Mögliche Engpässe bei Kerosin: Experten warnen vor Folgen für Lieferketten
- Noch sieht das Logistikunternehmen DHL keine akuten Probleme bei der Treibstoffversorgung.
- Experten warnen jedoch: Schon kleine Ausfälle könnten das Luftfrachtnetz stören.
- Die Luftfrachtbranche fordert von der Politik Entlastungen – etwa beim Emissionshandel.
Am Flughafen Leipzig/Halle gibt es im Schnitt 200 Starts und Landungen pro Tag – vor allem von Frachtflugzeugen. Denn der Airport ist eines der größten Luftfrachtdrehkreuze in Europa. Größter Player ist DHL. Das Logistikunternehmen gibt sich trotz Warnungen vor Kerosin-Knappheit noch gelassen.
DHL: "Lage beherrschbar"
Auf Anfrage von MDR AKTUELL teilte DHL schriftlich mit: "Wir als DHL Group beobachten die weltweite Treibstoffversorgung kontinuierlich und stehen in engem Kontakt mit Flughäfen und unseren Treibstofflieferanten. Bislang ist die Lage beherrschbar. Obwohl wir an einigen Standorten unseres Netzwerks geringere Vorräte als üblich verzeichnen, rechnen wir derzeit nicht mit Betriebsbeeinträchtigungen."
Dass DHL so reagiert, wundert Hartmut Fricke nicht. Er ist Professor für Technologie und Logistik des Luftverkehrs an der TU Dresden. Viele große Unternehmen hätten sich mit langjährigen Lieferverträgen abgesichert, sagt Fricke, der aber noch einen anderen Grund für die Gelassenheit sieht. "Psychologie im Markt ist ganz wichtig. Insofern werden sich die Unternehmen natürlich hüten, Panik zu machen. Es wird immer etwas beruhigender artikuliert, als die Lage ist. Wir sind ja in einer Zeit, in der es absurd wäre, wir wüssten, was in vier Wochen der Sachstand ist."
Störungen könnten zahlreiche Lieferketten treffen
Aktuell sieht Fricke in Deutschland noch keinen akuten Kerosin-Engpass. Sollte der aber eintreten, hätte das auch Folgen für den Flughafen Leipzig/Halle und DHL. Denn kleinste Veränderungen beeinflussen das hochkomplexe Luftfrachtnetzwerk. "Würden einzelne Flugzeuge ausfallen, weil der Kraftstoff nicht mehr für alle reicht, dann würde das gesamte Netz deutlich gestört. Es ist eben sehr Hub-zentriert: Vieles geht über wenige Flughafenpunkte und damit würde man einfach am Markt feststellen müssen, dass die Zulieferung der Pakete länger dauert."
Betroffen wären aber nicht nur DHL und seine Kunden, sondern auch Dienstleister wie die Georgi Group, die am Flughafen Leipzig/Halle die Fracht für DHL abfertigt. Standortleiter Erik Ritterbach erklärt: "Wenn jetzt zum Beispiel ein Flug nicht wie geplant mit 50, 60, 70 Tonnen Exportfracht abhebt, wo wir aufbauen, dass die Fracht in den Flugzeugraum reinpasst, dann würden wir eben dieses Geschäft verlieren. Sprich: Der Umsatz bricht dann weg. Und wenn der Umsatz nicht mehr da ist, kann das über längere Zeit auch zu finanziellen Problemen führen."
Branche fordert Entlastung durch die Politik
Finanzprobleme für die Frachtunternehmen befürchtet auch der Bundesverband der deutschen Luftfahrtwirtschaft. Denn Kerosin-Knappheit bedeutet auch höhere Preise. Hauptgeschäftsführer Joachim Lang fordert die Politik zum Handeln auf. "Deshalb ist unser Appell an die Bundesregierung, für eine sofortige Entlastung zu sorgen, indem zum Beispiel auf europäischer Ebene der Emissionshandel ausgesetzt wird und man sich die Kosten für die Zertifikate sparen kann – und, dass man, solange die Krise dauert, auf die Erhebung der Luftverkehrssteuer verzichtet."
Andere Luftfrachtverbände gehen noch einen Schritt weiter: Sollte es tatsächlich zu einem Kerosin-Engpass kommen, fordern sie eine Priorisierung von Frachtflügen. Das würde bedeuten, dass Frachtmaschinen gegenüber Passagierflügen bevorzugt mit Treibstoff versorgt werden – mit möglichen Folgen für Flugpläne und Ticketpreise der Reisenden.
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