Marburger Bund will Zuckersteuer: "Immer mehr Kinder und Erwachsene übergewichtig"
- Marburger Bund fordert die Zuckersteuer gegen Übergewicht
- 5.000 Ärzte, Diabetesberater und Apotheker unterzeichnen Appell
- Warken offen dafür – Wirtschaft dagegen für "Konsumfreiheit"
Die Vorsitzende des Mediziner-Gewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, fordert eine Zuckersteuer in Deutschland. Johna sagte MDR AKTUELL, immer mehr Erwachsene und auch Kinder seien übergewichtig.
Die Hersteller etwa von zuckerhaltigen Getränken müssten deshalb ihre Rezepturen anpassen und weniger Zucker verwenden. Ein halber Liter Cola enthalte beispielsweise 18 Stücke Würfelzucker – und das sei zu viel. Eine gesündere Ernährung vermeide Kosten und individuelles Leid.
Johna verwies darauf, dass andere europäische Länder bereits eine Zuckersteuer eingeführt haben. In Großbritannien beispielsweise gehe der Zuckerkonsum seitdem zurück. Zudem zeigten Umfragen, dass ein großer Teil der Bevölkerung einer Zuckersteuer durchaus offen gegenüberstehe.
Tausende Ärzte unterzeichnen Appell
Hintergrund ist ein Appell von Ärzten und Organisationen wie Foodwatch, die auf die Einführung einer Zuckersteuer drängen. Den Appell unterzeichneten laut Foodwatch rund 4.000 Ärzte und mehr als 1.000 Ernährungs- und Diabetesberater sowie Apotheker. Zu den Unterstützern gehört den Angaben zufolge auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt.
Zuvor hatte eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission Vorschläge für eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung vorgestellt und auch eine Zuckersteuer angeregt. Steuerfrei bleiben sollten demnach Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Bei fünf bis unter acht Gramm sollten 26 Cent Steuer je Liter Getränk fällig werden, bei acht Gramm Zucker und mehr dann 32 Cent. Die Steuerhöhe sollte jährlich an die Inflation angepasst werden, erklärte die Kommission.
Ausgenommen werden sollten 100-Prozent-Fruchtsäfte und Getränke mit Süßstoffen. Um den Anreiz zum Umstellen zu Rezepturen mit weniger Zucker zu maximieren, sollte die Steuer beim Hersteller erhoben werden.
Warken offen – Wirtschaft dagegen
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zeigte sich offen für eine Zuckersteuer, wies aber darauf hin, dass es in ihrer Partei "unterschiedliche Haltungen" dazu gebe. Beim CDU-Bundesparteitag im Februar in Stuttgart war ein Vorstoß des schleswig-holsteinischen Landesverbandes zur Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke noch gescheitert.
Die Verbände der Getränkeproduzenten, der Gastronomie, der Landwirtschaft bis zur Werbebranche warnen dagegen vor "symbolischer Steuerpolitik" und Eingriffen in "Konsumfreiheit" und Marktmechanismen. In einer gemeinsamen Stellungnahme der Verbände der Lebensmittelwirtschaft heißt es, eine Zuckersteuer sie in Zeiten hoher Preise eine Zusatzbelastung. Übergewicht und Erkrankungen, die durch Ernährung mit bedingt sind, seien komplexe Herausforderungen, bei denen man nicht durch "isolierte Verteuerung einzelner Produkte" ansetzen könne.
AFP/dpa, MDR (mze, ksc)
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke