Sinkende Geburtenzahlen: Streit um Zukunft der Kindergärten in Thüringen
- Der Abschlussbericht der Finanzierungskommission stößt bei Trägern und Opposition auf Kritik.
- Die sinkenden Geburtenzahlen sorgen in Thüringen für Probleme bei der Kita-Finanzierung.
- Diskutiert wird nun über neue Modelle der Kita-Finanzierung.
25 Seiten stark ist der Report, auf dessen Titelbild ein Taschenrechner prankt, umschlossen von der Überschrift: "Bericht der Kommission Kindergartenfinanzierung an die Haushaltsstrukturkommission". So sieht das Papier aus, das die Weichen stellen soll für die Kindergarten-Landschaft der Zukunft im Freistaat Thüringen. So schnell ausgesprochen der Satz, so schnell ist er wieder eingefangen. Denn – das Dementi aus Bildungsministerium kommt sofort: Zukunftsfragen solle die Kommission nicht klären. Der Auftrag des Gremiums – eingesetzt vom Landtag – sei es, den Ist-Zustand abzubilden.
Träger und Opposition sind enttäuscht
Sonja Tragboth, bei der Arbeiterwohlfahrt zuständig für Kinder- und Jugendhilfe, sagt dazu nur: "Unsere Erwartung war klar, es gibt Empfehlungen an die Landesregierung, wie den Herausforderungen aus dem demografischen Wandel begegnet werden kann. Und das vermisse ich total."
Damit ist sie nicht allein. Ulrike Große-Röthig, Bildungs-Expertin der oppositionellen Linken im Landtag, kann ihr Unverständnis nur schwer verbergen: "Dieser Bericht ist eine einzige Enttäuschung. Die Kindergarten-Kommission ist zwar ein sperriges und großes Gremium, aber ein ungleich wertvolles. Dort sitzen alle am Tisch, die im System Kindergarten beteiligt sind und wenn man dann so ein Gremium stehen lässt – das muss man sich erstmal trauen."
Geburtenrate auf historischem Tiefstand – ein Problem für die Kitas
Der Ist-Zustand: Die Landesregierung investiert pro Jahr mehr als eine Milliarde Euro in die Kindertagesbetreuung. Seit Jahren wächst die Summe. Dagegen sinkt die Zahl der Geburten, hat mit knapp 11.000 inzwischen einen historischen Tiefstand erreicht. Entsprechend abnehmend ist die Zahl der Kindergarten-Anmeldungen. Von 94.000 im Jahr 2019 auf 81.000 im vergangenen Jahr.
Da sich der Landeszuschuss für Kindergarten-Träger hauptsächlich über eine Pro-Kopf-Pauschale berechnet, steht die Finanzierung mancher Einrichtung auf der Kippe. 19 Kindergärten wurden im vergangenen Jahr schon geschlossen. Bleibt es bei diesem Finanzierungs-Modus, war das nur der Anfang.
Dirk Hoffmeister, bildungspolitischer Sprecher des BSW, sagt: "Es wird zu Schließungen kommen, so ehrlich möchte ich sein, auch wenn es Kollegen anderer Parteien gibt, die den Eindruck erwecken, man kann jede Kita erhalten. Allein in Jena müssen bis Anfang der 2030er-Jahre noch 1.300 Kindergarten-Plätze abgebaut werden."
Debatte über neues Finanzierungsmodell
Aber ist die Pro-Kopf-Pauschale wirklich noch zeitgemäß? Bei einem Fachtag der Kindergärten-Träger in Erfurt ist darüber intensiv diskutiert worden. Für Bernd Schröter vom Institut für angewandte Pädagogik, Leiter von vier Kindertagesstätten, ist sie es nicht mehr. Er sieht für die Zukunft "eher eine institutionelle Finanzierung, wo man schauen muss, was wird im Sozialraum gebraucht, welche Angebote wollen wir für den Sozialraum vorhalten, auch für den sozialen Frieden."
Denn wenn der Kindergarten im kleinen Dorf schließt, werden sich dort kaum junge Familien ansiedeln, werden dort absehbar immer weniger Menschen leben. Bernd Schröter und viele seiner Kollegen hoffen auf den Erhalt von Strukturen, vor allem im ländlichen Raum. Ob dies gelingen kann und wie, soll laut Bildungsministerium ein anderes Gremium ab Herbst erarbeiten und schlussendlich möglichst beantworten: Die AG Zukunft frühkindliche Bildung.
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