Lieferengpässe bei Einweghandschuhen und Chemikalien
- Auswirkungen der Hormus-Blockade: Ein Medizintechnik-Großhändler muss mit Lieferanten kürzere Vertragslaufzeiten aushandeln.
- Die Preise von Produkten und Rohstoffen steigen – das bemerken etwa Kliniken und Unternehmen der Chemiebranche.
- Der Chemiepark Leuna berichtet, dass Schwefel auf dem Weltmarkt knapp und teuer wird. Dadurch sinke teilweise die Auslastung.
Matthias Voth macht sich Sorgen um Einweghandschuhe – aber auch um andere Produkte, die in Krankenhäusern tagtäglich gebraucht werden. Sie könnten bald knapp werden. Der Geschäftsführer des Harzklinikums mit seinen Standorten in Quedlinburg, Wernigerode und Blankenburg erzählt, es sei aktuell deutlich schwieriger, Einmalhandschuhe verbindlich zu bestellen. Und die sind essenziell im Klinikalltag – nicht nur im OP.
Voth macht deutlich: "Wenn die Dinger aus sind und wenn die Diskussion darüber beginnt, dass sie knapp werden, dann – das kennen wir aus Corona – wird irgendwo gehortet, dann wird’s erst recht knapp." Es bedürfe strategischer Planung und des Hinweises, dass das zum Thema werde.
Lieferanten handeln kürzere Verträge aus
Damit es in der zweiten Jahreshälfte keine Mangelsituation gebe, müsse man jetzt gegensteuern, fordert Voth, insbesondere auf Bundesebene. Sorgen macht sich auch Michael Koch vom Großhändler "Medika Medizintechnik". Der beliefert viele Krankenhäuser, auch in Mitteldeutschland. Neben Handschuhen geht es um Kanülen, Kittel, OP-Abdeckungen, Schläuche – also Kunststoff- und Plastikprodukte, für deren Herstellung es Rohöl oder Gas braucht.
Das wiederum hängt am persischen Golf fest und fehlt Produzenten in Asien, bei denen Koch bestellt: "Normalerweise geben wir Bestellungen für fünf bis sechs Monate im Voraus auf, sodass die Lieferanten planen und produzieren können." Diese akzeptierten momentan maximal drei, vier Monate, um sich dann Rohstoffe zu bestimmten Preisen beschaffen zu können. "Und danach wird wieder neu verhandelt", ergänzt Koch.
Sorgen um steigende Produkt- und Rohstoffpreise
Außer bei Einweghandschuhen macht Koch sich momentan keine Sorgen, nicht mehr liefern zu können. Nur die Preise steigen. Das spürt auch die chemische Industrie, bestätigt Alexander Hoeckle vom Außenhandelsverband BGA. Dadurch, dass Schiffe die Straße von Hormus nicht befahren können, werden die Rohstoffe knapper. Iran sei zum Beispiel der zweitgrößte Methanol-Exporteur der Welt, insbesondere China importiert es.
Hoeckle erklärt, die Produkte, die mit Methanol entstehen, könnten dann in drei bis sechs Monaten bei uns knapp werden: Betroffen seien "Folien, Klebstoffteile, Schäume, vielleicht teilweise Kraftstoffelemente." Bestimmte chemische Vorprodukte würden weniger gut verfügbar – "was dann wiederum bei uns dafür sorgen kann, dass wir Preissteigerungen haben oder dass gewisse Produkte schlicht nicht mehr verfügbar sind, weil auch unsere Produzenten ihre Vorprodukte nicht mehr beziehen können."
Chemiepark Leuna: Schwefel wird knapp und teuer
Auch im Chemiepark Leuna sind erste Auswirkungen des Iran-Konflikts schon zu spüren, bestätigt Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna. "Wir sehen, dass Chemierohstoffe knapp und teuer geworden sind. Schwefel ist da ein Beispiel, weil ungefähr die Hälfte des weltweit gehandelten Schwefels über die Straße von Hormus kommt. Schwefel ist ein wichtiger Rohstoff, den wir hier verarbeiten in der Chemischen Industrie." Günther ergänzt, am Standort Leuna könnten Anlagen in einzelnen Fällen nicht ausgelastet und die Nachfrage der Kunden nicht bedient werden.
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