Inhalt des Artikels:

  • Abschied
  • Wie alles begann
  • Koalitionspionier
  • Wirtschaftserfolge
  • Krisenmanager Haseloff
  • Staffelstab an Sven Schulze

Abschied

Die letzte Kabinettssitzung mit den Ministern der Deutschlandkoalition ist geprägt von konzentrierter Arbeit. Reiner Haseloff neigt nicht zu Sentimentalitäten. Mit Standing Ovations ist er am Vorabend von seiner CDU auf dem Neujahrsempfang verabschiedet worden – und einem AC/DC-T-Shirt. Die Musik darunter, Highway to hell, sei gemünzt auf neue Abenteuer im Privaten, versichert ein CDU-Kollege.

Haseloff war immer ein Garant, das wissen sie in der CDU. Entsprechend auch die Stimmen an dem Abend: "Ich habe ihn immer als ruhigen, besonnenen Macher kennengelernt… er hat strategisch das Große und Ganze im Blick", sagt Tino Sorge, CDU-Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. Auch die Basis weiß ihn zu schätzen: "Weil er sehr menschlich war und seine christlichen Werte waren immer Teil von ihm und sind in seine politischen Entscheidungen miteingeflossen", so Christina Schwarz vom CDU-Stadtverband Magdeburg über Haseloff.

Auch die politischen Mitbewerber zollen Respekt: "Ein zuverlässiger und erfahrener Politiker mit Anstand und Werten", mit dem er immer gern gestritten und zusammengearbeitet habe, so SPD-Landeschef Andreas Schmidt.

Scheidender MP Reiner Haseloff: Mit dem geschenkten T-Shirt von AC/DC kann der neue Lebensabschnitt beginnen.Bildrechte: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Wie alles begann

Als Reiner Haseloffs Karriere begann, dachte noch keiner an Politik. Der Wittenberger begann auf Anstoß seines Heimatpfarrers, sich zu engagieren. Der gläubige Katholik und studierte Physiker wurde Chef des Arbeitsamtes seiner Heimatstadt. Dort, konfrontiert mit den Sorgen der Menschen und einer Arbeitslosigkeit von de facto über 50 Prozent, lernte Haseloff, wie wichtig eine starke Wirtschaft ist – nicht nur für Wohlstand, sondern letzten Endes für stabile politische Verhältnisse.

In Sachsen-Anhalts CDU steigt er mit seiner Wirtschaftsexpertise schnell auf. Wolfgang Böhmer macht ihn zum Staatssekretär und ab 2006 zum Wirtschaftsminister. Bei der Landtagswahl 2011 führt er seine Partei zum Sieg. Kanzler Friedrich Merz lobte ihn unlängst auf dem Empfang der IHK in Halle:

Sachsen-Anhalt ist eines der, wenn nicht das Aufsteigerland der letzten Jahre. Und das verdanken wir nicht dem Zufall, das ist nicht vom Himmel geregnet, sondern das ist das Ergebnis harter politischer Arbeit, vor allem der Landesregierung, vor allem des Ministerpräsidenten.

Bundeskanzler Friedrich Merz

Koalitionspionier

Und das in verschiedenen Farbkonstellationen: Ab 2011 regiert Schwarz-Rot, 2016 geht er das Wagnis Kenia mit Grünen und SPD ein, ab 2021 die Deutschlandkoalition mit SPD und FDP. Und oft vor dem Hintergrund politischer Verwerfungen und Krisen. So gelang die Ansiedlung des US-Chipherstellers Intel in Magdeburg nicht, der Konzern strauchelt und die USA stellen sich geostrategisch neu auf. Im Solar Valley packen die Firmen ein.

Wirtschaftserfolge

Sachsen-Anhalts Landesregierung gelangen aber andere Investitionen, etwa Daimler Truck in Halberstadt, Avnet in Bernburg sowie das Chemie-Großforschungszentrum CTC, mit dem u.a. der Strukturwandel im Süden des Landes gelingen soll. Zudem wurde das Vergabegesetz überarbeitet, wodurch Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen weniger bürokratische Hürden haben. Schülerinnen und Schüler erhalten außerdem Prämien bei Praktika im Handwerk oder in der Landwirtschaft. Selbstbedienungsläden dürfen nun rund um die Uhr öffnen, vor allem im ländlichen Raum. Bezahlt wird bargeldlos an einer Kasse, an der man die Produkte selbst scannt. Möglich wurde dies durch eine Änderung des Ladenöffnungszeitengesetzes.

Krisenmanager Haseloff

Doch auch als Krisenmanager muss sich Haseloff beweisen. Der studierte Physiker kann den Naturgewalten 2013 nichts entgegensetzen – das Hochwasser von Elbe und Saale richtet Millionenschäden an. Haseloff sorgt für Millionen Fördergelder zum Wiederaufbau. Wenig richten kann er bei der Flüchtlingswelle. Kommunen und Städte erreichen bald die Belastungsgrenze. Der Christ spricht sich für Obergrenzen aus. Die nächste Herausforderung wird die Corona-Pandemie. Die Länder müssen Vorgaben vom Bund umsetzen. Das Ansehen der Landesregierung nimmt dadurch Schaden. Nur eine profitiert davon, das ist die AfD.

Auch eine allgemeine Unzufriedenheit in Deutschland und der nicht eben starke Rückenwind aus Berlin lassen die Umfragewerte der zweitstärksten Fraktion in Sachsen-Anhalts Landtag auf 39 Prozent steigen, die der CDU auf 27 Prozent sinken (laut Infratest dimap-Umfrage im September 2025). Der Mahner Haseloff dazu: "Wenn wir nicht ein Gefühl dafür haben, was eine Mehrheit in der Bevölkerung für richtig befindet, dann werden wir weiter unser blaues Wunder erleben."

Staffelstab an Sven Schulze

Wohl auch deshalb nun der Wechsel in der laufenden Legislatur. Selbst wenn das in etlichen Bundesländern bereits geübte Praxis ist, kreiden ihm Kritiker Taktik an und manche – wie die Linke – ein gebrochenes Wahlversprechen. Die Landes-CDU ist in weiten Teilen aber zufrieden mit dem Wechsel, denn mit dem 25 Jahre jüngeren Schulze kann sie nun mit einem frischen Gesicht, gepaart mit politischer Erfahrung in den Wahlkampf ziehen.

Gefragt, was Reiner Haseloff an seinem ersten freien Tag machen wird, antwortet er, er werde seinen 50. Hochzeitstag vorbereiten. Den feiert er nur vier Tage später mit Ehefrau Gabriele, die als ehemalige Zahnärztin und Kommunalpolitikerin in Wittenberg sich wirklich, frei von Häme, über seinen Rücktritt freuen darf.

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MDR (Sabine Falk-Bartz, Anne Gehn-Zeller) | Erstmals veröffentlicht am 27. Januar 2026

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