• Energiekosten und Inflation bringen momentan viele Menschen in finanzielle Bedrängnis.
  • Immer mehr Menschen leben an der Grenze zum Existenzminimum.
  • Gerade junge Menschen kaufen gerne auf Pump und verlieren den Überblick. Die Verbraucherzentrale empfiehlt einen Haushaltsplan.

Eine kurze Einordnung der Zahlen: Smava ist ein Online-Portal, das Kredite vergleicht – also keine amtliche oder unabhängige Datenquelle.

Energie, Inflation, Arbeitsmarkt: Gründe für Dispo sind vielfältig

Trotzdem wundert es Hermann-Josef Tenhagen nicht, dass im März mehr Leute im Dispo sind als sonst. Er ist Chefredakteur beim Verbraucherportal Finanztip: "Diesen März haben die Leute natürlich besonders auf ihre Energiekosten geguckt. Weil sie für ihren Sprit womöglich mehr Geld ausgeben müssen, und weil insgesamt auch die Inflation schon ein Stück weit angeschoben worden ist."

Auch die Arbeitsmarktbelebung sei verhalten gewesen. Im März würden normalerweise mehr Leute wieder einen neuen Job bekommen, was aber in diesem Jahr nicht gut funktioniert habe, erklärt Tenhagen: "Und dann gibt’s diese ganze Krisendiskussion und dann gucken die Leute auch auf ihr Konto und stellen fest: Sch…, ich bin ja im Minus."

Immer mehr Menschen an der Grenze zum Existenzminimum

Der Umfrage zufolge betraf das im März durchschnittlich 13,5 Prozent der volljährigen Menschen in Deutschland. Im Vergleich zum Februar ein Anstieg von 12,5 Prozent. In Sachsen hatte rund jeder Vierte von ihnen mehr als 2.000 Euro Miese auf dem Konto.

Eine Entwicklung, die Jens Heinrich besorgt, Schuldnerberater der Arbeiterwohlfahrt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge: "Normal ist das nicht nach meinem Verständnis. Diese Entwicklung ist schon sehr bedrohlich und wird auch Konsequenzen haben für die öffentliche Hand. Weil zunehmend mehr Menschen sozialhilfebedürftig werden und Bürgergeld-Zuzahlungen brauchen. Immer mehr Menschen kommen an die Grenze des Existenzminimums, also das ganze System ächzt eigentlich."

Vor allem junge Menschen kaufen auf Pump

Eine große Baustelle sind dabei die sogenannten "buy now, pay later"-Angebote – also jetzt kaufen und später zahlen. Der Chefredakteur von Finanztip Tenhagen betont, dass vor allem junge Leute diesen Service über Paypal oder Klarna nutzen und dann schnell den Überblick verlieren würden. Am häufigsten verschuldet seien aber eher Menschen zwischen 30 und 50.

Verbraucherzentrale empfiehlt Haushaltsplan

Was also tun, wenn sie merken, es wird knapp? Cornelia Hansel ist Schuldnerberaterin bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Sie empfiehlt einen Haushaltsplan, in dem alle Kosten aufgelistet sind: "Was habe ich auf der Einnahmenseite, was habe ich auf der Ausgabenseite? Kann ich eventuell Verträge kündigen und wo gibt's da noch Einsparpotential? Ein Dispo sollte günstigerweise gar nicht in Anspruch genommen sein. Ein Dispo ist dafür da, einen kurzfristigen Finanzbedarf zu überbrücken. Wer dauerhaft im Dispo lebt, kauft sich damit sehr teures Geld von der Bank."

Ein Dispokredit werde oft nicht als Schulden empfunden – aber es seien trotzdem reale Schulden, die sich anhäufen. Hansel rät also, genau hinzuschauen – denn das zeigt die Umfrage auch: Viele wissen nicht einmal, wie viel Geld sie gerade auf dem Konto haben.

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