Ländlicher Raum: Starker Innovationstreiber braucht gezielte Förderung
Nachhaltigkeit ist kein Bonbon, Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil des Systems – besonders in Zukunft: "Mitteldeutschland ist ein Standort mit großen Ackerbaubetrieben, vielen richtig guten Böden. Und eine der Herausforderungen ist, sich an den Klimawandel anzupassen", erklärt Christine Chemnitz von der Denkfabrik Agora Agrar. Dabei reicht es nicht, dass Umwelt- und Klimaschutz sowie die Anpassung an die neuen klimatischen Verhältnisse nur auf den Schultern der Landwirtinnen und Landwirte ausgetragen werden. Christine Chemnitz sieht da vielmehr einen "Business Case", wie sie sagt.
"Wir müssen die Landwirtinnen und Landwirte entlohnen, dafür, dass sie auf ihren Flächen Klima- und Umweltschutz betreiben." Gutes Beispiel: Das Pflanzen von mehr Hecken und mehr Gehölzen auf den landwirtschaftlichen Flächen. "Dann nutzen wir diese Flächen nicht mehr für die Produktion von Lebensmitteln, aber für die Produktion von Biodiversität, für Klimaschutz."
Innovationskraft des ländlichen Raums zeigt sich beim MDR-Zukunftstag
Oder die Produktion von Biomasse, die anschließend im Non-Food-Bereich weiterverarbeitet werden kann – am besten in regionalen Wertschöpfungsketten, wie in der Bioraffinerie in Leuna im Ballungsraum Leipzig-Halle.
Wir müssen die Landwirtinnen und Landwirte entlohnen, dafür, dass sie auf ihren Flächen Klima- und Umweltschutz betreiben.
Dr. Christine Chemnitz beim MDR-ZukunftstagBildrechte: MDR/Tobias ThiergenDass Christine Chemnitz’ Worte nicht nur dem Schreibtisch entstammen, sondern teilweise schon auf den Äckern angekommen sind, hat sich auch beim MDR-Zukunftstag 2026 gezeigt, bei dem sich Landwirtinnen, Journalisten und Agrar-Forschende auf dem MDR-Campus in der Leipziger Südvorstadt zum Austausch versammelt haben.
Hirsemilch und Drohnen-Feldanalyse aus Sachsen-Anhalt
Ob im Landcafé oder hippen Großstadtausschank: Auch Hirse lässt sich vortrefflich schäumen.Bildrechte: MDR/Britta Veltzke Kirchererbsen-Kaffee mit Hirse-Milch aus dem Süden Sachsen-Anhalts oder Apfelsorten aus dem Elbtal, die mit Trockenheit und Spätfrösten umgehen können, stehen dabei nur sinnbildlich für die Innovationskraft des ländlichen Raums. Dass aus dem romantisierten Bauernhof inzwischen Hightech-Betriebe geworden sind, illustrieren indes fahrende Ackerlabore wie das der Hochschule Anhalt: Drohnenstartplatz für die Feldanalyse und Sensor für die Bodenfeuchte inklusive.
Während trotzdem häufig Metropolen das zukunftsgewandte und "dem Land" das rückständige Etikett anhaftet, appellieren Forschende des Leibniz-Instituts für raumbezogene Sozialforschung in Erkner derzeit daran, den ländlichen Raum aus einem kreativen und dynamischen Blickwinkel zu sehen.
Fahrbares Feldlabor der Hochschule Anhalt: Eine Drohne kann zur Analyse des Felds dienen und zum Beispiel Stellen aufdecken, an denen Mäuse aus Sicht der Landwirtschaft etwas zu viel Getreide verputzt haben.Bildrechte: MDR/Tobias ThiergenLändliche Vereine, Genossenschaften und Kleinstbetriebe würden Innovation und Wandel vorantreiben, die Peripherie bringe Ruhe und zwinge zur Improvisation, heißt es in einer Mitteilung. Lokales Wissen könne sich zudem mit neuen Ideen, die oft Rückkehrende mitbringen. Häufig handle es sich dabei um "versteckte Innovation", die unter dem Radar traditioneller Innovationsförderung laufe.
Leibniz-Forschende appelieren, die Innovationskraft des ländlichen Raums zu sehen
Agri-PV: Sonnenkraft vom AckerBildrechte: IMAGO/BihlmayerfotografieEine aktuelle Veröffentlichung des Instituts lenkt dabei aber auch den Blick auf entsprechende Hürden, etwa unpassende Förderung. Das Institut erklärt, die Förderpolitik müsse lernen, ländliche Innovationen zu erkennen und sich für die Bedürfnisse ländlicher Räume zu öffnen. Zudem fehle ländlichen Regionen eine effektive politische Vertretung.
Dass eine intelligente Subventionspolitik der richtige Hebel ist, um den ländlichen Raum in seiner Innovationskraft weiterhin zu unterstützen, dieser Überzeugung ist auch Christine Chemnitz von Agora Agrar – etwas, das sie auch beim MDR-Zukunftstag in Leipzig nicht müde wird, zu betonen. Dort erklärt sie nicht nur Nachhaltigkeit und Klimaschutz, sondern spricht auch die Sprache der Landwirtschaft: Die Förderung von Biodiversität, das Aufbauen von Erosionsschutz oder die Wiedervernässung von Mooren im Sinne des Klimas – diese Leistungen könne es nunmal nicht umsonst geben.
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