Deutsche Fotothek würdigt Fotografin Ingrid von Kruse
- Die Ausstellung in Dresden zeigt Italien-Bilder als Frühwerk der Fotografin Ingrid von Kruse.
- Mit einer geliehenen Kamera für eine Urlaubsreise nach Rom begann ihre Karriere als Fotografin.
- Die Fotos der Ausstellung zeigen ihr besonderes Gespür für Stimmungen und Details der Städte, deren Geschichte sie in die Gegenwart holt.
Die Deutsche Fotothek in Dresden zeigt eine besondere Italien-Reise: In der Ausstellung unter dem Titel "Das Raunen der Vergangenheit" sind frühe Werke der Fotografin Ingrid von Kruse zu entdecken. Aus Anlass des 90. Geburtstags der Künstlerin würdigt die Schau in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) deren Schaffen.,
Zu sehen sind Fotografien, die zwischen 1980 und 1995 in Rom, aber auch Ostia, Sizilien und vor allem Venedig entstanden. Kurator und Fototheksleiter Jens Bove sagte im Gespräch mit MDR KULTUR, sie markierten den Anfang der fotografischen Karriere von Ingrid von Kruse. Man habe bewusst Bilder gewählt, die so noch nicht publiziert worden seien.
Details einer Stadt wie ein Stillleben: 1982 fotografierte von Kruse diese Szene in Venedig.Bildrechte: Deutsche Fotothek/ Ingrid von KruseItalien-Reise als Start einer neuen Karriere
Ingrid von Kruse entdeckte erst spät ihre Leidenschaft für die Fotografie. Nach Rom reiste die damals erfolgreiche Textildesignerin, die auch Grafik und Malerei studiert hatte, damals eigentlich nur mit einer geliehenen Kamera, führt Fototheks-Leiter Bove aus. Überwältigt von den Zeugnissen der Antike und auf den Spuren von Goethe habe sie zu fotografieren begonnen.
Bereits wenig später seien die Fotos dieser Reise in Ausstellungen gezeigt worden, berichtet Bove. Der große Erfolg habe sie motiviert, in Essen von 1981 bis 1983 Fotografie zu studieren. Seitdem sei von Kruse ihrer Leidenschaft mit großer Konsequenz als freischaffende Fotografin gefolgt.
1995 reiste von Kruse erneut nach Rom. Dabei entstand auch diese Aufnahme.Bildrechte: Deutsche Fotothek/ Ingrid von KruseFotos als urbane Stillleben mit Blick für Details
Bei von Kruses Aufnahmen handle es sich nicht um Reisefotografien, betont der Kurator im Gespräch mit MDR KULTUR weiter. "Es sind immer Details, die sie fokussiert; ganz besondere Stimmungen, die sie aufgreift. Im Grunde kann man es Stein gewordene Erinnerungen nennen." Man könne in den Aufnahmen nachvollziehen, wie von Kruse durch die Stadt flaniert und wie beeindruckt sie gewesen sei, so Bove.
Es sind immer Details, die sie fokussiert; ganz besondere Stimmungen, die sie aufgreift.
Die Schau präsentiert neben Fotos aus Rom, Ostia und Sizilien auch Aufnahmen aus Venedig, wohin von Kruse später immer wieder reiste. Auch hier zeigt sie Bove zufolge ihr Gespür für Details wie die Metallblätter am Bug einer Gondel, zugleich erlaube von Kruse Einblicke in Schaufenster und Werkstätten oder porträtiere Venezianerinnen und Venezianer.
Die Nahaufnahme der Gondeln von Venedig fotografierte Ingrid von Kruse 1994.Bildrechte: Deutsche Fotothek/ Ingrid von KruseKruses Aufnahmen offenbarten gewissermaßen "eine doppelte Vergangenheit", fasst Bove die besondere Faszination zusammen: durch die Jahrzehnte alten analog fotografierten Bilder von Motiven, die zum Teil wie das Forum Romanum mehr als 2.000 Jahre alt seien. Assoziativ, fast traumwandlerisch suche sie Vergangenheit in der Gegenwart sichtbar zu machen.
Fast traumwandlerisch macht sie Vergangenheit in der Gegenwart sichtbar.
Ingrid von Kruse: Bekannt für Porträtaufnahmen
Bekannt ist Ingrid von Kruse heute vor allem für ihre Porträts bekannter Persönlichkeiten des politischen und kulturellen Lebens. Sie fotografierte Altkanzler Helmut Schmidt, die Schriftstellerin Astrid Lindgren oder den Dirigenten Herbert Blomstedt. Außerdem veröffentlichte sie mehrere Bildbände, für die sie die Porträtierten selbst interviewte. 1992 erschien "Europa beim Wort genommen" ein vielbeachtetes Projekt mit 115 Porträts prägender europäischer Stimmen, später der Bildband "Venedig – Stimmen zwischen Stein und Meer" oder 2011 "Eminent Architects".
Von Kruse, die am 26. Dezember 1935 in Hamburg geboren wurde, hatte der Deutschen Fotothek vor zwei Jahren ihren Vorlass übergeben. Sie ist eine der wenigen Frauen, deren Werke ins Archiv der Fotografen aufgenommen wurde.
Mehr zur Ausstellung
"Ingrid von Kruse – Das Raunen der Vergangenheit. Fotografien aus Italien"
5. Januar - 26. Juni 2026
Cafeteria Bib-Lounge in der SLUB
SLUB Zentralbibliothek, 1. Etage
Zellescher Weg 18
01069 Dresden
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag: 10 bis 18 Uhr
Eintritt frei
Zur Ausstellung ist die Publikation "loungeaffairs#8: Ingrid von Kruse · Das Raunen der Vergangenheit, Fotografien aus Italien" im Verlag publish&print erschienen.
Quelle: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB Dresden), MDR KULTUR (Ben Hänchen)
Redaktionelle Bearbeitung: gw, ks
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke