• Airlines sehen derzeit keine Probleme bei der Treibstoffversorgung.
  • Ein Luftfahrtexperte warnt dennoch vor möglichen Engpässen im Sommer.
  • Für Reisende sind Entschädigungen nicht in jedem Fall garantiert.

Airlines sehen keine Versorgungsprobleme

MDR AKTUELL hat große Fluggesellschaften angefragt – darunter Ryanair, Easyjet oder Eurowings. Easyjet teilte schriftlich mit: Die Flüge liefen normal, Probleme bei der Treibstoffversorgung sehe man aktuell nicht. Für den Sommer habe sich das Unternehmen rund 70 Prozent des Kerosins zu festen Preisen gesichert.

Auch Eurowings verweist auf solche Absicherungen – nennt aber keine Details. Die niederländische Fluggesellschaft KLM wiederum erklärt: "KLM hat für den kommenden Monat eine Reihe von Anpassungen an ihrem Flugplan vorgenommen. Eine begrenzte Anzahl von Flügen innerhalb Europas sind derzeit aufgrund steigender Kerosinkosten wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Es werden 80 Hin- und Rückflüge von und nach Schiphol weniger durchgeführt. Betroffene Passagiere werden umgebucht. Es besteht kein Kerosinmangel."

Luftfahrtexperte warnt vor Engpässen

Weniger entspannt klingt Heinrich Großbongardt. Der Luftfahrtexperte hatte im Interview bei MDR AKTUELL zur Treibstoffkrise drastischere Worte gefunden: "Die wird uns ganz heftig treffen. Wir kriegen ungefähr ein Drittel unseres Kerosins vom persischen Golf. Und in der Sommersaison – also im Juni und Juli, wenn besonders viele Menschen fliegen – brauchen wir von da unten pro Tag rund 100.000 Tonnen. Das ist richtig viel, das entspricht der Spritmenge von 20.000 Flügen zwischen Frankfurt und Palma de Mallorca." Im Notfall, betont Großbongardt, könnte Fracht sogar Vorrang bekommen – etwa Medikamente oder wichtige Elektronik.

Verbraucherzentrale: Entschädigungen nicht in jedem Fall garantiert

Was heißt das für Reisende? Micaela Schwanenberg von der Verbraucherzentrale Sachsen sagt: Entschädigungen seien nicht garantiert. Entscheidend ist, ob sogenannte außergewöhnliche Umstände vorliegen. "Es kann schon durchaus möglich sein, dass die Kerosinkrise als außergewöhnlicher Umstand, etwas Unvermeidbares, zu qualifizieren ist."

Darauf können sich Fluggesellschaften berufen, aber: "Es wird sich immer die Frage stellen müssen: Haben Fluggesellschaften alles Zumutbare getan, um den Versorgungsengpass zu vermeiden? Also, man hätte sich ja, als günstigere Preise vorhanden waren, bevorraten können."

Betroffene sollten deshalb unbedingt ihre Reisen prüfen lassen, betont Schwanenberg. Bei Pauschalreisen gilt außerdem: Veranstalter dürfen Preise unter bestimmten Bedingungen nachträglich erhöhen – allerdings nur bis zu acht Prozent.

Folgen für Autoreisende

Doch wie sieht es für Urlauber aus, die mit dem Auto fahren wollen? Neben den hohen Spritkosten kommt für Dieselfahrer noch "AdBlue" dazu – ein Zusatzstoff, der für die Abgasreinigung gebraucht wird und in der Herstellung viel Energie erfordert.

Aktuell gibt es hier aber Entwarnung. Christopher Profitlich von den Stickstoffwerken Piesteritz in Sachsen-Anhalt, die AdBlue herstellen: "Vom Prinzip her ist die AdBlue-Produktion bei uns momentan stabil, da gibt es keine Einschränkungen. Was in den kommenden Monaten sein wird, das mag ich nicht mal im Ansatz prognostizieren. Da gibt es so viele Irrungen und Wirrungen in der Weltpolitik. Kann man schwer einschätzen."

Für viele Urlauber heißt es also: Daumen drücken, dass aus den Plänen am Ende auch wirklich ein Sommerurlaub wird.

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