• Die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer kritisiert die Honorarkürzungen, weil diese die Zukunft des Berufs gefährdeten.
  • Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Stefan Schwartze, sieht die Honorarkürzung vor allem durch die finanzielle Lage der Krankenkassen bedingt.
  • Die Psychotherapeutenkammer warnt, dass Honorarkürzungen zu längeren Wartezeiten auf einen Therapieplatz führen könnten.

Gregor Peikert nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Präsident der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer spricht von einem katastrophalen Signal. Er kritisierte gegenüber MDR AKTUELL, dass der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) es offenbar für angemessen halte, diese Leistungen abzuwerten.

Damit sendet der Verband aus Peikerts Sicht ein fatales Signal – sowohl hinsichtlich der Wertschätzung der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen als auch bezüglich der Zukunftsaussichten einer freiberuflichen Tätigkeit als niedergelassene Psychotherapeutin, die er als sehr unsicher einschätze.

Keine Verbesserung der Versorgung

Ursprünglich wollten die Krankenkassen die Honorare um 10 Prozent absenken, denn – so die Begründung der GKV – die Therapeuten hätten in den vergangenen Jahren überproportionale Honorarerhöhungen erhalten: seit 2013 im Durchschnitt 52 Prozent mehr.

Gleichzeitig habe sich die Versorgungslage nicht gebessert, teilte der GKV in einem Statement mit: "Obwohl die Anzahl der Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen stetig steigt und sich die Leistungsmenge ausweitet, erkennen wir keine verbesserte Versorgung oder verkürzte Wartezeiten."

Mehr Geld für psychotherapeutische Versorgung

Die Krankenkassen hätten in den vergangenen Jahren mehr als 500 Millionen Euro zusätzlich für die psychotherapeutische Versorgung bereitgestellt, inzwischen insgesamt 4,6 Milliarden Euro pro Jahr.

Und bei den Ausgaben sieht der gesundheitspolitische Sprecher der SPD Stefan Schwartze den eigentlichen Grund der Honorarkürzung: "Die Versorgungssicherheit kann bei dieser Entscheidung keine Rolle gespielt haben, sonst wäre sie so nicht zustande gekommen."

Die Maßnahme lasse sich seiner Einschätzung nach vielmehr durch die finanzielle Lage der Krankenkassen erklären, vermutet Schwartze. Daher sei nun das Bundesgesundheitsministerium gefordert, Vorschläge zur Verbesserung dieser Situation zu entwickeln. Er zeigte sich zudem gespannt auf die Empfehlungen der Kommission, die von Nina Warken eingesetzt wurde und die sich grundlegend mit den Finanzierungsproblemen der Krankenkassen befassen soll.

Längere Therapieplatzsuche

Verbände wie die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung prüfen derzeit rechtliche Möglichkeiten gegen den Beschluss. Psychotherapie sei kein Kostenfaktor, teilte die Vereinigung mit.

Als langfristige Folge der Honorarkürzung befürchtet die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer, dass Betroffene noch länger auf einen Therapieplatz warten müssen, weil Therapeuten die Zahl an Therapiestunden für gesetzlich Versicherte reduzieren, um anderweitig Geld zu verdienen. 

Gegen die Honorarkürzung wurde eine Petition gestartet, zudem gibt es seit dem Wochenende bundesweite Proteste. Nächste Aktionen waren oder sind Ende März unter anderem auch in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau und Magdeburg geplant.

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