Sonntag war bei strahlendem Sonnenschein jede Menge los an der Maximilianstraße in München. Ende August sind zahlreiche internationale Touristen zu Gast in den Hotels rund um die Prachtstraße in der Innenstadt – und derzeit auch der Tross um Nicolas Jackson.

Die Berater des Stürmers vom FC Chelsea kämpfen um den Wechsel des Spielers zum FC Bayern. Sie telefonierten Sonntag viel. Der 24 Jahre alte Offensivprofi drängt mit den Bayern weiterhin auf einen Transfer zum deutschen Fußball-Rekordmeister. Doch die Situation ist kompliziert.

„Jetzt ist die Situation, dass der Junge in München ist und wir den Jungen wieder zurückschicken“, hatte Bayerns Sportvorstand Max Eberl nach dem 3:2 der Münchner beim FC Augsburg am Samstagabend gesagt: „Chelsea hat uns informiert, dass sie den Spieler gerne zurückhaben wollen, nachdem wir uns gestern geeinigt hatten.“ Doch die Berater und Jackson glauben weiter an den Wechsel zum FC Bayern und waren auch Sonntagnachmittag noch in München.

Chelsea stoppte den Transfer zunächst und wies den Spieler an, nach London zurückzukehren. Grund ist die Verletzung des Stürmers Liam Delap, der sich bei Chelseas 2:0 gegen den FC Fulham am vergangenen Samstag eine Muskelverletzung zuzog und wohl wochenlang ausfällt.

Jackson war am späten Samstagnachmittag für den Medizincheck in München gelandet, danach sollte er einen Vertrag bei den Bayern unterschreiben. Vereinbart worden war dem Vernehmen nach eine Leihgebühr in Höhe von 15 Millionen Euro inklusive einer Kaufoption für die kommende Saison. Die Ablöse solle dann 65 Millionen Euro betragen.

Montag beginnt die Länderspielpause

Die Münchner sind nach zahlreichen Abgängen (unter anderem Thomas Müller, Leroy Sané und Kingsley Coman) immer noch auf der Suche nach Verstärkung in der Offensive. Der Aufsichtsrat um den mächtigen Ehrenpräsidenten Uli Hoeneß genehmigte lediglich ein Leihgeschäft.

Vier Pflichtspiele, vier Siege – der Saisonstart der Bayern ist gelungen. Der Klub startete zum vierten Mal in Folge mit zwei Siegen in eine Bundesliga-Saison und verteidigte die Tabellenführung, Michael Olise traf im sechsten Ligaspiel in Folge. Dennoch haben die Münchner zu Beginn der Länderspielpause einige Baustellen. „Es gibt Dinge, an denen wir noch arbeiten müssen“, sagte Sportvorstand Max Eberl. Das gilt auf und außerhalb des Rasens.

Wie schon beim 3:2 im DFB-Pokal bei Drittligaklub SV Wehen Wiesbaden drei Tage zuvor gaben die Bayern auch am Samstag eine deutliche Führung beinahe noch ab. „Viele, viele Chancen ...“, sagte Trainer Vincent Kompany nach dem Abpfiff. „Wir bleiben torgefährlich, immer wieder. Das ist das, woran wir arbeiten müssen, das werden wir auch hinkriegen.“

Das Spiel seiner Mannschaft sei in der ersten Halbzeit eigentlich sehr gut gewesen, „aber das war nicht über die ganze Spielzeit gut. Am Ende bekommen wir zwei Gegentore, das ist zu viel.“ Ihm sei aber der Kontext wichtig. „Wir kommen in diese Saison ohne Vorbereitung, gar nichts, fast, sehr, sehr wenig Urlaub. Wir haben sieben Spiele gespielt, sieben gewonnen und vier waren im Supercup, Pokal und zwei in der Liga“, betonte der Trainer. „Drei waren auswärts, und wir haben eine Menge Tore geschossen, eine Menge Chancen bekommen. Es ist nicht perfekt, das weiß ich, aber das kriegen wir hin.“

Man habe gegen Augsburg beinahe neun große Chancen gehabt. „Nur in diesem Moment, wo du mal ruhig verteidigen musst, sieht es so aus, als ob es noch Arbeit auf dem Platz gibt“, so Kompany. „Wir haben es schön hinbekommen vorher, aber da gibt es noch Arbeit.“

Ein weiteres Problem beschrieb Sportvorstand Eberl in Augsburg: „Gerade in der Offensive ist der Kader so, dass wir kaum reagieren können.“ Man könne aktuell nicht groß wechseln, demnach auch nicht großartig neue Impulse bringen. Die Spieler müssten mehr oder weniger durchspielen. Das könne zu Müdigkeit führen und in wichtigen Momenten auch mal zu einer falschen Entscheidung führen. „Das ist das, was wir noch versuchen wollen zu beheben.“

Montag ist „Deadline-Day“, um 18 Uhr endet die Transferperiode. „Wir haben noch 48 Stunden“, sagte Eberl am Samstagabend. „Das ist keine Situation, mit der man wirklich geplant hat. Aber wir werden auch da versuchen, eine Lösung zu finden.“

Eberl sagte dann noch auf die Frage, ob es die Möglichkeit gebe, noch mal mit dem Aufsichtsrat bezüglich mehr Ressourcen zu einem möglichen Spielerkauf zu sprechen: „Ich habe meinen Auftrag, und den versuche ich umzusetzen.“

Julien Wolff ist Sportredakteur. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren aus München über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen und hat in München schon viele Transfers erlebt.

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