• In Gotha ist bis zum 3. Mai 2026 die DDR-Ausstellung "Vom Zeigen und Beobachten" zu sehen.
  • Sie zeigt einerseits Propagandabilder, wie die DDR gesehen werden wollte, ...
  • ... und auf der anderen Seite bis zur Wende geheime Fotografien der Statssicherheit (Stasi).

Eine Ausstellung, zwei Blickwinkel – das macht schon das Plakat deutlich: Hier wird ein Land in zwei sehr unterschiedlichen Sichtweisen abgebildet. Die neue DDR-Ausstellung "Vom Zeigen und Beobachten" will diesen Gegensatz zeigen, erklärt Kurator Thomas Wolf im Gespräch mit MDR KULTUR: zwischen der Außenansicht und den Sehnsüchten, die das Land projiziert habe und den dokumentarischen Tatortfotos. Das sei auch eine Herausforderung gewesen.

Das Ausstellungsplakat zeigt bereits die zwei Blickwinkel, aus denen in Gotha auf die DDR geschaut wird.Bildrechte: Thomas Wolf

So wollte die DDR gesehen werden

Die Ausstellung erstreckt sich nun über zwei Etagen. Im ersten Stock ist die offizielle Lesart der DDR versammelt. Der Gothaer Sammler Karsten Wiecha präsentiert Propagandabroschüren, Werbefotos, und Ausstellungskataloge. Bunt und fröhlich geht es auf dieser Etage zu. Zu entdecken sind etwa Fotos aus Warenkatalogen. Fröhliche Models präsentieren da die neueste Mode der 60er- und 70er-Jahre. "Was eben ganz interessant ist auch im Kontext, wenn man die Bilder der Damen anschaut – die sind ja alle relativ schick. Aber DDR-typisch posiert die Dame dann vor dem Mähdrescher."

So strahlend präsentierte sich die DDR gerne nach außen.Bildrechte: Thomas Wolf

Auf dieser Etage gerät man immer wieder ins Schmunzeln – etwa wenn in einem Bildband der Abschnittsbevollmächtigte ganz entspannt am Strand mit Urlaubern in Bikini und Badehose plaudert. Oder wenn eine Dame vor einem opulenten Meeresfrüchte-Büffet sitzt – von Mangel keine Spur. Viele dieser Bilder dienten der Außenwahrnehmung. So wollte die DDR gesehen werden.

Die untere Etage der Erfurter Kunsthalle ist der bunten Scheinwelt der DDR-Werbeplakate gewidmet.Bildrechte: Thomas Wolf

Ausstellung in Gotha zeigt auch Stasi-Fotografien

Eine Etage weiter oben im Kunstforum dann aber der Blick auf diesen Staat, der bis zur Wende streng geheim bleiben musste. Der Leipziger Fotograf Jens Klein zeigt drei Arbeiten, die aus den Unmengen an Fotografien besteht, die die Staatssicherheit anfertigte. Eine beschäftigt sich mit Ballons – wie auch auf dem Ausstellungsplakat abgebildet.

Für mehrere Projekte recherchierte der Leipziger Foto-Künstler Jens Klein in den Stasi-Archiven.Bildrechte: Thomas Wolf

"Das sind Bilder von Ballons, die mit dem Bau der Mauer von der BRD in die DDR geschickt wurden", erinnert der Kurator Wolf. "Immer wenn der Wind in die richtige Richtung geweht hat, wurden die gestartet. Und an diesen Ballons hingen immer Pakete mit Flugblättern. Die sind bis nach Leipzig geflogen. Und so sind dann im Laufe von zehn, zwölf Jahren mehrere Tausend Tonnen Papier von West nach Ost geschickt worden."

Schwarz-Weiß-Fotos als Kontrast zur DDR-Propaganda

Es sind nüchterne Schwarz-Weiß-Fotos, die auf dieser oberen Etage zu sehen sind. Durchaus ein Schock für das Ausstellungspublikum, das unten doch erst durch die poppig-bunten Propagandabilder eingelullt worden ist. Für Kurator Thomas Wolf hat sich deswegen auch nie die Frage gestellt, die Fotos direkt nebeneinander zu hängen. Es brauche diese eine Treppe Abstand. "Das wäre mir zu plakativ gewesen." Die künstlerische Arbeit von Jens Klein sei formal abgeschlossen und bereits im Folkwang-Museum in Essen, in der Pinakothek in München und anderen namhaften Museen gezeigt worden.

So stehen die beiden Sichtweisen jeweils für sich – für heftigen Gefühlstaumel beim Publikum werden sie wohl dennoch sorgen. Dieses Land, das es nicht mehr gibt, lässt sich einfach nicht auf einen Nenner bringen.

Kurator Thomas Wolf und Sammler Karsten Wiecha in der Ausstellung "Vom Zeigen und Beobachten" in Gotha.Bildrechte: Mareike Wiemann/MDR

Informationen zur Ausstellung:

"Vom Zeigen und Beobachten"
bis 3. Mai 2026

Adresse:
Kunstforum Gotha
Querstraße 13-15
99867 Gotha

Öffnungszeiten:
Donnerstag bis Samstag, von 14 bis 18 Uhr
feiertags geschlossen

Eintritt:
5 Euro, ermäßigt: 3 Euro
Für Kinder bis 14 Jahre ist der Eintritt frei.

redaktionelle Bearbeitung: sg

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