Polnische Journalistin Klementyna Suchanow mit Dresdner Friedenspreis ausgezeichnt
- Für ihr Engagement gegen die rechts-konservative Regierung in Polen ist die Journalistin Klementyna Suchanow mit dem Friedenspreis Dresden ausgezeichnet worden.
- In ihrem jüngsten Buch hat Suchanow herausgearbeitet, wie auf der ganzen Welt ähnliche Strategien gegen Frauen- und Minderheitenrechte genutzt werden.
- Nach schweren Repressalien freut sich die Autorin und Aktivistin über die Wertschätzung aus Dresden.
Die polnische Journalistin Klementyna Suchanow ist am Sonntag mit dem Friedenspreis Dresden 2026 geehrt worden. Wie die Veranstalter mitteilen, wurde der Preis in einem Festakt in der Dresdner Semperoper überreicht. Die Laudatio für Suchanow hielt der ehemalige luxemburgische Außenminister Jean Asselborn. Dazu gab es künstlerisches Begleitprogramm mit dem Jazz-Pianisten Dominik Wania, dem deutschen Rapper Juse Ju und der Dresdner Tänzerin Katja Erfurth.
Suchanow überzeugt mit Protest und Analyse
Klementyna Suchanow wurde in Dresden sowohl für ihre aktivistische als auch für ihre journalistische Leistungen ausgezeichnet. Suchanow wurde 1974 in Kamienna Góra geboren und promovierte in Warschau in Literaturwissenschaft. Bereits in ihrer Studienzeit engagierte sie sich und setzte sich unter anderem für Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Frieden ein. Als die Partei PiS an die Macht kam und später legale Abtreibungen in Polen faktisch unmöglich machte, organisierte Suchanow mehrere Proteste.
Ihre Motivation sei privat gewesen, erklärt Suchanow im Gespräch mit MDR KULTUR. Sie sei damals Mutter einer 14-jährigen Tochter gewesen und die Pläne der Regierung gegen Abtreibungsrechte hätten ihr Leben "zur Hölle gemacht". So wurde die Aktivistin zur Mitbegründerin der Bewegung "Ogolnopolski Strajk Kobjet" ("Allpolnischer Frauenstreik"), die regelmäßig Zehntausende Menschen gegen die Regierung auf die Straße brachten. Dafür wurde sie auch verfolgt, festgenommen und in der Haft misshandelt.
Seit 2016 mobilisiert Klementyna Suchanow Proteste gegen die PiS-Partei in Polen.Bildrechte: picture alliance / Hans Lucas | Francois DevosPolen, Russland, USA: Was "Fundamentalisten" zerstören
Suchanow kämpft jedoch nicht nur auf der Straße, sondern auch mit den Mitteln des Journalismus. Als sie genauer zu den Strategien der PiS-Regierung, die gegen marginalisierte Gruppen mobilisierte und versuchte den Rechtsstaat umzubauen, recherchierte, merkte sie, dass auch in Lateinamerika, wo Suchanow seit ihrer Studienzeit regelmäßig hinschaute, Ähnliches passiert. "Eine seltsame Sache, die überall passiert: Frauen werden angegriffen, gleichzeitig fühlen sie sich verloren, weil sie nicht vom Staat beschützt werden, sondern vom Staat selbst angegriffen werden", so die Journalistin.
Die Kräfte, die diese Veränderungen in der Welt durchsetzen, nennt Suchanow in ihrem jüngsten Buch "Das ist Krieg" Fundamentalisten. "Die Einschränkung der Freiheiten und die Herausbildung immer stärkeren ideologischen Fundamentalismus führen innerhalb von Gesellschaften zu Konflikten", erklärt Peter Ufer, geschäftsführender Gesellschafter des Preises, Suchanows Theorie, "und führt damit auch zu Konflikten zwischen Gesellschaften und damit zu Krieg."
Während ihres Studiums beschäftigt sich Suchanow mit einer osteuropäischen Perspektive aus Frauenrechte in der Welt.Bildrechte: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Hubert MathisDiese Entwicklungen beobachtet Ufer auch selbst. Dass Russland Krieg in Europa führt und die Freundschaft Deutschlands mit den USA bröckelt, habe er sich vor wenigen Jahren kaum vorstellen können. Im Interview mit MDR KULTUR berichtet er außerdem, wie auch der Preis selbst nun zur Zielscheibe geworden sei: Streng gläubige Katholiken aus Österreich hätten eine Mail geschrieben, um die Verleihung des Dresdner Friedenspreises an Suchanow zu verhindern.
Suchanow erfreut über Ehrung in Dresden
Die prämierte Aktivistin ihrerseits ist begeistert von der Auszeichnung. "Ich habe mich daran gewöhnt, unterdrückt und überwacht zu werden. Ausgezeichnet zu werden ist etwas Neues", erzählt Suchanow im Gespräch mit MDR KULTUR.
Der Preis wird seit 2010 jedes Jahr in Dresden vergeben und soll Menschen ehren, die sich besonders um die Wahrung von Menschenrechten und Frieden verdient gemacht haben. Er ging unter anderem an den Politiker Michael Gorbatschow, den Dirigenten Daniel Barenboim oder an den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny. Im vergangenen Jahr wurde der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ausgezeichnet. Wie Ufer erklärt, entscheidet eine Jury, in der Leitungspersönlichkeiten großer Dresdner Institutionen sitzen, wer die Auszeichnung erhält. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, die von der Klaus-Tschira-Stiftung gespendet werden.
Quelle: MDR KULTUR, Friedenspreis Dresden, Europa Verlag; redaktionelle Bearbeitung: tsa
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke