Möbel aus der DDR: Was hinter dem Hype steckt
- Die Nabyteque aus Leipzig arbeitet Möbel aus der DDR und der Tschechoslowakei auf und verkauft sie.
- Firmengründer Kris Sullivan erklärt den Trend mit dem schlichten und zeitlosen Design.
- Die Vorbesitzer erzählen den Aufbereitern aus Leipzig häufig noch Geschichten zu den Möbelstücken.
Möbel aus DDR-Produktion haftet ein wenig schmeichelhaftes Image an. Das Design wird oftmals als langweilig und eintönig beschrieben. Und tatsächlich war die Möbel-Herstellung in der DDR-Planwirtschaft weitgehend standardisiert. Doch in den vergangenen Jahren wurden sie als Vintage-Möbel wiederentdeckt. Gerade unter jungen Leuten ist der Retro-Trend angesagt.
Fündig werden die Interessenten bei einer kleinen Firma aus Leipzig: Nabyteque arbeitet Einzelstücke aus dem früheren Ostblock auf und hat damit einen Nerv getroffen. Zu den Kunden gehören Studierende genauso wie junge Paare, die ihre erste gemeinsame Wohnung beziehen würden.
Beim Anblick solcher Schätze aus der DDR geht Möbelliebhabern das Herz auf.Bildrechte: picture alliance/dpa | Jan WoitasDarum ist Design aus der DDR so zeitlos
Firmengründer Kris Sullivan sieht als Grund für die Begeisterung der Möbelkäufer, dass es den meisten Leuten darum ginge, "dieses eine besondere Stück in ihren Stil integrieren" zu können. Und das können diese Teile sehr gut, "weil sie sehr geradlinig, sehr schlicht, sehr zeitlos sind und auch sehr interessante Materialkombinationen aufweisen, von verchromtem Stahl und massiver Eiche", so Sullivan. Für ihn seien es "echte, ehrliche Möbel", die damals zwar für die Massen produziert wurden, auch auf industrielle Art und Weise, aber noch "mit einem anderen Nachhaltigkeitsanspruch und mit einem anderen ästhetischen Anspruch".
Das sind echte, ehrliche Möbel, die zwar auch damals für die Massen produziert wurden, auch auf industrielle Art und Weise, aber noch mit einem anderen Nachhaltigkeitsanspruch und mit einem anderen ästhetischen Anspruch.
Reisen von Leipzig in die DDR und ČSSR
Der Firmenname "Nabyteque" ist inspiriert von dem tschechischen Wort "Nábytek", das "Möbel" bedeutet. Und das hat seinen Grund: Denn Firmengründer Sullivan ist mit seinem Team oft in dem Nachbarland unterwegs, um geeignete Möbelstücke zu finden.
Nabyteque-Firmengründer Kris Sullivan entfernt alten Lack von einer Anrichte "Modell 602k" der Deutschen Werkstätten Hellerau.Bildrechte: picture alliance/dpa | Jan WoitasZu Beginn hatte sich Sullivan auf Ostdeutschland konzentriert, inzwischen fährt er aber häufig nach Tschechien. Dort hat er schnell die Unterschiede in der sozialistischen Möbelproduktion kennengelernt. Die Tschechen seien stilistisch nicht so eingeschränkt gewesen in dem, was sie entwerfen und auf den Markt bringen durften, sagt Sullivan. Dort habe man sich viel mehr noch von den Italienern und den Skandinaviern beeinflussen lassen, wohingegen die SED-Parteilinie einschränkender gewesen sei.
Möbel mit Geschichte(n)
Zu den Möbeln werden den Mitarbeitern von Nabyteque häufig noch Geschichten erzählt. So wüssten die meisten Leute noch genau, wie viel ihre Stücke gekostet haben und was sie sich dabei dachten, als sie sie gekauft haben, sagt Sullivan. Und das sei immer spannend.
Man redet natürlich nicht nur über die Möbel, sondern auch über die Geschichten der Leute und deren Familienmitglieder. Und das ist das, was ich nicht missen möchte.
Eine seiner Reisen habe Sullivan in die Privatwohnung eines früheren tschechoslowakischen Verteidigungsministers geführt. Den Tipp hatte er von einem Nachlassverwalter bekommen. Bei den Möbeln sei zwar nichts Besonderes dabei gewesen – aber der begehbare Kleiderschrank sei ihm aufgefallen, versteckt in einer Ecke mit einer Decke drüber. Im Schrank seien dann Platten von den Beatles und den Stones gewesen, so Sullivan. Solche Geschichten heben Nabyteque aus der Masse der Möbelhändler heraus.
Oft steckt hinter den Möbeln aus der DDR oder dem ehemaligen Ostblock eine Geschichte.Bildrechte: picture alliance/dpa | Jan WoitasNeue Preise für altes Design
Gerade arbeitet die Firma Nabyteque ein Schlafzimmer-Ensemble im Bauhausstil auf. Der Kunde erhält für knapp 8.000 Euro zwei Nachtschränke, zwei Betten und einen großen Kleiderschrank. Sie sind in schlichten Formen gehalten, mit viel Stahlrohr. Es sind solche Möbel, die sich in der Werkstatt stapeln und nur darauf warten, ein neues Leben eingehaucht zu bekommen.
Quelle: MDR KULTUR (Sven Kochale), Nabyteque, redaktionelle Bearbeitung: op
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