• Im Osten kommen vergleichsweise wenige Fachkräfte aus dem Ausland.
  • Wirtschaftskraft und bestehende Communities sind wichtige Treiber der Zuwanderung nach Westdeutschland
  • Gezielte Anwerbung, vereinfachte Vergaben von Visa und eine "Willkommenskultur" könnten Fachkräfte auch in den Osten ziehen

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ziehen nur vergleichsweise wenige Fachkräfte aus dem Ausland an. Die Zuwanderer bevorzugen hingegen die westdeutschen Länder sowie Berlin. Zu diesem Ergebnis kommt ein Kurzbericht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus Köln.

Der Analyse zufolge war im Jahr 2024 in den ostdeutschen Bundesländern weniger als jede zehnte Fachkraft im Ausland geboren. In den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg kam hingegen jede vierte Fachkraft aus dem Ausland.

Wirtschaftskraft und Willkommenskultur sorgen für Zuwanderung

Der Autor der Studie, Wido Geis-Thöne, nannte im Gespräch mit MDR AKTUELL die regionale Wirtschaftskraft sowie langfristige Trends bei der Zuwanderung als Ursachen für die Unterschiede: "Der Westen hat einfach die großen Unternehmen, und dort sind auch die starken Communities mit den entsprechenden kulturellen Einrichtungen."

Ein wichtiger Faktor sei zudem die "Willkommenskultur" vor Ort, erklärte Geis-Thöne. Dazu gehöre ein "positiver, nicht kritischer Umgang" mit Zugewanderten. Die Migranten wollten sich "angenommen fühlen".

Fast jeder Vierte zwischen 25 und 64 Jahren ist zugewandert

Wie bedeutsam die Zuwanderung für den Arbeitsmarkt ist, unterstreicht der Anteil der nicht im Inland geborenen Menschen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren: Er lag bundesweit bei 24,8 Prozent. Fast jeder Vierte im Kernerwerbsalter ist also im Lauf seines Lebens aus dem Ausland zugezogen.

Der Osten hat ganz klar Potenzial aufzuholen.

Wido Geis-ThöneInstitut der Deutschen Wirtschaft

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass gerade die ostdeutschen Flächenländer vor dem Hintergrund ihrer "ungünstigen demografischen Ausgangslage" in den nächsten Jahren "verstärkt darauf hinarbeiten" müssen, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Dies könne – neben der erwähnten Willkommenskultur – etwa gelingen über eine gezielte Ansprache und zeitnahe Visavergaben. Positive Effekte habe es auch, wenn Menschen aus dem Ausland bereits für Ausbildung oder Studium nach Deutschland geholt würden.

Studienautor Geis-Thöne sagte: "Der Osten hat ganz klar Potenzial aufzuholen". Der Osten biete etwa Jobperspektiven, Wohnraum und eine gute Betreuungsangebote für Kinder.

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, sagte den Zeitungen der "Funke Mediengruppe" vor dem Hintergrund der Studie: "Für eine positive Entwicklung in Ostdeutschland sind wir auch auf Zuzug und Zuwanderung angewiesen." Es brauche deshalb eine Kultur der Offenheit. Parteien, die Vorbehalte gegenüber Zugewanderten schürten, stellten eine Gefahr dar.

MDR/dpa/AFP (ala)

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