• Steigende Transportkosten dürften in den nächsten Wochen stärker auf die Lebensmittelpreise durchschlagen.
  • Zusätzlich wird Dünger immer knapper und deshalb teurer, was Landwirte ebenfalls auf die Lebensmittelpreise umlegen werden.
  • Nach Einschätzung der Ökonomin Samina Sultan kann die deutsche Politik die Preissteigerungen nur begrenzt und eher langfristig beeinflussen.

Die Krise ist für viele Menschen spürbar – das zeigt sich auch und besonders beim Einkauf, wie eine MDR-Umfrage vor einem Einkaufszentrum im Leipziger Stadtteil Grünau verdeutlicht: "Das merke ich schon, denn man hat dadurch deutlich weniger im Portemonnaie – ob jetzt hier im Markt oder an der Tankstelle", so einer der Befragten. "Man überlegt manchmal schon zweimal, ob man etwas in den Warenkorb legt, das man vielleicht gerne einfach aus dem Bauch heraus kaufen würde", sagt ein anderer. Und eine weitere Befragte äußert: "Ich merke natürlich einen Unterschied, aber es ist nicht so gravierend, dass ich auf Obst oder Gemüse verzichten muss."

Einkaufen sei in letzter Zeit generell deutlich teurer geworden, sagen uns die Passanten. Der Konflikt im Iran hat aber für die wenigsten spürbar etwas an den Preisen verändert.

Teure Kraftstoffe werden Lebensmittelpreise steigen lassen

Das sind Eindrücke, die auch Julia Müller bestätigen kann – jedenfalls noch. Denn die Fachberaterin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Thüringen geht davon aus, dass sich das ändern wird: "Aktuell merkt man es noch nicht so sprunghaft, wie man es vielleicht erwartet hätte, würde ich sagen. Aber natürlich steigen die Lebenshaltungskosten und es ist zu erwarten, dass es in den nächsten Wochen noch einen stärkeren Preisanstieg geben wird."

Es ist zu erwarten, dass es in den nächsten Wochen noch einen stärkeren Preisanstieg geben wird.

Julia Müller, Verbraucherzentrale Thüringen

Denn wenn der Transport teurer wird, habe das auch Folgen für die Waren in den Supermarktregalen. "Das wird natürlich umgeschlagen. Die Unternehmen müssen das Kerosin oder Benzin teurer einkaufen und müssen dann diese Preise irgendwo auch auf die Verbraucher umlegen."

Es ist vor allem eine sozial sehr schieflastige Krise, weil sie Menschen mit geringen Einkommen, mit wenig Ersparnissen deutlich stärker trifft.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

Das bestätigt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Bei den Lebensmittelpreisen komme das dicke Ende erst noch. "Und es ist vor allem eine sozial sehr schieflastige Krise, weil sie Menschen mit geringen Einkommen, mit wenig Ersparnissen deutlich stärker trifft."

Dünger als zusätzlicher Preistreiber

Dabei sind die Kraftstoffpreise nur ein Faktor, sagt Fratzscher. Ein anderer sei Dünger: "Düngemittel werden teurer, weil es eben eine Blockade im Mittleren Osten gibt, worüber ein Großteil des weltweit produzierten Düngers verschifft wird." Dadurch werde Dünger auf dem Weltmarkt verknappt und teurer. Und weil Dünger zu großen Teilen aus fossilen Brennstoffen besteht, die ja ebenfalls teurer werden, steigen die Preise noch mehr.

Die Folge: "Landwirte müssen mehr Geld für Dünger ausgeben. Das heißt automatisch, die Lebensmittel, die produziert werden, werden deutlich teurer werden. Das kommt zeitverzögert, also mit dem ersten Tag des Iran-Kriegs sind die Butter- und Gemüsepreise in den Läden nicht gestiegen." Aber es werde kommen.

Ökonomin: Deutschland ein Stück weit hilflos

Davon ist auch Samina Sultan, Expertin für europäische Wirtschaftspolitik und Außenhandel beim Institut der Deutschen Wirtschaft, überzeugt. Die deutsche Politik habe nur sehr begrenzte Mittel, etwas gegen die Preissteigerungen zu tun, sagt sie. "Die Versuche, jetzt mit den Energiesteuern etwas zu drehen, da wird man sehen, inwiefern das wirklich wirkt. Und auch bei den anderen Gütern, die da potenziell betroffen sind, wie etwa Düngemittel, auch da wird man dann schauen müssen, inwiefern die Politik darauf reagieren kann."

Wenn überhaupt, sei das eher mittelfristig möglich, sagt Sultan. Etwa könnte man Handels- und Lieferketten flexibler gestalten oder im europäischen Verbund noch stärker zusammenarbeiten. Kurzfristig sei Deutschland in dieser Situation aber ein Stück weit hilflos.

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