Flächendeckende Doppelbesetzung bei Zugbegleitern wird nicht kommen
- Die EVG fordert mehr Zugbegleiter, besonders auf stark frequentierten und gefährdeten Strecken.
- Doppelbesetzungen scheitern an den hohen Kosten von rund einer Milliarde Euro.
- Lydia Hüskens fordert, dass Zweier-Teams nicht flächendeckend, sondern gezielt auf Problemstrecken eingesetzt werden sollten.
Zwei Zugbegleiter pro Bahnfahrt: Das wird jetzt nicht nur in Baden-Württemberg erprobt, sondern ist in Teilen Mitteldeutschlands bereits Realität. Zum Beispiel in Sachsen-Anhalt. Auf einer ganzen Reihe von Strecken führen bereits Zweier-Teams, sagt Infrastrukturministerin Lydia Hüskens MDR AKTUELL. Sie erklärte, dass auf mehreren Strecken bereits Zweier-Teams eingesetzt werden – insbesondere in Zügen, die stark ausgelastet seien und in denen die Kontrolle durch einzelne Schaffner schwieriger sei.
Gleichzeitig komme der Doppelbesatz auch in Zügen zu Randzeiten zum Einsatz, wenn nur wenige Fahrgäste anwesend sind. "Das stärkt das Sicherheitsgefühl", sagt Hüskens. Ein flächendeckender Einsatz in allen Zügen sei jedoch nicht geplant.
EVG fordert mehr Zugbegleiter
Doch genau das fordert die Eisenbahn-Gewerkschaft EVG. Der Geschäftsführer des Landesverbandes Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Tarek Bannoura, sagt: "Wir haben in Thüringen Verkehrsverträge, die zum Teil nur 30 Prozent Zugbegleit-Quote fordern. Also, dass auf jedem dritten Zug ein Zugbegleiter unterwegs ist. Das ist zu wenig."
Die EVG fordert deshalb laut Bannoura bei der Doppelbesetzung eine Zugbegleit-Quote von an die 200 Prozent: "Vor allem auf den Linien, wo wir wissen, dass Übergriffe häufig stattfinden und ein hohes Reisendenaufkommen zu erwartet ist."
Finanzielle Schwierigkeiten
Auch die Eisenbahnunternehmen selbst suchen nach Lösungen. Die Mitteldeutsche Regiobahn teilte auf MDR AKTUELL-Anfrage mit: Eine Doppelbesetzung mit zwei Zugbegleitern sei grundsätzlich eine mögliche Maßnahme. Allerdings könne man das als Eisenbahnverkehrsunternehmen nicht allein initiieren oder finanzieren.
Und die Finanzierung ist überhaupt das große Thema. Auf der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch sagte Sachsens Regierungschef, Michael Kretschmer, dass eine Doppelbesetzung in allen Zügen bundesweit circa eine Milliarde Euro Mehrkosten bedeuten würde.
Den immensen finanziellen Aufwand sieht auch die Gewerkschaft EVG, aber sie verweist auf die Verantwortung von Politik und Arbeitgebern: "Wir können nicht damit rechnen, dass immer weitere Kollegen und Kolleginnen gegebenenfalls auf der Arbeit umkommen, nur weil die Länder und der Bund nicht bereit sind, mehr Geld zu investieren." Deswegen benötige es die finanziellen Ressourcen.
Zielgenauer Einsatz von Zweier-Teams
Geld ist nicht der einzige Knackpunkt. Für einen zweiten Zugbegleiter würde man laut EVG bundesweit 3.000 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen. Dieses Personal zu finden, sei ein großes Problem, so Sachsen-Anhalts Infrastrukturministerin Lydia Hüskens.
Einem flächendeckenden Einsatz von Zweier-Teams erteilte sie deshalb eine Absage: "Meine Haltung zu Zweier-Teams ist grundsätzlich positiv." Allerdings braucht es diese laut Hüskens nicht überall, sondern zielgenau. Die Bahnunternehmen wüssten gut, auf welchen Strecken es Probleme gibt: "Da sollten wir zuerst auch reagieren, für die entsprechende Sicherheit sorgen und auch andere Maßnahmen nutzen, um insgesamt ein rundes Paket zu schnüren."
Und über dieses Paket soll bei der Verkehrsministerkonferenz in gut zwei Wochen gesprochen werden.
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