MDR AKTUELL: Herr Valet, haben Lindt und Co. die Marktlage falsch eingeschätzt? Haben sie die Preisschraube zu Ostern überdreht?

Armin Valet: Offensichtlich ist es so, ja. Also Lindt ist ja aus dem Premium-Segment und die Produkte waren immer teuer und die Verbraucherinnen und Verbraucher greifen gerade bei so Saisonartikeln wie Ostern und Weihnachten zu diesen Premiumprodukten, weil sie den Kindern, den Enkeln was Gutes tun wollen. Aber hier – haben wir oft genug gehört – hat man wohl das überdreht und die Verärgerung war deutlich spürbar bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern, auch die Kaufzurückhaltung.

Und das ist jetzt wohl die Konsequenz, die aus unserer Sicht längst überfällig ist. Zum Hintergrund: Wir haben seit gut einem Jahr wirklich stark fallende Kakaopreise an den Rohstoffmärkten, also ungefähr 75 Prozent günstiger als vor gut einem Jahr. Was ist passiert im Supermarktregal? Die Preise sind zum Teil noch gestiegen und das ist ein überfälliges Signal von Lindt.

Sind die Kunden informierter geworden oder sind sie vielleicht auch preissensibler geworden? Haben das die Firmen unterschätzt?

Sie haben [...] angedeutet, dass die Kosten enorm steigen. Wir haben immer noch höhere Inflationsraten als gewünscht, wir haben immer weitere Krisen und dann müssen natürlich Verbraucherinnen und Verbraucher das Geld zusammenhalten. Wir sind in Deutschland noch ein relativ wohlhabendes Land, aber eine immer größere Anzahl an Verbrauchern haben wirklich wenig Geld in der Tasche.

Und wir haben es ja nicht nur bei Lindt, sondern auch bei anderen Markenherstellern. Die haben das überdreht, obwohl die Lage eigentlich eine andere ist: Dass eigentlich Preissenkungen zu erwarten sind. Die ersten, die das tatsächlich umgesetzt haben, waren die Händler mit ihren Eigenmarken, da sind schon in den letzten Wochen Preissenkungen umgesetzt worden, die Markenartikler haben sich bisher gescheut davor.

Womit rechnen Sie? Werden auch sie dann Preisnachlässe gewähren müssen?

Ich denke schon, da kommt jetzt Bewegung rein und deshalb müssen wir abwarten, was da passiert. Auch wie die Krisen, die geopolitischen Krisen weitergehen, denn das wären wieder Argumente, um Preise stabil oder höher zu halten, wenn die Energiekosten weiter ansteigen. Aber in Bezug auf Kakao und Schokolade, da erwarten wir noch Preisrückgänge – übrigens auch im Handel, weil da wirklich sehr große Kaufzurückhaltung da ist. Schokolade ist eher ein Frequenzbringer. Die Leute kommen in den Laden, wenn es da Sonderangebote gibt, und darum ist es auch im Sinne der Händler, dass hier was passiert.

Haben die Kunden durch ihre Kaufzurückhaltung eigentlich gezeigt, welche Macht sie haben?

Ja, sie ist begrenzt und wir haben natürlich auch unterschiedlichen Fokus bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Wir sind ja schon eine sehr inhomogene Masse. Es gibt Menschen, die viel Geld haben, denen es egal ist, was ein Schokoladenhase kostet. Und es gibt andere, die sich das gar nicht leisten können. Aber sie können tatsächlich mit ihrem Portemonnaie abstimmen, mit ihrem Einkaufszettel Politik machen.

Trotzdem benötigen wir auch Rahmenbedingungen, damit das nicht aus dem Ruder läuft. Es ist ja leider so, dass in Deutschland die Preiserhöhungen in den letzten Jahren oftmals deutlich höher waren als in den Nachbarländern in der EU. Und da ist schon die Frage berechtigt: wo bleibt das hängen, wer macht sich da die Taschen voll. Darum sind wir auch Befürworter, dass man sich die Lieferkette mal genauer anschaut, wer hier was verdient.

Und wer kann hier wie tätig werden?

Natürlich fordern wir wie auch unser Bundesverband, dass man ja eine Kommission schafft oder eine Stelle schafft, die sich anschaut, wie die Verteilung ist über die Lieferkette und deshalb meinen wir schon, dass die Regierung sich bei den Lebensmittelpreisen sich was einfallen lassen muss, was man hier dagegen machen kann.

Das Gespräch führte Stefan Blattner.

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