Hohenmölsen: Wie ein Ort seine Kinder auf den Strukturwandel vorbereitet
- Erzieherinnen aus Hohenmölsen wissen, dass der Strukturwandel auch an Kindern nicht spurlos vorbeigeht.
- Eine Bildungsinitiative soll deshalb dafür sorgen, dass die Kinder in dem mitteldeutschen Revier besser mit Veränderungen klarkommen.
- Für die Kinder ein Highlight der bisherigen Veränderungen: die entstehenden Tagebauseen.
Bei der Frage danach, ob sie denn wissen, warum Kohle in einem Kraftwerk verbrannt wird, zeigten die Grundschulkinder aus Hohenmölsen, dass sie durchaus Ahnung haben von dem, was da in ihrer Heimat passiert. "Weil daraus Strom erzeugt wird", sagte eines.
Doch nicht nur das: auch der Umweltschäden und welche Alternativen es deshalb gibt, sind sich die Kinder durchaus bewusst. "Dass mehr Windräder und alles gebaut wird, dass die Natur nicht so verletzt wird", erklärt ein anderes. Der Strukturwandel, dass es mit der Kohle vorbeigeht, ist für die Kinder aus Hohenmölsen im Burgenlandkreis im Süden Sachsen-Anhalts nichts Neues.
Dass Windräder besser für die Umwelt sind als Braunkohle, verstehen die Kinder in Hohenmölsen bereits.Bildrechte: MDR/Isabel TheisDie [Kinder] nehmen das schon sehr bewusst wahr, diese Veränderung (...) und halt wirklich diese Brüche in den Familien.
Dass der Wandel mit Brüchen verbunden ist, merkt auch Sandy Förster, wenn sie mit den Kindern spricht. Sie ist Hortleiterin der Grundschule in Hohenmölsen: "Nahezu jedes Kind kennt jemanden, der irgendwas mit Tagebau zu tun hatte oder hat, und die nehmen das dann ja schon sehr bewusst wahr auch diese Veränderung (…) und halt wirklich diese Brüche in den Familien. Wo dann halt auch der Opa erzählt, der ist vielleicht noch auf den Baggern gefahren (…) oder es wird jetzt halt anders und das erleben die Kinder schon sehr bewusst mit."
Fünf Millionen Euro für die "Initiative Zukunftsbildung"
Seit Oktober belebt ein neuer Mieter die Innenstadt des Städtchens im mitteldeutschen Revier. Mit einem neunköpfigen Team, darunter sechs Bildungsforscherinnen, will die "Initiative Zukunftsbildung" Kitas und Schulen so weiterentwickeln, dass Kinder die Welt im Wandel nicht als Bedrohung wahrnehmen. Bürgermeister Andy Haugk freut sich über den Neuzugang: "Wir sind froh, dass wir jetzt hier in dem Objekt wieder so hochwertige Mieter haben."
Knapp fünf Millionen Euro Fördermittel fließen in den kommenden fünf Jahren in den Standort. Das Geld kommt größtenteils vom Bund – aus einem Fördertopf, der den verbliebenen deutschen Revieren helfen soll, in eine Zukunft ohne Kohle zu starten.
Michael Fritz, Gründer und Geschäftsführer der "Initiative Zukunftsbildung", findet, dass das neue Reallabor hier genau richtig ist. "Die 'Initiative Zukunftsbildung' fragt sich ja, wie muss Bildung sein, die Kinder stark macht für einen konstruktiven Umgang mit Veränderung." Gerade in Braunkohlegebieten erlebten Menschen Veränderung und Wandel auf besonders intensive Art, meint der Bildungsforscher.
Veränderung erleben Menschen gerade in Braunkohlegebieten ja auf ganz besonders intensive Art.
Manche Kinder wüchsen in einer Umgebung auf, wo Eltern diesen Wandel als Belastung, Bedrohung bewerteten, sagt Firtz. "Wenn das der einzige Einfluss ist, den die Kinder haben, ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sie dann, wenn sie 30, 40, 50 sind, sagen: Wandel ist toll."
Es brauche Bildungseinrichtungen, in denen ein anderes Bild des Wandels vermittelt werde. Der "Initiative Zukunftsbildung" dürfte dabei eine Freizeitattraktion in die Karte spielen: der Mondsee, der nächstgelegene Tagebausee. Die Kinder bestätigen die Attraktivität des Sees, denn sie nutzten ihn vielfältig: zum Baden, Sandburgenbauen, Hunde-Gassi und Schlittschuhlaufen im Winter.
Da hat Bürgermeister Andy Haugk gute Nachrichten: "Wir haben eigentlich zwei, sogar fast drei, noch ganz große Tagebaulöcher. Und das werden dann riesige Seen. Und der eine heißt dann Schwerzauer See und der Schwerzauer See ist dann zehnmal so groß wie der Mondsee. "Wow!" – Glänzende Kinderaugen. Und der Grundstein für eine positive Erzählung vom Wandel, er ist gelegt.
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