MDR AKTUELL: Wie sind Sie zusammen mit ihrem Geschäftspartner Hussein Abdulla auf ihre Geschäftsidee gekommen?

Ramin Al Khakani: Wir haben beide nebenbei im Sicherheitsbereich gejobbt und ich glaube, Initialzündung war, dass in einer Unterkunft für Asylsuchende, in der wir gearbeitet haben, sehr viele Kollegen rechtsextrem gewesen sind und das die Geflüchteten auch entsprechend spüren lassen haben.

Das hat uns dermaßen auf die Palme gebracht, dass wir gesagt haben: Wir müssen das anders machen, wir müssen das besser machen. Wir brauchen unsere eigene sichere Festung. Und dann haben wir gegründet.

Wenn Sie jetzt noch einmal auf die letzten zehn Jahre zurückblicken, wie hat das alles angefangen?

Am Anfang hat es uns an so ziemlich allem gefehlt, an Ressourcen, an Qualifikationen, an Kunden und sogar am eigenen Büroraum. Was ich allerdings im Überfluss hatte, war Idealismus. Und damit haben wir uns einfach kopfüber ins unternehmerische Abenteuer gestürzt.

Was waren die größten Herausforderungen?

Also, wir haben es mit sehr viel Start-up-Enthusiasmus gemacht, das heißt, dass wir direkt ins kalte Wasser gesprungen sind. Wir haben mit wenigen Minijobbern angefangen. Und wir waren sehr erpicht darauf, alles einfach durch die Praxis zu lernen. Und glücklicherweise hat es sich auch bewährt. Wir haben mittlerweile ein sehr starkes Team. Das ist ein maßgeblicher Erfolgsfaktor.

Aber auch die Rahmenbedingungen haben gestimmt. Leipzig hat eine tolle Infrastruktur. Wir haben speziell von Förderprogrammen profitiert, die es in Sachsen gibt. Und dass der Markt generell stetig nach Sicherheitsleistungen verlangt hat, hat natürlich auch seinen Beitrag geleistet.

Wie viele Mitarbeitende haben Sie heute und wo sind sie überall im Einsatz?

Wir sind mit rund 250 Wachkräften in ganz Mitteldeutschland in Einsatz. Wir bewachen alles, was irgendwie schützenswert sein könnte. Das bedeutet, wir arbeiten viel in Asyleinrichtungen, in Behörden, auf Veranstaltungen, beim Fußball beispielsweise. Wir unterstützen die Leipziger Verkehrsbetriebe, den Zoo – überall, wo Sicherheitspersonal benötigt werden könnte.

Mit welchen Qualifikationen arbeiten ihre Mitarbeiter, was haben sie gelernt?

Generell ist die Arbeit im Sicherheitsdienst sehr quereinstiegsfreundlich. Das bedeutet, man braucht nicht zwingend eine klassische dreijährige Ausbildung. Das hält das Ganze sehr, sehr lebendig. Es gibt verschiedene Qualifikationen im Sicherheitsbereich und Mindestqualifikationen, die erreicht werden müssen. Es gibt aber auch Ausbildungsberufe.

Außerhalb vom Sicherheitsbereich haben wir natürlich auch die gesamte Administration. Das bedeutet, wir haben Menschen, die sehr fit im Verkauf, im Vertrieb sind. Wir haben Menschen, die im Marketing super ausgebildet sind. Wir haben sehr versierte Techniker – alles, was notwendig sein könnte.

Und sind die Hürden, einen ausländischen Mitarbeitender zu beschäftigen, höher im Vergleich zu einem deutschen Mitarbeiter?

Kein Stück. Es gibt durchaus bürokratische Hürden, beispielsweise kann eine Arbeitserlaubnis oder eines ausländischen Abschlusses fehlen. Auch wenn Sicherheitsmitarbeiter nicht lang genug in Deutschland sind, kann die Sicherheitsbehörde die Erteilung nicht mitgeben, dass die Person für die Arbeit im Wachschutz freigegeben ist.

Alle unsere Mitarbeitenden mit Fluchterfahrungen kommen hier her und bauen sich ihre Existenz von Null auf. Oft müssen sie noch ihre Familie unterstützen. Das bedeutet, sie sind hochmotiviert, extrem fleißig und schultern einfach auch sehr, sehr viel.

Gibt es denn Geschichten aus ihrem Team, wo jemand Vorurteile hatte, die dann abgebaut werden konnten?

Ich glaube, wir alle haben Vorurteile, das ist ganz natürlich und ich bin auch fest davon überzeugt, wenn man die Fremde kennenlernt – und im Sicherheitsdienst verbringt man oft auf engeren Raum sehr viele Stunden gemeinsam – das führt zwangsläufig zu einem Kennenlernen und auch zwangsläufig zu einem Umdenken.

Es muss auch nicht zwischen einem Deutschen und einer anderen Nationalität sein. Es kann auch zwischen Irakern und den Syrern sein oder zwischen Menschen aus Nigeria und Ägypten. Also jede Art von Begegnung ist wichtig und kann bereichernd sein.

Die Menschen, die hierher kommen, müssen sich sicher fühlen und auch willkommen sein.

Ramin Al Khakani, Black Knights Security

Was ist Ihnen als Chef denn wichtig oder gibt es Dinge zu beachten, wenn man so eine internationale Mitarbeiterschaft hat?

Es ist generell wichtig, dass alle den gleichen Respekt bekommen, die gleiche Anerkennung, die gleiche Wertschätzung. Und dass man immer vermittelt, dass wir in einem Boot sitzen. Dass wir alle unseren Beitrag leisten möchten, also unseren bescheidenen Beitrag zur allgemeinen Sicherheit. Das sind unsere Leitplanken.

Wie gehen sie mit möglichen Konflikten im Team um?

Wir versuchen, möglichst sensibel, möglichst verständnisvoll zu sein im Rahmen der Instrumente, die wir als Arbeitgeber haben. Das bedeutet, wenn jemand Urlaub, wenn jemand frei benötigt. Wir hatten jetzt einige Mitarbeiter, die nicht zurück nach Deutschland kommen konnten wegen der Eskalation in Westasien.

Ansonsten versuche ich immer mitzugeben, dass das Beste gegen Gefühle der Ohnmacht Selbstwirksamkeit ist. Das bedeutet, dem eigenen Abgeordneten zu schreiben, auf Demos zu gehen, sich in irgendeiner Form zu organisieren, handelnd zu sein. Das kann auf jeden Fall helfen.

Sehen Sie beim Thema Zuwanderung noch irgendwelche Hürden, die abgebaut werden müssen, um noch mehr Migration in den Arbeitsmarkt zu gewährleisten?

Es ist Fakt, dass wir eine alternde Gesellschaft sind und rund 400.000 internationale Arbeitskräfte pro Jahr in Deutschland brauchen, um unseren Wohlstand zu sichern. Die Menschen, die hierher kommen, müssen sich sicher fühlen und auch willkommen sein. Das bedeutet, wir müssen Vielfalt wirklich als knallharten Wirtschaftsfaktor begreifen.

Ich weiß nicht, ob diese Erkenntnis politisch vollständig durchgedrungen ist, wenn der Innenminister Deutschkurse abschafft. Ich habe gestern erst eine Reportage bei "Monitor" geschaut, wo jemand, der seit zehn Jahren in einer Bäckerei arbeitet, abgeschoben wird, obwohl er dringend benötigt wird, obwohl er angekommen ist, obwohl er super integriert ist. Das sind einfach fatale Signale.

Die Fragen stellte Britta Veltzke.

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