• Die Einführung bargeldloser Zahlungen bei Polizeikontrollen verzögert sich, weil ein externer Dienstleister neue EU-Regeln noch nicht umgesetzt hat.
  • Zudem scheitert die Kartenzahlung laut Polizei an banktechnischen Problemen bei der Zuordnung der Bußgelder.
  • Bargeldloses Bezahlen würde die Polizei entlasten und soll laut Innenministerium im Sommer 2026 eingeführt werden.

Nehmen wir mal an, Sie sind mit dem Fahrrad unterwegs. An einer Baustelle weichen Sie auf den Gehweg aus und geraten in eine Polizeikontrolle. 55 Euro verlangt die Polizei. Das könnten Sie nun gleich sofort bezahlen, dann wäre die Sache erledigt. In Sachsen jedoch müssen Sie Scheine oder Münzen dabei haben, weil auch im Jahr 2026 für bargeldloses Bezahlen in Streifenwagen immer noch die Technik fehlt.

Warum? Martin Strunden, Sprecher im sächsischen Innenministerium, verweist auf Probleme: "Die Einführung hat sich weiter verzögert, weil neue EU-Standards für digitale Zahlungsformate bei einem im Projekt zentralen externen Finanzdienstleister noch nicht umgesetzt sind."

Dabei wäre bargeldloses Bezahlen bei der Polizei ein Schritt für mehr Bürgerfreundlichkeit, meint Florian Wagner vom ADAC. Er sieht die Verzögerung kritisch und findet es kaum vorstellbar, dass man eine Strafe nicht vor Ort mit Karten zahlen kann: "Das kennen wir alle aus eigener Erfahrung: Wir haben nicht mehr so viel Bargeld dabei. Vielleicht ist es auch für andere Dinge verplant. Es wäre für den Verwaltungsaufwand entspannt, wenn man vor Ort mit Karte zahlen kann. Dann ist es aus dem Kopf und für alle Bereiche eine sinnvolle Lösung."

Bürokratie bremst Kartenzahlung

Warum es so lange dauert, erklärt das Innenministerium nicht. Jedoch, laut Gewerkschaft der Polizei, scheitert die Kartenzahlung an einer bürokratischen Hürde: Denn je nach Verstoß landet das Geld bei der Polizei in unterschiedlichen Töpfen.

Dass zum Beispiel das Verwarngeld fürs Radfahren auf dem Fußweg auf einem anderen Konto landet als die Strafe für eine Ruhestörung, das funktioniere noch nicht, erklärt Sachsens GdP-Chef Jan Krumlovsky: "Seitens der Polizei sind wir soweit. Die Geräte sind angeschafft. Die Hinderung liegt im Bankenwesen. Hier erwarten wir, dass mehr Geschwindigkeit zur Abstimmung gebracht wird. Das bargeldlose Bezahlen gehört einfach in die heutige Zeit und in eine moderne sächsische Polizei und wir erwarten, dass die Verantwortlichen jetzt das Projekt positiv zum Abschluss bringen."

Andere Bundesländer hatten dagegen offenbar weniger Probleme mit den Banken. Bayern, NRW und Sachsen-Anhalt haben bargeldloses Zahlen bei der Polizei längst eingeführt. In Thüringen ist es mittlerweile sogar nur noch mit Karte oder Handy möglich.

Vorteile für die Polizei

Die Vorteile liegen auch für die Polizei auf der Hand. Die Beamten müssten kein Wechselgeld spazieren fahren und hätten weniger mit Bürokratie zu tun, erklärt Martin Strunden vom sächsischen Innenministerium: "Die Einführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs bei der Polizei trägt zur Prozessoptimierung und Bürgerfreundlichkeit bei. Der manuelle Verwaltungsprozess entfällt für Verwarngelder in weiten Teilen komplett, sodass aufwendige Nachweisführungen und Kontrollen von Bargeldeinnahmen nicht mehr erforderlich sind."

Das sächsische Innenministerium teilt mit, im Sommer 2026 soll es soweit sein: Dann sollen mobile Zahlungsmöglichkeiten eingeführt werden. Sie sollen, so sagt der Sprecher weiter, dann Giro- und Kreditkarten akzeptieren, aber zum Beispiel auch Apple Pay und Google Pay unterstützen.

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