucker wirkte sich dagegen auf den Sympathikus aus. "Das bedeutet: Obwohl sich die Probanden subjektiv entspannt fühlten, fuhr der Sympathikus nicht herunter, sondern hielt den Körper in einem höheren Erregungszustand", sagt Neuropsychologin Maria Meier. "Wir schließen daher aus unseren Testergebnissen, dass Zucker die Entspannungsfähigkeit des Körpers beeinträchtigt."
"Etwas Süßes zu naschen wird ja häufig mit entspannenden Situationen in Verbindung gebracht – ein Schokoriegel oder ein Eis zum Kinofilm, ein Stück Torte am Wochenende in gemütlicher Familienrunde", erklärt Jens Pruessner, Leiter der Arbeitsgruppe von Meier.
"Tatsächlich scheint aber die Fähigkeit, sich zu entspannen, durch die konstante Sympathikusaktivierung nach Zuckergabe eingeschränkt – wenn also bewusst entspannt werden soll, zum Beispiel durch eine Meditationsübung oder progressive Muskelrelaxation, sollte auf die Einnahme eines explizit zuckerhaltigen Nahrungsmittels vorher verzichtet werden." Also lieber kein Eis vor der Massage oder ein Stück Kuchen vor der Ruhepause auf der Couch.
Link zur Studie
Die Studie "The effect of glucose on cardiac reactivity to a standardized massage in healthy adults" ist im "International Journal of Psychophysiology" veröffentlicht wurden.
pm/jar
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