Der vorzeitige Abgang von Jenoptik-Chef Stefan Traeger hängt offenbar mit seiner finanziellen Bilanz und der Unternehmensstrategie zusammen. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN hat Traeger die Gewinnerwartungen der Investoren zuletzt nicht erfüllt. Außerdem gibt es offenbar Zweifel am Geschäftsmodell. Die Personalie hatte das Unternehmen am Dienstag bekanntgegeben, von "gegenseitigem Einvernehmen" war offiziell die Rede.

Am Mittwoch hatte der Aufsichtsrat Traegers Ausscheiden bestätigt. Der 57-Jährige werde sein Vorstandsmandat zum 15. Februar niederlegen und den Konzern verlassen, hieß es. Eine Übergangslösung werde vorbereitet.

Seit längerem Diskussionen

Hinter den Kulissen wackelte Traegers Stuhl aber offenbar schon länger. Nach MDR-Informationen gab es im Kreis der Anteilseignervertreter bereits im vergangenen Jahr Zweifel an einer erneuten Vertragsverlängerung. Diese sind offenbar entstanden, weil Jenoptik die Erwartungen des Kapitalmarkts zuletzt nicht vollständig erfüllen konnte. So blieben sowohl Umsatzdynamik als auch die Ergebnisse hinter den Vorstellungen der Investoren zurück.

Auch die vom Markt als wichtig erachtete EBITDA-Marge von rund 24 Prozent erreichte der Konzern nicht. Es handelt sich dabei um eine Kennzahl, die den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ins Verhältnis zum Umsatz setzt. An der Kennzahl lässt sich die operative Profitabilität eines Unternehmens messen.

Diskussionen über strategischen Fokus

Kritisch sieht zumindest ein Teil der Anteilseigner, dass Jenoptik weiterhin in mehreren unterschiedlichen Geschäftsbereichen aktiv ist. Im Aufsichtsrat soll es Diskussionen darüber gegeben haben, ob der Konzern ausreichend klar auf einen Kernfokus ausgerichtet ist.

Anteilseigner sollen bezweifelt haben, dass Traeger der richtige Mann ist, dem Konzern ein eindeutiges Geschäftsmodell zu geben. Wer Traegers Nachfolge übernehmen soll, ist noch offen. Der Aufsichtsrat kündigte an, die Entscheidung zeitnah zu treffen.

Land Thüringen größter Einzelaktionär

Jenoptik ist eine Aktiengesellschaft, deren Anteile sich zu reichlich zwei Dritteln im Streubesitz befinden. Größter Einzelaktionär ist mit elf Prozent das Land Thüringen, der seine Anteile über die Thüringer Industriebeteiligungs GmbH & Co. KG hält. Wichtige institutionelle Investoren sind DWS, Amundi oder Blackrock.

MDR (one, mad)

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