Experte: Fast kein Museum im Osten ohne DDR-Raubkunst
- Seit Januar 2026 gibt es eine neue Förderung zur Erforschung von Raubkunst in der DDR und unter sowjetischer Besatzung.
- Museumsexperte Nikolaus Bernau sagt, es gebe in Ostdeutschland fast kein Museum ohne diese Raubkunst.
- Die Fördersumme von 800.000 Euro sei noch zu wenig, da das Thema bisher zu wenig erforscht ist.
Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg bietet eine neue Förderung an. Unterstützt werden soll die Erforschung von geraubter Kunst unter sowjetischer Besatzung sowie in der DDR. Laut einer Mitteilung will man damit unterstützen, dass vor allem staatliche Museen, Archive und Bibliotheken ihre Bestände auf einst entzogene Objekte untersuchen. Dafür sollen 2026 insgesamt bis zu 800.000 Euro zur Verfügung gestellt werden.
Kaum ein ostdeutsches Museum ohne Raubkunst aus DDR
Zwischen 1945 und 1990 sind etliche Privatpersonen enteignet worden, darunter auch politische Häftlinge. Viele Kulturgüter seien im Rahmen der damals als "Bodenreform" bezeichneten Enteignungspolitik in staatliche Sammlungen gekommen, erklärt der Kunstwissenschaftler und Museumsexperte Nikolaus Bernau im Gespräch mit MDR KULTUR.
"In der sowjetischen Besatzungszone gab es die Enteignungspolitik, in der DDR gab es dann eben zusätzlich noch den ganz massiven Druck, wenn die Leute ausreisen wollten, respektive wenn sie geflohen sind, dass dann die Sachen einfach beschlagnahmt wurden."
Es gibt viel zu wenig Forschung auf dem Gebiet, aber es handelt sich um ganz erhebliche Bestände.
Nikolaus Bernau ist Kunstwissenschaftler und Museumsexperte. (Archiv-Foto, 2013)Bildrechte: imago/Horst GaluschkaWie viele Objekte es genau sind, ist laut Bernau nicht bekannt. Das Feld sei noch viel zu wenig erforscht. Aber der Experte geht von Hunderttausenden aus. Es handle sich etwa um Archivalien und Bücher aus Familienbesitz, um Möbel, Gemälde, Skulpturen, Porzellane Schmuck oder Tafelsilber.
Halbwegs genaue Untersuchungen dazu gebe es in Brandenburg, sagte Bernau bei MDR KULTUR: "Da zeigt sich, dass es praktisch kein einziges Stadt- oder Heimatmuseum, keine einzige halbwegs relevante Bibliothek gibt, in der nicht solche Bestände vorhanden sind." Das gelte für Ostdeutschland insgesamt.
Es gibt praktisch kein einziges Stadt- oder Heimatmuseum, in dem nicht solche Bestände vorhanden sind.
Ein Beispiel sei auch das Schloss Wernigerode: "Da wurde genau aus solchem Kulturgut heraus das damals ganz tolle Feudalmuseum aufgebaut – das waren Bestände, die privaten Besitzern geraubt wurden."
Auch das Feudalmuseum im Schloss Wernigerode sei mit Raubkunst aufgebaut worden, sagt Museumsexperte Nikolaus Bernau.Bildrechte: IMAGO / Priller&MaugGenügen 800.000 Euro für Erforschung der DDR-Raubkunst?
Laut eigenen Angaben finanziert das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg die Aufarbeitung der Kulturgutverluste in der SBZ und DDR bereits seit 2017 im Bereich der Grundlagenforschung. Mit der neuen Förderlinie könnten nun auch die Sammlungen öffentlicher kulturgutbewahrender Einrichtungen erforscht werden. Seit Januar können staatliche Museen, Archive und Bibliotheken nun Anträge für die Förderung stellen.
Die geplante Förderung von 800.000 Euro, die nun für die Erforschung der Raubkunst aus SBZ- und DDR-Zeiten zur Verfügung gestellt werden sollen, sind aus Sicht des Kunstexperten Nikolaus Bernau zu wenig. "Es müsste viel mehr ausgegeben werden."
Das Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste in Magdeburg ist zentraler Ansprechpartner für unrechtmäßig entzogenes Kulturgut.Bildrechte: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste/Stefan DeutschKulturstaatsminister Wolfram Weimer zeigt sich in einer Mittelung glücklich über die neue Fördermöglichkeit. Damit werde die Aufarbeitung der Kulturgutentziehungen geschärft und Transparenz über die Herkunft von Objekten geschaffen.
Quellen: Deutsches Zentrum für Kulturgutverluste; MDR KULTUR (Carsten Tesch)
redaktionelle Bearbeitung: sg, bh
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