• In Dresden ist jetzt die Ausstellung "Brücken neu denken" zu sehen.
  • Hintergrund ist der Einsturz und geplante Neubau der Carolabrücke – zu sehen sind Entwürfe von Studierenden.
  • Ausgestellt werden aber auch Bilder berühmter Brücken weltweit, die zeigen, was Brücken gesellschaftlich leisten können.

Spätestens seit dem Einsturz der Carolabrücke in Dresden 2023 sind Brücken wieder mehr in das Interesse der Öffentlichkeit gerückt. "Wir haben in Dresden diesen furchtbaren Einsturz dieses Bauwerkes mitten im Herzen der Stadt gehabt und wir wollen, dass wir einfach sehen, wie wichtig Brücken in der Gesellschaft sind", sagt Steffen Marx, Professor für Massivbau und Institutsleiter an der TU Dresden. Er hatte die Idee zur Ausstellung "Brücken neu denken – Lebensraum, Stadtraum, Freiraum", die jetzt im Zentrum für Baukultur im Dresdner Kulturpalast zu sehen ist.

Der Entwurf "Aufgang mit Aussicht" war eine studentische Idee für den Neubau der Carolabrücke.Bildrechte: ZfBK - Zentrum für Baukultur Sachsen.

Experte: Brücken sind mehr als nur reine Infrastruktur

Eine zentrale Frage ist, wie die Brücken künftig aussehen, welche Funktionen sie noch erfüllen sollen. Brücken seien nicht nur wichtig als Verkehrsinfrastruktur, sondern auch als wichtiger städtebaulicher Mittelpunkt einer Stadt, findet Steffen Marx: "Und die Carolabrücke muss definitiv mehr werden, als die Überführung einer Bundesstraße."

Die Carolabrücke muss definitiv mehr werden, als die Überführung einer Bundesstraße.

Steffen Marx, Professor für Massivbau und Institutsleiter an der TU Dresden

Sehen so die Brücken der Zukunft aus?Bildrechte: ZfBK - Zentrum für Baukultur Sachsen.

Den Zeitpunkt für die Ausstellung hat der Brückenspezialist perfekt gewählt, denn inzwischen ist der Neubau beschlossen und derzeit erarbeiten vier Planungsbüros Entwürfe für die künftige neue Carolabrücke. Ab dem 18. März 2026 sollen sich auch die Bürgerinnen und Bürger mit einbringen können. Dafür bietet die Ausstellung vorab schon mal jede Menge Inspiration.

Im studentischen Wettbewerb sind auch Entwürfe für eine Brücke für die Bundesgartenschau entstanden.Bildrechte: ZfBK - Zentrum für Baukultur Sachsen.

Ausstellung zeigt studentischen Entwurf für neue Carolabrücke

Zu sehen ist etwa das Ergebnis des studentischen Entwurfswettbewerbs des Massivbauinstituts. 2025 war das Thema des Wettbewerbs die neue Carolabrücke. Der Siegerentwurf mit dem Titel "Plan C" samt Modell wird in der Ausstellung vorgestellt. Die Studierenden haben dabei die klassische Bogenbrücke neu interpretiert. Die Bögen fungieren, getrennt vom Autoverkehr darüber, als Fußgänger- und Radwege – quasi unter der Brücke.

Die Fläche, die wir auf der Brücke haben, haben wir auch unter der Brücke und diese Flächen werden nur selten genutzt.

Silke Scheerer, Bauingeneurin und Kuratorin

Auch Entwürfe von Studierenden für eine neue Carolabrücke in Dresden sind in der Ausstellung zu sehen.Bildrechte: Visualisierung: Hans Bolz, Ferdinand Schulte zu Sodingen, Marc Lilienthal, Linus Witzel

Brücken sollten häufiger so in ihrer vollen Fläche genutzt werden, findet Kuratorin Silke Scheerer vom Institut für Massivbau der TU Dresden. "Brücken haben eine unglaubliche Fläche, das sind Millionen von Quadratmetern nur in Deutschland", sagt sie.

"Die Fläche, die wir auf der Brücke haben, haben wir auch unter der Brücke und diese Flächen werden nur selten genutzt." Dabei sei das ein kostenfreier, überdachter Raum. "Das sind Flächen, die uns allen zur Verfügung stehen, die nur belebt werden müssen." Dazu finden sich in der Ausstellung eine Reihe von Beispielen, was weltweit bereits gelungen ist.

Die Bögen unter der Carolabrücke könnten als Rad- und Fußwege genutzt werden, so eine Idee der Studierenden.Bildrechte: ZfBK - Zentrum für Baukultur Sachsen.

Stari Most und Öresundbrücke als Beispiele für kulturellen Austausch

Abbildungen prominenter Brücken von überall aus der Welt hängen von der Decke und laden zu einer Entdeckungstour quer durch die Ausstellung ein. Darunter beispielsweise die Stari Most, die Alte Brücke in Mostar in Bosnien-Herzegowina. Während des Bosnienkrieges war sie zunächst zerstört und später originalgetreu wieder aufgebaut worden. Sie verbindet heute wieder den muslimisch geprägten Teil der Stadt mit dem katholischen – und gilt damit als ein Symbol für Frieden, Versöhnung und kulturellen Austausch.

Die Öresundbrücke verbindet seit 25 Jahren Malmö und Kopenhagen.Bildrechte: picture alliance/dpa | Steffen Trumpf

Auch die Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden ist in der Ausstellung zu sehen und damit eine der bekanntesten großen Brücken Europas. Ihre Errichtung habe dazu geführt, dass viele Menschen den Wohnort gewechselt haben, erklärt Kuratorin und Bauingeneurin Silke Scheerer.

"Die Schweden sind nach Dänemark gezogen, die Dänen sind nach Schweden gezogen, es haben sich enge Verbindungen eingestellt." Man wohne in dem einen Staat und arbeite in dem anderen. "Das hat die Region sehr zusammengebracht und die Wirtschaft beflügelt."

Ein studentischer Brücken-Entwurf mit dem Titel "Grünes Band".Bildrechte: ZfBK - Zentrum für Baukultur Sachsen.

Die Stari Most und die Öresundbrücke sind nur zwei von insgesamt 60 Beispielen der Ausstellung, die zeigen, dass Brücken weitaus mehr sind, als bloße Querungen über Flüsse, Täler oder Schluchten.

Weiterführende Informationen

"Brücken neu denken. Lebensraum, Stadtraum, Freiraum"
Ausstellung im Zentrum für Baukultur Sachsen (im Kulturpalast Dresden)
23. Januar bis 26. Februar 2026

Adresse:
Schloßstraße 2, 01067 Dresden
Eingang über Galeriestraße

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag, 13 bis 18 Uhr
an Feiertagen geschlossen

Eintritt:
frei

Die Beteiligungsworkshops zu den Entwürfen für die neue Carolabrücke beginnen am 18. März 2026.

Quelle: MDR KULTUR (Grit Krause)
Redaktionelle Bearbeitung: tmk, sg, gw

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