Spaziergang-Forscher plädiert für Erhalt von Tagebau-Landschaften
- Maschinen für kilometerweite Landschaftsgestaltung
- Revierpark Profen als Beispiel
- Tausende Hektar unter Naturschutz
Der Landschaftsplaner und Spaziergang-Forscher Bertram Weisshaar plädiert dafür, die Folgelandschaften der letzten aktiven Tagebaue Deutschlands anders zu gestalten als bisher üblich. Weisshaar sagte MDR AKTUELL, in den letzten drei Jahrzehnten sei in den ehemaligen Bergbaurevieren vor allem See-Entwicklung betrieben worden. Ein See ähnle dem anderen. Um jeden entstandenen Bergbausee gebe es einen Rundweg und alle hätten einen Aussichtsturm. Die Frage sei, wie man mit den letzten Bergbau-Folgelandschaften anders umgehen könne, als noch eine Marina und noch mal eine Marina zu bauen.
Bertram Weisshaar am Rande der MDR-Talkshow Riverboat, 30. April 2021.Bildrechte: picture alliance / zb | Kirsten NijhofWeisshaar sagte, es gehe darum, die Umgebung der künftigen Seen so zu gestalten, wie man es – "vom Bergbau hergestellt" – entdecken könne. "Dann entstehen noch einmal andere Landschaften. Und die sind dann sehr authentisch mit dem verknüpft, was man jetzt da auch erleben kann." Die braunen, brachen Kegel, Erosionsrinnen und Sanddünen seien die Inspiration, um eine neue Landschaft zu erfinden.
Maschinen für kilometerweite Landschaft
Der Landschaftsplaner erklärte, dass nur Braunkohletagebaue derart große Maschinen hätten, mit denen man Landschaft über Kilometer hinweg gestalten könne. Jetzt sei es noch möglich, mit einem Absetzer 30 Meter hohe Kegel zu schütten. In zehn bis 15 Jahren, wenn der letzte Tagebau stillgelegt und der letzte Bagger abgeschaltet sei, habe man diese Möglichkeit nicht mehr. Deshalb müsste man sie nutzen. Weisshaar zufolge ist das Besondere an den Braunkohle-Landschaften, dass sie "permanent in Veränderung sind". Für die ihm vorschwebende Vision für die letzten Bergbau-Folgelandschaften nannte er den Arbeitstitel "Nationalpark Braunkohle".
Revierpark Profen als Beispiel
Blick über mehrere Sträucher im Herbst auf den Braunkohle-Tagebau Profen im Burgenlandkreis.Bildrechte: MDR/Michael RosebrockAls ein Beispiel für das neu gedachte Konzept nannte Weisshaar den Revierpark Profen in der mitteldeutschen Bergbauregion. "Der ist eben nicht wieder mit Muttererde zugeschüttet worden, sondern ist so roh geblieben. Und Birkenhaine und Sanddünen bestimmen dort das Bild." Und wenn man nach zwei Stunden an einem See ankomme, seien dort Erosionsrinnen, Täler, Kegel und Labyrinthe. Außerdem gebe es offene Flächen, in denen man sich seinen Weg selber durch die Steppe suchen müsse. Und die Vegetation gestalte ihren Pflanzplan selbst.
Tausende Hektar unter Naturschutz
Weisshaar wies in dem Zusammenhang daraufhin, dass "die Naturschutzforschung den Wert dieser auf den allerersten Blick häufig so lebensfeindlich erscheinenden Bereiche inzwischen längst erkannt und viele tausend Hektar unter Naturschutz gestellt" habe. Wenn man bei seinen Spaziergang-Veranstaltungen in diese Bereiche komme, die sich zehn oder 20 Jahre selbst überlassen worden seien, merke man, dass die Vegetation dort Fuß fasse und es Tiere gebe. "Man hört Vögel, Grillen, Frösche, also die Landschaft kommt dann quasi von alleine."
MDR (dni)
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