Tierärztin warnt vor Aussetzung: "Ticket in den Rachen der Orcas"
- Die Wildtier-Tierärztin Kerstin Alexandra Dörnath hält die Rettung des gestrandeten Buckelwals weiterhin für falsch.
- Die geplante Aussetzung in der Nordsee hält sie für gefährlich und prognostiziert entweder tödliche Folgen oder massiven Stress durch Transport und Umgebung.
- Zudem zweifelt sie an der Expertise des Rettungsteams.
- Der Wal wurde am Dienstag in einen Frachtkahn gebracht und soll in Richtung Nordsee oder Atlantik geschleppt werden.
Die auf Wildtiere spezialisierte Tierärztin Kerstin Alexandra Dörnath hält die laufende Rettungsaktion für den gestrandeten Buckelwal weiterhin für falsch. Das Tier, das seit Anfang März unter dem Namen "Hope" oder "Timmy" bekannt ist, sei nach ihrer Einschätzung bereits stark geschwächt.
Sie spricht bei MDR AKTUELL von "Aktionismus statt Fachverstand" und betont, dass Wale bewusste Atmer seien. "Dass der sich hat Gurte anlegen lassen, an denen der auch noch gezogen wurde, beweist, dass der schon hochgradig angeschlagen ist", mahnt Dörnath.
Warnung vor Aussetzung in der Nordsee
Auch die geplante Aussetzung in der Nordsee bewertet sie kritisch. "Das ist im Nordatlantik ein Ticket in den Rachen der Orcas. Wenn er in der Nordsee landet, dann wird er vielleicht einfach von selbst untergehen wie ein Stein und ertrinken." Wale orientierten sich am Schall. Der Transport per Schiff sei daher eine weitere Stressbelastung für den Meeressäuger.
Zweifel am Rettungsteam
Dörnath zweifelt zudem an der Zusammensetzung des Rettungsteams. "Selbst wenn dort Tierärzte dabei sind, handelt es sich um Haustierärzte." Zudem seien Ideologen Teil der Gruppierung — so etwa mehrere Experten, die an der Auswilderung des Orcas "Keiko" beteiligt waren — der Wal, der durch den Film "Free Willy" weltberühmt wurde. "Die Auswilderung des Wals aus Mexiko Stadt vor Jahrzehnten ging damals fürchterlich schief. Dieser arme Orca verendete in einer norwegischen Bucht an einer Lungenentzündung."
Dr. Kerstin Alexandra Dörnath kritisiert die Rettungsaktion für den gestrandeten Buckelwal scharf.Bildrechte: M. BollmannWarum sie sich nicht stärker eingebracht habe, begründet sie mit fehlender Reaktion auf ihre Hilfsangebote und fehlenden Antworten auf fachliche Fragen. Letztlich habe sie sich aus berufsethischen Gründen gegen eine Beteiligung entschieden.
Letzter Rettungsversuch
Am Dienstag war der vor Poel gestrandete Wal in einen Frachtkahn dirigiert worden. Mit diesem soll er nun in den kommenden Tagen über hunderte Kilometer in Richtung Nordsee oder Atlantik geschleppt werden. Es handelt sich um den letzten Rettungsversuch für das Tier. Viele nicht beteiligte Fachleute kritisieren das Vorhaben.
MDR(mbe)
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