"Schreiben, geschrieben", sagt die Lehrerin im Dresdner Institut für Fortbildung betont langsam und deutlich. Es geht um die Vergangenheitsform Partizip Perfekt. 21 Frauen und Männer sitzen im Unterrichtsraum, vor allem Ukrainer, Syrer und Venezolaner. Die meisten hören aufmerksam zu, versuchen zu verstehen, sprechen der Lehrerin nach.

Der Integrationskurs läuft seit Januar. Künftig werden die Kursgebühren in Höhe von 3.500 Euro pro Person für Ukrainer, Geduldete und Asylbewerber im Verfahren nicht mehr übernommen.

Ohne Sprache verschlossene Türen

Die Hälfte der Kursteilnehmer wäre betroffen, sagt Institutsleiter Stefan Richter. "Ich glaube, Sprache ist der große Schlüssel für ganz vieles. Und wenn ich die Sprache nicht erlernen kann, sind mir ganz viele Türen verschlossen." Und das, warnt er, werde negative Auswirkungen auf die Teilnehmenden haben, aber auch auf Wirtschaft und Gesellschaft.

Im Nachbarraum läuft parallel der Sprachkurs für das B2-Zertifikat. Das gilt als Voraussetzung, um eine Ausbildungsstelle oder Arbeit zu finden. Hier lernt auch Mohammed Burak Turan. Der 26-Jährige stammt aus der Türkei, seit zwei Jahren lebt er in Deutschland. 

Wenn man langfristig in Deutschland leben möchte, muss man natürlich die Sprache gut lernen.

Mohammed Burak Turan

Er will so schnell wie möglich eine Ausbildung beginnen, sagt er. Das motiviere ihn, sich beim Deutschlernen reinzuhängen. "Wenn man langfristig in Deutschland leben möchte, muss man natürlich die Sprache gut lernen."

Bamf stoppt Finanzierung

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hatte am Montag über einen Finanzierungsstopp für die Teilnahme an Integrationskursen informiert. Anders als bisher sollen demnach Ausländer ohne gesetzlichen Anspruch nicht zur kostenfreien Teilnahme an einem Kurs zugelassen werden, auch wenn freie Plätze vorhanden sind.

Begründet wurde der Schritt mit den damit verbundenen Einsparungen. Man wolle Möglichkeiten des Zugangs fortan "stärker an den verfügbaren Mitteln im Bundeshaushalt" ausrichten. Der Bundesrechnungshof hatte bereits 2023 bemängelt, dass die Integrationskurse sehr teuer seien und zu geringe Erfolge brächten.

Petra Köpping kritisiert die Sparmaßnahme des Bamf scharf. Bildrechte: picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert

Kritik von Sachsens Sozialministerin Köpping

Die sächsische Sozialministerin Petra Köpping (SPD) kritisierte die Entscheidung des Bamf scharf und nannte sie "nicht nachvollziehbar". Durch die Kurse würden die Teilnehmer den deutschen Alltag und die Sprache kennenlernen. "Das ist die Grundlage für gute Jobs." Mit der Entscheidung würden viele Menschen ausgebremst, die man angesichts des Arbeitskräftemangels dringend brauche - etwa in der Pflege.

Die Sparmaßnahme kommt am Ende teurer, weil die Menschen keine Arbeit finden und in der Grundsicherung bleiben.

Natalija BockUkrainisches Koordinationszentrum Dresden

Natalija Bock vom Ukrainischen Koordinationszentrum Dresden sieht es ähnlich. Sie sagt: "Die Sparmaßnahme kommt am Ende teurer, weil die Menschen keine Arbeit finden und in der Grundsicherung bleiben." Sie ist überzeugt: "Die Menschen wollen arbeiten. Und sie können das nicht ohne die Sprache."

MDR (bdi/jwi)

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