Nikotin-Zahnstocher: Welche Gefahren der neue Jugendtrend mit sich bringt
- Die Tabakindustrie bewirbt die Zahnstocher als Aussteiger-Produkt bezeichnet. Doch das Marketing zielt offensichtlich auf junge Menschen.
- Der hohe Nikotin-Anteil in den Zahnstochern stellt für Kinder und Jugendliche eine besonders hohe Gefahr dar.
- In Deutschland sind die Nikotin-Zahnstocher bisher offiziell nicht zugelassen. Nach dem Willen von Gesundheitspolitikern soll das auch so bleiben.
Egal ob TikTok, Instagram oder YouTube – überall sieht man inzwischen Werbung für Zahnstocher mit Geschmack. Der entfaltet sich, wenn man auf den kleinen Holzstäbchen herumkaut. Und die Werbung zeigt Wirkung. Auch auf Schulhöfen sind die Kaugummi-Alternativen angekommen. Zu kaufen gibt es die im Supermarkt in Geschmackssorten wie Pfirsich, Zimt oder Minze.
Nikotin-Zahnstocher im Marketing auf junge Menschen ausgerichtet
Auf diesen Trend ist inzwischen aber auch die Tabak-Industrie aufgesprungen. Die bietet nun auch Nikotin-Zahnstocher mit Geschmack an. Und die sind von den harmlosen Alternativen kaum zu unterscheiden, hat die Suchtmedizinerin Andrea Rabenstein im Deutschlandfunk gesagt: "Es wird von der Industrie oftmals als Ausstiegsprodukt beworben. Es gibt auch einige, die damit versuchen, aufzuhören. Und es kann auch mal im Einzelfall gelingen. Aber im Wesentlichen sind diese neuen Produkte sehr jugendlich ausgerichtet. Die sind mit Mint- und Cola- und Cherry-Geschmack."
Und das spreche Kinder und Jugendliche nicht nur an, sagt Rabenstein, sondern sorge auch dafür, dass die Heranwachsenden diese nikotinhaltigen Produkte konsumieren – obwohl es die in Deutschland bisher nicht zu kaufen gibt: "Nichtsdestotrotz beziehen die die Jugendlichen von den größeren Geschwistern, übers Internet. Es sind tatsächlich überwiegend auch Minderjährige, die die Nikotin-Zahnstocher benutzen."
Nikotin für Kinder und Jugendliche besonders gefährlich
Bis zu sechs Milligramm Nikotin stecken laut Rabenstein in diesen Zahnstochern. Das sei etwa das Dreifache von dem, was man beim Rauchen einer Zigarette aufnimmt. Entsprechend hoch schätzt sie die Suchtgefahr ein: "Nikotin ist ein höchst suchterzeugender Stoff. Wenn ich den an einen jugendlichen, nikotin-naiven Menschen bringe, ist das natürlich eine große Gefahr, dass der auch auf andere Nikotin-Produkte ausweicht und abhängig wird."
Große Sorge äußert auch Tanja Brunnert. Die Kinder- und Jugendärztin ist Sprecherin ihres Berufsverbands und sieht den Konsum von Nikotin-Zahnstochern bei Minderjährigen sehr kritisch: "Das kann zu akuten Symptomen führen, wie eine lokale Reizung der Mundschleimhaut, Herzrasen und auch Atembeschwerden." Aber auch die langfristigen Probleme dürften nicht außer Acht gelassen werden: "Nikotin belastet das Herz-Kreislauf-System, macht hochgradig süchtig und das Krebsrisiko für Kinder und Jugendliche steigt."
Produkt in Deutschland nicht zugelassen
Dass die Nikotin-Zahnstocher in Deutschland nicht gekauft werden können, liegt daran, dass die Produkte hierzulande bisher nicht zugelassen sind.
Die Leipziger Ärztin und Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta von den Grünen, will sich dafür einsetzen, dass das so bleibt: "Gesundheitspolitisch ist das einfach nicht zu begrüßen. Wir haben viel dafür gekämpft, dass die Zahl der Raucherinnen und Raucher zurückgeht. Das ist eine unglaubliche Entlastung, auch für das Gesundheitswesen. Und da wollen wir an der Stelle diesen Erfolg nicht wieder durch die Industrie kaputtmachen lassen."
Damit das gelingt, sagt Piechotta, müssen aber auch Kinder- und Jugendliche noch besser über die Gefahren der Nikotin-Produkte aufgeklärt werden.
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