"Gemini von Google wird uns praktisch zerstören." Das sagte der Chefredakteur von apotheken-umschau.de Dr. Dennis Ballwieser im April 2025 auf einer Konferenz. Was er damals damit meinte: Der KI-Chatbot von Google werde dafür sorgen, dass Onlinemedien, die sich hauptsächlich durch Werbung finanzieren, keine Finanzierungsgrundlage mehr haben werden.

"In einer gewissen Art und Weise hat sich das jetzt ein Dreivierteljahr später auch schon bewahrheitet", so Ballwieser heute. "Das, was vor einem Jahr noch stand: Apotheken-Umschau.de, ein seit zwanzig Jahren anzeigenfinanziertes Angebot (...) Das gibt es nicht mehr, das ist zerstört."

Doch wie konnte das in so kurzer Zeit passieren?

Revolution der Online-Suche: KI-Zusammenfassungen und Chatbots

Vielen ist es sicherlich schon aufgefallen: Seit Anfang 2025 wird man bei Google-Suchen immer häufiger mit einer KI-Zusammenfassung konfrontiert. Diese präsentiert den Nutzenden auf einen Blick eine ausformulierte Antwort auf ihre Frage.

Neben den KI-Zusammenfassungen nutzen außerdem immer mehr Menschen direkt einen Chatbot, wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini für die Suche im Netz. Für die Nutzenden sind die neuen Suchmöglichkeiten erstmal vor allem positiv, wie Suchmaschinenexperte Dirk Lewandowski von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg bestätigt: "Für uns als Nutzer ist es in der Tat ein toller Fortschritt, dass wir jetzt direkte Antworten bekommen. Auch komplexe Antworten."

Anstatt sich auf der Suche nach der gewünschten Information durch mehrere Links klicken zu müssen, erhält man die passende Antwort mit nur einem Klick. Und das ist nicht nur praktisch, sondern hat zunächst auch einen positiven Effekt auf die Meinungsvielfalt. Dirk Lewandowski hat dazu im Auftrag der Medienanstalten ein Gutachten angefertigt:

"Hier ist jetzt die große Chance von den Kurzzusammenfassungen, dass eben nicht ein Ergebnis präsentiert wird, sondern aus einer Vielzahl von gefundenen Ergebnissen eine Antwort generiert wird. Bedeutet, es ist möglich, dass viel mehr Aspekte dargestellt werden, als es in der bisherigen Suche der Fall war."

Außerdem wird ein bei Suchmaschinen seit Jahren bestehendes Problem umgangen: Durch sogenannte Suchmaschinenoptimierung wird die Logik von Suchmaschinen gezielt ausgenutzt um die eigenen Inhalte weit oben in den Suchergebnissen zu platzieren, auch wenn die Frage des Nutzenden nicht unbedingt beantwortet wird.

Seitenbetreibern brechen die Umsätze weg

Während die KI-Suchen für die Nutzenden zunächst vor allem positive Auswirkungen haben, spüren einige Seitenbetreiber drastische Folgen. Viele Websites finanzieren sich unter anderem durch das Schalten von Werbung. Je mehr Besucher eine Seite verzeichnet, desto höher sind die Einnahmen. Dabei sind viele der Angebote darauf angewiesen, dass Besucher über die Suche via Google und Co zu ihnen gelangen, wie Dennis Ballwieser von apotheken-umschau.de erklärt:

"Bei apotheken-umschau.de sind wir in den vergangenen 20 Jahren – so wie viele andere Medienhäuser auch – ein reichweitenfinanziertes Modell eingegangen. Das heißt, wir haben uns abhängig gemacht von Google als Trafficbringer. Die haben uns zuverlässig über die Suchergebnislisten die Userinnen und User gebracht. Wir konnten das monetarisieren über den Verkauf von Anzeigen."

Im Gegensatz zur gedruckten Ausgabe ist das Online-Angebot der Apotheken Umschau in größerem Maße auf Einnahmen durch Werbung angewiesen. KI-Zusammenfassungen und KI-Suchmaschinen sorgen nun jedoch dafür, dass die Besucherzahlen auf den Websites und damit auch die Werbeeinnahmen einbrechen. Denn wenn die KI-Zusammenfassung oder ein Chatbot die Informationen von apotheken-umschau.de und anderen Websites einsammelt und Informationen direkt an den Nutzenden liefert, klickt kaum noch jemand auf die Quelle und Dennis Ballwieser und sein Team erhalten keine Werbeeinnahmen:

"Bei apotheken-umschau.de merken wir heute ungefähr ein Drittel Trafficschwund und das liegt fast ausschließlich an Google Gemini bzw. an der Google-Suche mit KI und dem KI Modus von Google."

Im Gegensatz zu Online-Nachrichtenmedien sind vor allem Websites mit Wissensinhalten betroffen. Spartenangebote bringt der finanzielle Einschnitt durch die ausbleibenden Klicks in Bedrängnis, berichtet Dennis Ballwieser.

Weniger Inhalte im Netz sorgen für eine geringere Meinungsvielfalt

Dennis Ballwieser ist zuversichtlich, dass er und sein Team neue Finanzierungswege finden werden. Es gibt jedoch auch bereits Meldungen von kleineren Onlinemedien, die das Handtuch werfen mussten. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, hätte das weitreichende Folgen für das gesamte Internet. Der aktuelle Zuwachs an Meinungsvielfalt könnte sich langfristig ins Gegenteil verkehren.

"Wenn die Inhalteanbieter, weil sie schlicht ihre Inhalte nicht monetarisieren können, keine neuen Inhalte oder weniger neue Inhalte produzieren können, dann wird natürlich die Meinungsvielfalt leiden, weil wir weniger Inhalte sehen werden", so Informationswissenschaftler Dirk Lewandowski.

Ideen, wie Online-Journalismus auch ohne Werbeeinnahmen finanziert werden kann, gibt es: Ein stärkerer Fokus auf den Verkauf von Abonnements oder auch feste Lizenzverträge zwischen KI-Anbietern und Verlagen. Ob diese Ansätze die fehlenden Einnahmen gerade kleinerer Online-Medien ausgleichen können, ist offen.

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