Stimmenkauf-Vorwürfe: Wurde AfD-Kandidat im Harz unrechtmäßig nominiert?
- Arbeitsvertrag soll Mitbewerber 1.500 Euro monatlich garantiert haben
- Zwischen den Wahlgängen: Bischoff soll mit Konkurrenten vor die Tür gegangen sein.
- In Vorstandssitzung: Bischoff soll wegen "Strafrelevanz" geschwiegen haben
Am 8. November 2025 wurde Frank-Ronald Bischoff auf einem Nominierungsparteitag in Badeborn zum Direktkandidaten für den Wahlkreis 16 (Wernigerode) gewählt. Der 78-Jährige soll bei der Landtagswahl am 6. September für die AfD antreten. Mehrere Parteimitglieder äußern jedoch Zweifel daran, dass die Wahl ordnungsgemäß abgelaufen ist.
Sie haben die Rechtmäßigkeit der Nominierung angefochten. Aus der AfD im Harz heißt es, man wolle sich im Zweifel an den Bundesverband wenden, ohne zuvor den Landesverband einzubeziehen. Zur Begründung hieß es, Bischoff würden zu enge Verbindungen zur Landesspitze nachgesagt.
Aus der AfD im Harz heißt es, dann man sich im Zweifel an Bundesverband wende, ohne den Landesverband einzubeziehen.Bildrechte: picture alliance/dpa | Peter GerckeArbeitsvertrag als Gegenleistung für Stimmenverzicht?
MDR SACHSEN-ANHALT liegt ein Arbeitsvertrag vor, den Bischoff Ende Oktober 2025 aufgesetzt haben soll. Darin habe er seinem Mitbewerber Marcel Hahn eine Stelle als Wahlkreismitarbeiter angeboten: zehn Stunden pro Woche für 1.500 Euro monatlich. Nach Darstellung von Beteiligten soll dies unter der Voraussetzung gestanden haben, dass Bischoff gewählt wird und Hahn auf seine Kandidatur verzichtet.
Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT soll Bischoff das Angebot kurz vor der Abstimmung mündlich auf 2.000 Euro erhöht haben. Ein Zeuge bestätigt diese Darstellung. Hahn habe das Angebot aber abgelehnt und sei zur Wahl angetreten.
Ungewöhnlicher Wahlverlauf
Die Abstimmung in Badeborn verlief in drei Wahlgängen. Im ersten und zweiten Durchgang lag Hahn mit jeweils 14 Stimmen vorn. Bischoff und der dritte Kandidat Tino Böttger erhielten jeweils 10 Stimmen. Da keiner die erforderliche absolute Mehrheit von 18 Stimmen erreichte, kam es zu einem dritten Wahlgang. In diesem zog Böttger seine Kandidatur zurück. Im dritten Wahlgang erhielt Bischoff 18 Stimmen, Hahn 15. Bischoff wurde damit nominiert.
Auch andere sollen Angebote erhalten haben
Nach MDR-Informationen soll Bischoff auch den Mitbewerbern Andy Stechhahn und Tino Böttger Jobangebote gemacht haben. Beide sollen inzwischen eidesstattlich versichert haben, dass ihnen keine entsprechenden Angebote unterbreitet wurden.
Bischoff schweigt – wegen "Strafrelevanz"
In einer Sitzung des Kreisvorstands sei Bischoff von Parteimitgliedern mit den Vorwürfen konfrontiert worden. Er habe sich hierzu nicht geäußert und dies damit begründet, eine Stellungnahme könne für ihn strafrechtliche Konsequenzen haben. Am 24. März sei der Sachverhalt auf Kreisebene erörtert worden. Der Kreisvorstand habe beschlossen, die vorliegenden Zeugenaussagen weiterzuleiten.
Bischoff: Ehemaliger Stasi-Offizier
Bischoff war bereits 2017 in die Schlagzeilen geraten. Damals wurde öffentlich, dass er von 1977 bis 1989 hauptamtlicher Offizier des Ministeriums für Staatssicherheit war – als sogenannter "Offizier im besonderen Einsatz" im Rang eines Hauptmanns. Er arbeitete verdeckt im Rat des Kreises Halberstadt und war für Ausreiseverfahren zuständig. Die Stasi-Unterlagen-Behörde bestätigte die Angaben. Bischoff ist aktuell stellvertretender Kreisvorsitzender der AfD Harz.
Landesverband äußert sich nicht
MDR SACHSEN-ANHALT hat den Landesverband der AfD Sachsen-Anhalt um eine Stellungnahme gebeten. Gefragt wurde unter anderem, ob das Verfahren an die Bundesschiedsstelle weitergeleitet wurde. Außerdem wurde gefragt, ob dem Landesvorstand die Zeugenaussagen vorliegen. Eine Antwort liegt bislang nicht vor. Frank-Ronald Bischoff wurde in einer MDR-Anfrage zu allen hier beschriebenen Vorwürfen um Stellungnahme gebeten, hat hierauf aber nicht reagiert. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
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MDR (Lars Frohmüller)
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