Wie professionelle Heiratsschwindler im Internet die Liebe vorgaukeln
- Mit Liebesbetrug hat sich im Ausland eine Form des organisierten Verbrechens gebildet. Die Betrüger sind oft selbst Opfer.
- Beim Chatten auf Dating-Plattformen ist gesundes Misstrauen sinnvoll – besonders, wenn es ums Geld geht.
- KI macht es den Betrügern leicht, sogenanntes Love Scamming noch professioneller zu betreiben.
Dating-Apps und Online-Dating – das ist heutzutage für viele völlig normal. Doch es ist Vorsicht geboten, denn hier sind auch moderne Heiratsschwindler unterwegs, im Auftrag des organisierten Verbrechens.
Christopher Kunz vom IT-Magazin Heise Online ordnet die kriminelle Masche ein: "Im Grunde ist man da auf allen Plattformen gefährdet, weil die Betrüger sich sehr breit aufstellen. Und ob das jetzt die populären, häufig aus den USA kommenden großen Apps sind oder kleinere, eher nischige Plattformen – man findet leider überall auch Leute, die betrügen wollen."
Heiratsschwindler oft selbst Opfer der organisierten Kriminalität
Die professionellen Heiratsschwindler sind dabei oft selbst Opfer der Organisierten Kriminalität, sie suchen einen Job, werden dann aber in die Scamfabriken eingesperrt und unter sklavenartigen Lebensbedingungen zum Onlinebetrug gezwungen.
"Ich musste 12 Stunden arbeiten, hatte höchstens fünf bis sechs Stunden Pause. Manchmal musste ich durcharbeiten und wenn ich das gesetzte Ziel nicht erreicht hatte, ließen sie mich nicht mal essen. Ich musste 150 Opfer am Tag erpressen. Das ist sehr viel. Wenn ich das Geld nicht reingebracht hatte, dann sind sie aufgestanden und haben mich mit Holzstöcken geschlagen. Ich wurde gefoltert", berichtete ein ehemaliger Sklavenarbeiter in einem Beitrag der Plattform funk.
Maßnahmen der Behörden meist sinnlos
Die Scamfabriken stehen zum Beispiel in Südostasien, erklärt Kunz: "Tatsächlich werden da auch von den jeweiligen Behörden der Länder teilweise drakonische Strafen verhängt. Da hat es Todesurteile auch schon gegeben. Aber das ist einfach ein sehr lukratives Geschäft und die wachsen andauernd nach. Das heißt, wenn eine von diesen Scamfabriken geschlossen wird, dann schießt woanders eine neue aus dem Boden."
Behörden bekommen das Problem also kaum in den Griff. Umso wichtiger ist es, dass man als Nutzer von Dating-Plattformen nicht auf Betrüger hereinfällt.
Gesundes Misstrauen sinnvoll – besonders bei Geldforderungen
Als potenziell Betroffener helfe es einfach nur, bei romantischen Nachrichten und Matches auf den großen Plattformen immer ein gesundes Misstrauen zu haben – insbesondere, wenn es dann relativ zügig um Geld gehe. Die Plattformen versuchen mit technischen Maßnahmen und Kontrollteams, Betrüger aufzuspüren, deshalb wechseln sie dann häufig zu E-Mails oder Whatsapp, wo eine solche Überwachung nicht stattfindet.
Und die Überwachung einer Datingplattform sei ja am Ende auch nur begrenzt möglich, gibt Kunz zu bedenken: "Da geschehen ja möglicherweise auch Dinge und es werden Sachen besprochen, von denen ich nicht unbedingt möchte, dass der Plattformbetreiber da ständig reinguckt und mitliest."
KI professionalisiert Love Scamming weiter
Früher war schlechtes Deutsch in Liebes-Chats zumindest ein Warnsignal. Doch inzwischen verwenden die Betrüger Künstliche Intelligenz (KI) und können quasi in jeder beliebigen Sprache kommunizieren. KI hilft auch bei der Erstellung persönlicher Profile der Opfer, die oft umfangreich ausgespäht werden.
So passiert es, dass sie tausende oder sogar zehntausende Euro an Menschen zahlen, in die sie sich online verliebt haben, die sie aber eigentlich gar nicht kennen. Christopher Kunz von Heise Online spricht von psychologischen Tricks, mit denen verwundbare Menschen skrupellos belogen werden.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke