• Landwirte erhoffen sich von einem Tool wie dem Hightec-Pickup Unterstützung bei Bodenanalyse und Dünge-Entscheidungen.
  • Mit integrierter Drohne kann viel Fläche analysiert werden – auch unter der Erde.
  • Ein Knackpunkt auf dem Land: die Übertragung großer Daten ohne Glasfaseranschluss.

In der Landmaschinenhalle der Hochschule Anhalt stehen große Traktoren, schweres Gerät und ein weißer Pickup. "Wir forschen für die Zukunft", steht auf dem Wagen, der gleich zum ersten Mal das Gelände der Hochschule Anhalt in Bernburg verlässt.

Wissenschaftler Uwe Knauer und seine beiden Kollegen wuchten noch den Bodenscanner an das Heck des Fahrzeugs. Mit ihm kann der Boden bis zu 1,20 Meter tief analysiert werden. An Bord: modernste Sensor- und Drohnentechnik.

Der Pickup steht in der Landmaschinenhalle der Hochschule Anhalt.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Agrarforschung ist direkt vor Ort viel effizienter

"Der große Vorteil ist, dass wir hier alles an einem Ort haben und dass wir das einsatzbereit direkt an den Feldrand bringen können", erzählt Uwe Knauer sichtlich stolz. So etwas habe es in der Form noch nicht gegeben. "Das ist für uns in der Arbeit ein echter Mehrwert, Forschung wird effizienter." Auch Landwirtschaftsbetriebe würden davon profitieren, wenn Forschung direkt am Feldrand angewendet und auch ausgewertet werde.

Gemeinsam mit seinen Kollegen Elena Tschiedel und Paul Herzig fährt er ins wenige Kilometer entfernte Weddegast, ein Ortsteil von Bernburg. Hier bewirtschaften Karsten Freyer und seine Frau Sylvie Zausch etwa 300 Hektar Land, bauen Getreide, Raps und Zuckerrüben an.

Weniger Ressourcenverschwendung z.B. bei Dünger möglich

Das Paar sei offen für digitale Unterstützung im Betrieb, sagt Freyer. Sie erhoffen sich wertvolle Informationen, "angefangen beim Boden, über aktuelle Wachstumszustände. Damit man den Ressourceneinsatz, den man betreibt mit Düngemitteln, Pflanzenschutzmitteln, dass wir da Geld sparen und es effizienter einsetzen können".

Der Hof von Karsten Freyer und seiner Frau Sylvia Zausch von oben.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Freyer versteht sich als technik-affin, zugleich seien Landwirte wie er überwältigt von den vielen digitalen Möglichkeiten: "Das ist so unübersichtlich, dass wir schon fast überfordert sind, überhaupt Schritt zu halten", meint Freyer, der sich über den Besuch der Wissenschaftler freut. Hofft er doch, dass diese ihnen einen Weg durch die Vielzahl der digitalen Tools aufzeigen, die es inzwischen für Landwirte gibt.

Dabei hat der mobile Labor-Pickup selbst jede Menge Technik an Bord. Und soll noch mehr dazubekommen, wie Uwe Knauer erklärt. Das Fahrzeug werde auch noch aufgerüstet z.B. mit speziellen Kameras, mit denen "genauer als von Drohne oder Satellit" zum Beispiel Krankheitsbilder eingeschätzt werden können.

Drohnen liefern neue Einblicke in den Ackerboden

Das Feld nebenan, wo Winterweizen angebaut wird, dient als ein Praxistest. Wissenschaftler Paul Herzig fliegt eine Kamera-Drohne, um die Fläche zu kartographieren. Die Analyse der Daten im Anschluss könne dann beispielsweise zeigen, ob unterschiedlich gedüngt werden könne und damit am Ende auch mehr Ertrag zu generieren, so Herzig. Die ersten Ergebnisse machen das Wurzelwerk der angrenzenden Pappeln sichtbar. Damit steht auch die Frage im Raum: Was tun, um die Feldfrucht zu unterstützen? Auch das Ausmaß der Fraßschäden der Feldmaus zeigt sich deutlich.

Wissenschaftler Paul Herzig hat die Drohne zur Flächenberechnung gestartet.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Freyer interessiert sich für die Möglichkeiten, die die Drohnentechnik bietet. Denn auch der Agrarbetrieb nutzt eine kleine Drohne. Auf einem Teil seiner Felder testet er für andere Unternehmen Saatgut, macht davon Bilder aus der Luft. Ausgewertet werden sie woanders. "Wir haben die Technik am Hof und da stellt sich natürlich die Frage, wie man diese Technik auch noch für uns nutzbringend einsetzen kann", erzählt Freyer.

Der mobile Labor-Pickup ist Teil des Forschungsprojekts "Transform" der Hochschule Anhalt – Projektpartner sind die Fraunhofer-Institute IBMT und IFF und Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt. Es ist ein Förderprojekt des Bundesministeriums für Landwirtschaft mit dem Ziel, dass die Landwirtschaftsbetriebe bei ihrer digitalen Transformation zu unterstützen. Im ersten Projektabschnitt wurden bereits Dialog- und Veranstaltungsformate – "Smart Transformation Labs"– gegründet. In Bernburg und im Elbedome in Magdeburg werden gemeinsam mit Landwirten Zukunftsvisionen der Landwirtschaft diskutiert.

Studie zeigt: Digitalisierung nimmt Fahrt auf – hat aber Bremsklotz

Eine repräsentative Befragung unter 500 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland von Bitkom und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) zeigt, dass innerhalb von nur zwei Jahren immer häufiger Digital-Technologien und Verfahren in der Landwirtschaft eingesetzt werden. An erster Stelle stehen GPS-gesteuerte Landmaschinen. Drohnen, Melk- und Stallroboter und KI hingegen gehören noch bei den wenigsten der befragten Betriebe zum Arbeitsalltag.

Die Herausforderungen, die die Digitalisierung in der Landwirtschaft mit sich bringen, sind jedenfalls groß, das spüren Karsten Freyer und seine Frau Sylvia Zausch schon jetzt. Und sie beginnen bei der Infrastruktur. Aktuell müssen sie, wenn sie die Drohnenbilder übertragen wollen, zwei Orte weiter fahren, dort gibt es schon einen Glasfaseranschluss. Auch müssen gigantische Datenmengen gespeichert werden. Die größte Herausforderung sieht Wissenschaftler Knauer jedoch in wirtschaftlichen Zwängen.

Kostenfrage bleibt zentral für Landwirte

Die Landwirte hinterfragen Investitionen in KI und digitale Tools, denn entscheidend für sie sei die Frage, ob sich das Ganze rechne: "Wie teuer ist die Anschaffung, wie schnell habe ich das Geld wieder drin, habe ich irgendeinen messbaren Vorteil?"

Uwe Knauer möchte mit Landwirten wie Karsten Freyer ins Gespräch darüber kommen, welche digitalen Werkzeuge und KI-Tools in der Arbeit der Landwirte einen wirklichen Mehrwert bieten. Das Treffen mit Landwirt Karsten Freyer ist dafür ein Anfang. In Zukunft sollen noch weitere Landwirtschaftsbetriebe in Mitteldeutschland von dem mobilen Labor Pickup und dem wissenschaftlichen Know-How und der Technik an Bord profitieren.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke