"Viele Traditionsklubs spielen nicht ohne Grund in zweiter Liga"
Die Aktion "Fortuna für alle" geht mit dem Spiel Fortuna Düsseldorf gegen den KSC in die dritte Spielzeit. Die Zuschauer erhalten freien Eintritt zur Partie. Ohne den Düsseldorfer Weg, sagt der Vorstandsvorsitzende Alexander Jobst, hätte der Verein sich womöglich von einigen Zielen verabschieden müssen.
Wenn am heutigen Samstag Fortuna Düsseldorf den Karlsruher SC zum Topspiel der 2. Fußball-Bundesliga (20:30 Uhr, RTL Nitro und Sky, alle Highlights nach Abpfiff bei RTL+) empfängt, wird die Merkur Arena am Rheinufer mit über 50.000 Besuchern voll sein. Doch die Zuschauer im Stadion haben keinen Eintritt gezahlt. Wieso? Mit der Aktion "Fortuna für alle" öffnet sich der Zweitligist der Stadt Düsseldorf. Der Eintritt für ausgewählte Spiele ist frei. Die Nachfrage ist riesig.
Aber macht das wirtschaftlich überhaupt Sinn? Ohne den "Düsseldorfer Weg" hätte Fortuna auf vielen Ebenen abspecken müssen, sagt Alexander Jobst, der Vorstandsvorsitzende der Fortuna, im Gespräch mit ntv.de. Jetzt peilt der Klub den Aufstieg in die Bundesliga an. Das Fundament erscheint stabil.
Alexander Jobst ist seit weit über 20 Jahren im Fußballgeschäft. Er war bei Real Madrid und arbeitete bei der FIFA. In den 2010er-Jahren zog es ihn aus der Schweiz zum damaligen Bundesligisten FC Schalke 04, den der heute 51-Jährige während der für Königsblau so turbulenten Corona-Jahre verließ. Seit Februar 2022 ist er bei Fortuna Düsseldorf. Er will den Fußball anders denken.
ntv.de: Herr Jobst, was ist "Fortuna für alle"?
Alexander Jobst: "Fortuna für alle" ist eine andere Art und Weise, das Fußball-Geschäft in Düsseldorf zu betreiben. Es ist ein sehr gesellschaftlich orientiertes Geschäftsmodell eines eingetragenen Vereins, eines Traditionsvereins. Mit all seiner Wucht, Kraft und dem Anspruch, Partizipation als eingetragener Verein gewährleisten zu können. Dem haben wir uns vor zwei Jahren gewidmet.
Das "Fortuna für alle"-Spiel gegen den Karlsruher SC markiert den Startschuss für die dritte Saison. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?
Das fällt positiv aus. Es gibt aber auch in vielen Facetten noch Optimierungsbedarf. Wir sind auf viele Mitstreiter angewiesen, sind aber mit der Umsetzung unserer strategischen Ausrichtung bisher zufrieden. Wir sind hier in Düsseldorf. Es ist eine Stadt, umzingelt von den Fußball-Hochburgen im Ruhrgebiet und den Bundesliga-Klubs in Köln, Leverkusen und Mönchengladbach.
Ist "Fortuna für alle" auch ein Versuch, die Stadt für die Fortuna zurückzugewinnen?
Wir wollen die Stadt noch mehr für Fortuna begeistern. Wir haben um uns herum tatsächlich viele Städte und Vereinen, denen bedingungslose Zuneigung zukommt, während die Fortuna viele Aufs und Abs , Managementwechsel und Auf- und Abstiege erlebt hat. Wir haben deshalb einen Weg eingeschlagen, der diesen Schulterschluss zwischen Fans, Fortuna und Stadt neu entfachen kann. Das war das Ziel dahinter. Als ich 2022 hierherkam, war der Verein von Instabilität geprägt. Wir mussten als Vorstandsteam nicht studiert haben, um festzustellen: Auf dem herkömmlichen Weg können wir unsere Ziele nicht erreichen. Wir haben vom Aufsichtsrat ein klares Briefing bekommen: Eingetragener Verein bleiben, aufsteigen und uns langfristig in der Bundesliga etablieren.
Das wollen viele Vereine.
Wir wollen und müssen aber einen anderen Weg gehen. Wir wollten diese Seite des Fußballs neu denken. Dafür haben wir als Vorstand vom Aufsichtsrat die Beinfreiheit bekommen. Das ist keineswegs selbstverständlich in diesem Geschäft. Als Verein zu wachsen, war der Reiz der Aufgabe und durchaus auch eine Herausforderung.
Dann haben Sie ein Konzept entwickelt, haben Sponsoren abgeklappert und denen gesagt: Wir machen Spiele mit freiem Eintritt und Ihr zahlt uns das?
Medial schwingt da natürlich sehr stark das Thema "freier Eintritt" mit. Zur Wahrheit gehört aber auch: Mit dem freien Eintritt binden wir neue Zielgruppen, mehr Menschen und dabei auch soziale Schichten, die sich keinen Stadionbesuch mehr erlauben können, an uns. Die Mitgliederzahl ist deutlich gewachsen. Von 27.000 in 2023 auf 36.000 in 2025. Ein volles Stadion, gute Atmosphäre, Begeisterung führen zu einer engeren Bindung zum Verein.
Was haben Ihre Sponsoren, Partner und die Stadt davon?
Sie können über "Fortuna für alle" eine gesellschaftlich nachhaltige Geschichte erzählen. Der Stadt bieten wir etwas an, in einem Stadion, das uns nicht gehört. Die Stadt zeigt sich dem größten sportlichen Aushängeschild der Stadt gegenüber verbundener und kooperativer. Wir arbeiten alle mehr an einem Strang, was vorher nicht immer der Fall war.
Sie verzichteten bei ausgewählten Heimspielen bewusst auf Eintrittsgelder. Ein Risiko?
Da haben schon einige gefragt: Sind die bekloppt? Nach zwei Jahren können wir ein Zwischenfazit ziehen. Wir haben in allen Einnahmebereichen Wachstum erzeugt. Wir haben 2024/2025 mit 13 Heimspielen mehr Ticketingerlöse erzielt als vorher mit 17 Heimspielen. Weil mehr Leute der Fortuna nahe sein wollen, als es vorher der Fall war. Gleichwohl hat es natürlich auch Preisanpassungen gegeben. Die werden von den Fans mitgetragen.
Das ist unausweichlich in einem eingetragenen Verein.
Das, was wir hier machen, bedarf Mitsprache und Kommunikation. Wenn Verein, dann können wir nicht Partizipation draufschreiben, sondern dann wollen wir es fördern. Das ist nicht immer einfach. Sie können es nicht allen recht machen. Aber es ist die Grundlage, warum "Fortuna für alle" bis hierhin auch gut funktioniert.
Es gibt trotzdem Kritik an dem anderen Publikum, das zu solchen Spielen dann kommt. Es ist eine andere Atmosphäre als bei den Spielen mit Eintritt.
Das kann ich im ersten Zug nachvollziehen. Gleichzeitig glaube ich, dass die Stimmung in einem halbleeren Stadion umso schlechter wäre. Lassen Sie es mich anders formulieren: Nichts macht weniger Stimmung als ein leerer Sitz. Wir haben mit den Fans diskutiert, dass dieses Stadion in der zweiten Liga ein Ticken zu groß für uns ist. Wenn wir die Menschen, die erstmalig die Chance haben, zu Fortuna zu kommen, langfristig zu Fans machen, dann ist es doch für den ganzen Verein und für alle ein positives Signal.
Sehen das alle so?
Das sehen auch überwiegende Teile der organisierten Fanszene so. Natürlich spürt man erst einmal eine andere Stimmung. Doch eins ändert sich nicht: Seit jeher springt der Funke größtenteils von der Mannschaft auf die Tribüne über. Die organisierten Fans machen unabdingbar und loyal immer Stimmung. Doch der Großteil in dieser Arena muss auch ein Stück weit Begeisterung und den Funken vom Platz spüren. Dann ist hier eine unfassbare Wucht. Wenn wir hier, wie im vergangenen April gegen Münster, mit zehn Mann ein 1:0 über die Zeit retten, ist hier eine fantastische Atmosphäre drin. Wenn wir aber gegen Elversberg 0:2 verlieren, ist die Stimmung eher überschaubar, das ist einfach so.
Ein Stadion kann Spiele kippen.
Richtig. Das spürt das Team auch. Wenn ein Stadion voll ist, hast Du eine andere Elektrizität als wenn es halb leer ist. In der Herangehensweise war es für uns sekundär, ob schon immer Fan oder nicht. Wir verstehen, dass die Fanszene da auch Leute sieht, die keine Fortuna-Fans sind. Aber sie können es noch werden. Das ist das Ziel.
Sie wollen ein Fundament für die kommenden Generationen bauen?
Wir erreichen Menschen, die vorher noch nie die Möglichkeit hatten, ins Stadion zu gehen. Oder aus anderen Gründen nicht gekommen sind. Auch diese Menschen sind die Zukunft von Fortuna.
Haben sich andere Vereine für Ihre Idee interessiert?
Die Anfangsresonanz war sehr positiv. Die Deutschen Fußball Liga (DFL) sagt: "Das uneingeschränkte Wachstum im Profifußball ist endlich. Macht Euch Gedanken, etwas anders zu machen." Von da gab es ein positives Echo. Einige Klubs haben das hinter dem Vorhang kritisch analysiert. Nach zwei Jahren ebbt diese Kritik hinter dem Vorhang deutlich ab. Wir sehen jetzt nach zwei Jahren und dem Ausbau von drei, auf vier und jetzt auf fünf Freispiele, dass der Weg funktioniert.
Werden Sie die Anzahl der Freispiele weiter erhöhen?
Das kann ich nicht abschließend beantworten. Das hat mit vielen Gesichtspunkten zu tun. Wie viele Partner kommen hinzu? Denn das ist klar: Wir brauchen weitere Unterstützung von starken Partnern für diesen Weg der Fortuna. Und auch ganz wichtig: Was wünschen sich unsere Fans überhaupt? Immer freie Spiele oder soll es etwas Besonderes bleiben? Das diskutieren wir gemeinsam mit den Fans.
Sie haben viele Datensätze erhalten und können daraus bestimmt Schlussfolgerungen ziehen. Haben Sie aus erstmaligen Besuchern im Stadion bereits Fans machen können? Vielleicht sogar Käufer von Dauerkarten?
Vorangestellt und das ist ganz wichtig: Diese Daten sind sehr sensibel. Sie bleiben immer bei Fortuna Düsseldorf. Wir verwerten und verkaufen diese Daten nicht. Unsere Umfragen nach den Freispielen zeigen sehr klar: 7 von 10 Besuchern, die "selten" bis "nie" in die Arena kommen, wollen bald wiederkommen, auch wenn sie zahlen müssen. Manche davon haben sich sogar langfristig als Dauerkarteninhaber an den Verein gebunden. Wir haben die Anzahl der verkauften Dauerkarten innerhalb der vergangenen beiden Jahre von knapp über 14.000 auf über 20.000 steigern können. Die Dauerkartenbesitzer haben ihren festen Platz im Stadion sicher und zahlen auch nur für 13 von 17 Heimspielen.
Trägt "Fortuna für alle" zum Wachstum des Vereins bei?
Im Fußball wachsen sie immer mit dem größten Hebel der Transfererlöse. Wenn wir sportlich weiterhin erfolgreich sind, Spieler entwickeln und zum richtigen Zeitpunkt transferieren können, dann wächst Fortuna Düsseldorf. Begleitet wird das durch die anderen, nachhaltigen Erlösstränge Merchandising, Mitglieder, Sponsoring. Das hat sich in den letzten zwei Jahren überproportional im Vergleich zu anderen Klubs entwickelt und verstärkt langfristig unser Fundament. Unser Ziel ist die erste Liga. Dieser Weg mit der Begeisterung, Unterstützung und Solidarität hier in Düsseldorf spielt eine große Rolle dabei.
Gibt es auch Spieltagseffekte von "Fortuna für alle"?
Wir sehen im Catering, dass die Erlöse steigen und wir erstmalig über "Fortuna für alle" auch an diesen Erlösen partizipieren. Das war vorher nicht der Fall.
Bei allen Spielen oder nur den Freispielen?
Bei allen Spielen, bei Freispielen noch etwas mehr, weil dann die Hütte voll ist.
Und was ist mit dem Merchandising?
Das haben wir rasant steigern können. Wir haben bis zu 50 Prozent mehr Umsatz. Man muss da natürlich die Kosten abziehen. Es ist ein Bindungseffekt für den Verein. Wir sehen, dass in der Stadt etwas wächst. Wir hatten eine 130-Jahr-Feier Fortuna Düsseldorf in der Altstadt. Es war ein Montagabend und da sind normalerweise überschaubar viele Leute in der Altstadt. Da war ein rot-weißes Meer von Leuten, und mein Kollege Klaus Allofs sagte zu mir: Alex, die Fortuna-Familie wächst. Schön, das so zu sehen.
Das alles soll die Basis für die erste Liga legen. Ihr Saisonstart ist mit zwei Niederlagen und einem Sieg eher bescheiden ausgefallen. Halten Sie an Ihrem Ziel fest?
Es gibt mehrere Klubs, die aufsteigen wollen. Der Wettbewerb ist fantastisch. Es ist ein tolles Produkt. Wir haben trotzdem nach wie vor die klare Ambition, trotz des Saisonstarts, dass wir es in diesem Jahr packen wollen. Wir wollen raus aus der Liga, so schön sie auch ist.
Auch in der Bundesliga würde "Fortuna für alle" weiterlaufen?
Ja. Das haben wir von Beginn an gesagt. Das ist ein Fünfjahres-Konzept, was in der ersten und auch zweiten Liga Gültigkeit hat. Unsere Partnerverträge sind demnach auch so gemünzt, dass wir in der ersten Liga andere Konditionen haben.
Fünf Jahre. Das ist für den Fußball schon ein langfristiges Projekt …
… wenn ich Sie unterbrechen darf. Sie sprechen von Projekt. Von dem Begriff haben wir uns nach einem Jahr verabschiedet. Für uns ist es ein Weg, unser Weg, der Düsseldorfer Weg. Bei uns schwingen in allen strategischen Überlegungen die Facetten Partizipation, Schulterschluss mit der Stadt, freier Eintritt mit. Das ist auch ein Aspekt, wenn wir Spieler verpflichten. Wir können sagen: Hier tut sich was.
Der Düsseldorfer Weg ist sehr in die Stadt gerichtet. Es ist auch eine Rückbesinnung auf das Lokale. Viele Zweitligisten verlassen momentan den üblichen Weg des Profi-Fußballs.
Wir sehen in der zweiten Liga unheimlich viele starke Vereine, Traditionsvereine. Auf den ersten Blick ist es wunderbar, dass diese Klubs in der zweiten Liga spielen. Auf den zweiten Blick müssen wir feststellen: Das alles hat seinen Grund. Die Strukturen der großen Traditionsvereine haben das Handicap, dass es immer schwerer wird, mit anderen Kapitalgesellschaften und von Investoren getriebenen Klubs mitzuhalten. Daher finde ich es persönlich erstmal sehr gut, dass sich Traditionsvereine mit anderen Geschäftsmodellen beschäftigen. Der FC St. Pauli hat es vorgemacht, Schalke auch. Wir haben hier für uns einen Weg definiert, der in Düsseldorf sehr gut passt. Das ist keine Blaupause und schon gar nicht sind wir die Moralapostel, die sagen: So geht's.
Ist der Düsseldorfer Weg nur auf den Profifußball angelegt?
Die neuen Einnahmen durch "Fortuna für alle" setzen wir auch zum Teil bewusst außerhalb des Profisports ein.
Die fließen also nicht alle in den neuen Linksverteidiger?
Wir schaffen ein Fundament. Wir investieren ins Nachwuchsleistungszentrum, wir investieren in den Fußball der Frauen. Wir setzen auf nachhaltiges Wachstum.
Vor etwas über einem Jahr haben Sie in der Relegation gegen den VfL Bochum ein 3:0 aus dem Hinspiel verspielt. Ein schwerer Schlag. Es wäre der Aufstieg im ersten Jahr "Fortuna für alle" gewesen.
Dass wir da als Verein zusammengehalten haben und nicht auseinandergerissen wurden, ist alles andere als selbstverständlich. Jetzt haben wir in der letzten Saison auch nicht die Sterne vom Himmel gespielt, haben uns nach dem Genickschlag weiter stabilisiert und wirtschaftlich weiter verbessert.
Jetzt haben Sie wieder das Ziel Aufstieg ausgerufen.
Wir haben das diskutiert und uns gefragt, ob wir das anpacken und öffentlich dazu stehen. Wir wissen, das kann schnell zurückschlagen, wenn es nicht klappt. Aber sollen wir erzählen, dass, wenn alles gut läuft, wir oben mitspielen können?
Das Fundament für die erste Liga ist geschaffen?
Der Verein ist nach drei Jahren Entwicklung soweit, dass wir sagen können. Fortuna Düsseldorf könnte auch in der ersten Liga strukturell, sportlich, wirtschaftlich verbleiben. Gleichwohl müssen wir erst einmal unsere Hausaufgaben machen. Es wäre schön, wenn das alles klappt. Aber da spielen ganz viele Facetten eine Rolle.
Dann würden Sie mit den ganzen "Schnellbooten" der ersten Liga konkurrieren.
Die berühmte Schere geht immer weiter auseinander. Wir haben manifestierte internationale Erlöse, wir haben die manifestierte TV-Geldverteilung in Deutschland mit dem Unterschied zweite Liga und erste Liga. Aus dem Grund wäre es auch auf dem herkömmlichen Weg umso schwerer geworden, überhaupt nochmal sich das Ziel Aufstieg zu geben - und dann als Fortuna Düsseldorf, als Verein aus der Landeshauptstadt, eine Chance zu haben, dort zu verbleiben.
Wo wäre Fortuna Düsseldorf, wären Sie den normalen Weg weitergegangen?
Das ist schwierig zu beantworten. Fakt ist, dass Fortuna Düsseldorf andere Herausforderungen hätte. Wir hätten uns wahrscheinlich von dem ambitionierten Ziel erste Liga verabschieden müssen. Wir hätten dann wohl sagen müssen, wir konsolidieren uns, wir straffen uns, wir sparen Kosten auf allen Ebenen. Wir hätten auch im Lizenzspielerbudget abspecken müssen. Wir hätten in der Organisation, was die Personalstruktur angeht, Maßnahmen treffen müssen. Fortuna Düsseldorf hätte einen anderen Weg zumindest in Erwägung ziehen müssen und schauen, ob Fortuna Düsseldorf ein eingetragener Verein bleibt. Das Umgekehrte ist jetzt der Fall, wir wachsen als eingetragener Verein. Natürlich finanziell mit dem größten Hebel der erzielten Transfererlöse. Dieser Hebel hat im Fußballgeschäft in jedem Klub immer die größte Amplitude.
Was machen die Spieltagserlöse bei einem Zweitligisten in den Erlössäulen eines Vereins aus?
In der zweiten Liga sind das zwischen 20 und 25 Prozent, was die Spieltagseinnahmen angeht. Die TV-Erlöse spielen in der zweiten Liga natürlich eine höhere Rolle und liegen aktuell bei ca. 30 Prozent.
Sind Sie für eine höhere Beteiligung der zweiten Liga an den TV-Erlösen?
Ich bin ein großer Befürworter davon, sich inhaltlich damit zu beschäftigen und nicht nur nach mehr Geld zu schreien. Die zweite Liga ist so stark, mit solchen starken Traditionsmarken. Jede Woche veranstalten wir Fußballfeste in der zweiten Liga. Ich bin der Auffassung, dass wir mit Inhalten und einer starken zweiten Liga diese Solidarität im 36er-Bündnis stärken können.
Welche Inhalte schweben Ihnen vor?
Gibt es technologische Neuerungen, die sie als großer Rechteverwerter möglicherweise sehen wollen? Als zweite Liga könnten wir sagen: Wir probieren das aus, um das Produkt zu stärken. Wir zeigen uns noch offener als möglicherweise der eine oder andere Erstligist. Daraus abgeleitet könnten wir dann in der nächsten Rechtevergabe sagen, dass die zweite Liga einen weiteren Beitrag zur Stärkung des Produkts geleistet hat. Das zeigt sich dann vielleicht in den Einschaltquoten und dann können wir über eine Anpassung des Verteilerschlüssels reden. Wir haben in vielen Jahren immer erst darüber geredet, dass der Bär erst erlegt werden muss, bevor das Fell verteilt wird. Man muss jetzt die Zeit nutzen, inhaltlich beizutragen. Und den Mut haben, Neues auszuprobieren. Sonst kommen wir nicht voran.
Auch international geht die Liga neue Wege. In England werden zum Beispiel alle Spiele der zweiten Liga frei auf Youtube gezeigt.
Wir sollten auch international diese Stadionatmosphäre, diese Fan-Kultur und dieses große Alleinstellungsmerkmal 50+1, von dem ich ein großer Befürworter bin, verteidigen und dann sollten wir es auch zeigen. Auch auf den einen oder anderen Euro kurzfristig zu verzichten, um Reichweite aufbauen und das Produkt zu stärken, wäre eine Idee. Das ist ein wenig wie bei "Fortuna für alle".
Und damit soll der deutsche Fußball dann den Rückstand zum englischen Fußball aufholen?
Wir brauchen der englischen Liga nicht mehr hinterhecheln. Das ist genauso wie wir als Fortuna Düsseldorf nicht mehr davon träumen müssen, Champions League zu spielen.
Mit Alexander Jobst sprach Stephan Uersfeld
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