"Basis-Rente": Droht im Osten noch mehr Altersarmut?
- Für viele Menschen reicht die gesetzliche Rente nicht zum Leben.
- Bundeskanzler Friedrich Merz will deshalb die betriebliche Altersvorsorge ausbauen.
- Doch das dürfte mit Schwierigkeiten einhergehen.
Die gesetzliche Rente reicht nicht, um den Lebensstandard zu halten? Für den Volkswirtschaft- und Sozialpolitik-Professor Stefan Sell von der Hochschule Koblenz ist das nichts Neues.
Die gesetzliche Rente sei längst auf dieses Niveau abgesunken: "Da ist jemand, der 45 lange Jahre lang immer gearbeitet hat und jedes Jahr durchschnittlich verdient hat. Und wenn der nach 45 Jahren dieser ununterbrochenen Arbeit heute in Rente geht, dann bekommt der eine Rente in Höhe von 1.835 Euro brutto."
Gesetzliche Rente reicht oft nicht zum Leben
Davon müsse man aber noch Kranken- und Pflegeversicherung abziehen: "Dann landet der bei 1.612 Euro Monatsrente netto. Eventuell werden dann auch noch Steuern davon abgezogen." Durchschnittlich verdient bedeutet: rund 4.200 Euro brutto – 45 Jahre lang. Wer nicht so lang so gut verdient, für den fällt die Rente entsprechend geringer aus.
Betriebsrente als zweite Säule – mit Lücken
Nun soll nach den Vorstellungen des Bundeskanzlers eine betriebliche Altersvorsorge die starke Säule im Rentensystem werden. Allerdings verfügt nur etwa die Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland über eine solche Betriebsrente – besonders wenige in Ostdeutschland.
Für den Rentenexperten und ehemaligen Chef der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig Hannover, Ralf Kreickebohm, stellt sich deshalb die Frage: "Wie erreichen wir, dass mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von der betrieblichen Altersversorgung profitieren? Da gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: entweder Obligatorium, oder, was – glaube ich – jetzt von der Bundesregierung eher befürwortet wird, dass sie einen steuerlichen Anreiz setzen." Das Problem dabei: "Wenn sie einen steuerlichen Anreiz setzen, haben sie wieder weniger Steuereinnahmen."
Ausbau der Betriebsrente bleibt schwierig
Tatsächlich spricht Merz von einer betrieblichen und privaten Altersversorgung in weit größerem Umfang, als sie bisher freiwillig genutzt wird. Den Unternehmen Betriebsrenten flächendeckend vorzuschreiben, hält Kreickebohm vor diesem Hintergrund allerdings für unrealistisch: "Weil die natürlich im Moment andere Sorgen haben. Die Wirtschaft kriselt und denen jetzt zu sagen, passt mal auf, ihr müsst den Arbeitnehmern eine betriebliche Altersversorgung anbieten – das würde zu einem Sturm der Entrüstung in der Wirtschaft führen."
Nach Ansicht von Ökonom Sell liegt der eigentliche Sprengstoff jedoch nicht nur bei den Unternehmen, sondern auch bei den Beschäftigten selbst: "Heute ist es so, dass der Großteil der Betriebsrenten über die Entgeltumwandlung läuft. Heißt vereinfacht gesagt: Die Arbeitnehmer bezahlen selbst ihre Betriebsrente."
Gefahr wachsender Altersarmut im Osten
Gleichzeitig sollen Beschäftigte zusätzlich privat vorsorgen und für den Pflegefall sparen. Für Sell geht diese Rechnung nicht auf. Vor allem in Ostdeutschland sieht er die Gefahr wachsender Altersarmut. Dort sind Betriebsrenten besonders selten und vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern fehlt schlicht das finanzielle Polster, um zusätzlich für das Alter vorzusorgen. Was dann bleibt, ist am Ende: die gesetzliche Rentenversicherung.
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