Pollenflug nimmt zu: Warum Allergiker stärker belastet sind
- Der Pollenflug beginnt früher und dauert länger als noch vor einigen Jahren.
- Klimawandel und Stadtbegrünung beeinflussen die Belastung für Allergiker.
- Forschende arbeiten an genaueren Vorhersagen für die Pollenbelastung.
Pollenflug als Folge des Klimawandels
Eine Pollenallergie nervt in Deutschland knapp 15 Millionen Menschen. Pollenanalyst Matthias Werchan von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, erkennt im zunehmenden Pollenflug ein Symptom für den Klimawandel. "Pollen sind ein gutes Fieberthermometer für die Veränderung. Man sieh das draußen, dass Pollen früher auftreten im Jahr und auch später noch fliegen. Die Menge an Pollen steigt auch, sodass man auch im Februar und März, was ja eigentlich noch Winter und Frühjahr ist, extreme Pollenflüge haben kann – wie dieses Jahr zum Beispiel."
Auch Stadtbegrünung beeinflusst Pollenflug
Das habe allerdings auch mit Entscheidungen zu tun, die Menschen bei der Stadtbegrünung treffen, gibt Werchan zu bedenken. Es müssen Bäume her, die langfristig mit Trockenheitsperioden gut klarkommen, so wie die Purpurerle beispielsweise.
Für Erle-Allergiker ist das aber ein Problem, denn diese Erle Art blüht nicht erst ab Frühling, wie die heimischen Bäume, sondern beginnt schon im Winter mit der Pollenverbreitung.
Forschung setzt auf Apps und Künstliche Intelligenz
Am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena arbeiten Wissenschaftlerinnen an einer App, die Allergiker frühzeitig vor Pollen warnen soll. Dabei spielt die Pflanzenerkennung über die App Floraincognito eine zentrale Rolle, erklärt Jana Wäldchen aus dem Forscherteam. "Nun wollen wir herausfinden, inwieweit es möglich ist, nicht nur eine Pflanze zu erkennen, sondern auch den Zustand einer Blüte zu erkennen. Das heißt: Können wir herausfinden, ob zum Beispiel die Blüte gerade Pollen abgibt, ob die Blüte schon verblüht ist oder ob vielleicht erst in fünf Tagen Pollen abgegeben werden?"
Aktuell beteiligen sich in ganz Deutschland Menschen über die App an dem Forschungsprojekt, indem sie Bilder von Pflanzen und Blüten aus ihrer Region hochladen.
Mit Hilfe einer KI soll der Zeitpunkt, in dem sich die Pollen verbreiten, so schon bald genauer vorhergesagt werden können, erklärt Wäldchen. "Wir würden gerne diese Vorhersage, wann eine hohe Pollenbelastung stattfindet, verbessern, sodass die Leute sich dann auch ganz zeitnah und lokalspezifisch an die aktuelle Belastungssituation anpassen können in ihrem Lebensstil. Zum Beispiel vielleicht dann nicht rauszugehen oder vielleicht bestimmte Medikamente zu nehmen."
Wunsch nach mehr Rücksicht auf Allergiker
Matthias Werchan von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst würde sich wünschen, dass überall dort, wo Menschen bewusste Entscheidungen für Stadt- oder Parkbegrünungen treffen, Allergiker mitgedacht würden. "Wir wissen, dass das schwierig ist, eine Artenauswahl zu treffen. Man will ja die Städte möglichst grün haben und das hat ja auch viele Vorteile, aber dass man dann Rücksicht nimmt auf Allergiker, das ist noch eher die Ausnahme. Es gibt Projekte oder Kommunen, die das machen, aber das sind noch nicht so viele, soweit wir wissen."
Er und sein Team seien dafür jederzeit erreichbar, falls sich zukünftig Garten- und Landschaftsbauer für einen Allergiker-freundlichen Anbau interessieren.
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