• Viele Menschen müssen ihre Rente aufstocken; und je mehr die Mieten steigen, umso mehr belasten sie knappe Budgets. So entsteht Wohnarmut.
  • Einer Studie des Pestel-Instituts zufolge werden 40 Prozent der geburtenstarken Jahrgänge von Wohnarmut betroffen sein.
  • IG-Bau Bundesvorstand Christan Beck sagt, es braucht mehr Investitionen in den sozialen Wohnungsbau.

Auf der Zwickauer Straße in Chemnitz, nicht weit vom Stadtzentrum entfernt, befindet sich die Ausgabestelle der Chemnitzer Tafel. Sie hat mehrmals pro Woche geöffnet und verteilt kostenlos Lebensmittel an Bedürftige; Obst, Gemüse, Käse, Joghurt, Wurst, Brot und auch Genussmittel wie Schokolade.

Der Geschäftsführerin der Tafel, Anja Rahn, zufolge sind unter den pro Woche rund 500 Haushalten Arbeitslose, Migranten und zunehmend auch Rentner. "Wir spüren einen Anstieg an Nachfragen von Menschen, die gerade in Rente gegangen sind, und hören auch immer wieder Aussagen wie 'Wir kommen mit unserer Grundsicherung nicht aus' oder 'Wir brauchen eure Hilfe'."

Mehr als 2.900 bekommen Grundsicherung in Chemnitz

Grundsicherung bekommen Rentner, wenn ihre Rente nicht ausreicht, um den notwendigen Lebensunterhalt decken zu können. Hier gilt die Grenze von monatlich 1.100 Euro. Wer weniger bekommt, kann einen Antrag beim Sozialamt stellen und mit Grundsicherung "aufstocken", wie es dann heißt.

Die Stadt Chemnitz teilt dazu schriftlich auf Anfrage mit: "Zum 31. März 2026 erhielten 2.929 Personen Grundsicherung. Diese Zahl beinhaltet Altersrentner sowie Personen, die dauerhaft voll erwerbsgemindert sind. Eine getrennte Erfassung nach Altersrentnern und dauerhaft voll Erwerbsgeminderten erfolgt nicht, aber 2.010 Personen sind älter als 65 Jahre."

Es zeigt sich also, dass die meisten Menschen, die in Chemnitz Grundsicherung erhalten, im Rentenalter sind. Die Grundsicherung umfasst neben Geld für Lebensmittel auch Kosten für Miete, Strom und Heizung.

Studie: 40 Prozent der Babyboomer wird Wohnarmut betreffen

Chemnitz ist ein Beispiel für eine deutschlandweite Entwicklung. Eine Studie des Pestel-Instituts, das Kommunen und Verbände berät, sagt voraus, dass 40 Prozent der geburtenstarken Jahrgänge, die in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen, von Wohnarmut betroffen sein werden. Soll heißen, ein Großteil der Rente geht für Miete drauf. In Auftrag gegeben hat die Studie die IG Bau.

Christian Beck vom Bundesvorstand erklärt: "Wir organisieren Gruppen von Beschäftigten, die ihr Leben lang hart arbeiten; ob's in der Forstwirtschaft ist, auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder in der Gebäudereinigung. Und das sind natürlich auch Bereiche, wo wir wissen, dass es eben nicht immer für alle für auskömmliche Renten reicht, gerade dann, wenn sie zum Mindestlohn gearbeitet haben."

Beck: Brauchen bezahlbaren und sozialen Wohnungsbau

Dabei sei Wohnen ein grundsätzliches Thema, so Beck, denn unabhängig vom Alter müssten Menschen in Wohnungen leben können, die sie nicht arm machten. In einer Zeit, in der Mieten und sonstige Kosten steigen, sieht die IG Bau den sozialen Frieden gefährdet. Hier sei die Bundesregierung gefragt, sagt Gewerkschafter Beck. Es brauche zwei Maßnahmenpakete.

Aus unserer Sicht geht das nur, indem mehr gebaut wird. Dass vor allem im bezahlbaren und sozialen Wohnungsbau mehr investiert wird.

Christian Beck, IG-Bau Bundesvorstand

"Das eine bezieht sich auf die Frage, wie können wir die Mieten dauerhaft bezahlbar halten? Aus unserer Sicht geht das nur, indem einfach mehr gebaut wird. Dass vor allem im bezahlbaren und sozialen Wohnungsbau mehr investiert wird", betont der Gewerkschafter. "Und das zweite ist, dass wir definitiv sicherstellen müssen, dass jetzt bei der Rentenkommission keine Kürzungskommission rauskommt, sondern dass wir ein stabiles, sogar höheres Rentenniveau haben."

Das heiße auch, sagt Christian Beck, dass die Altersgrenze nicht weiter nach oben geschraubt werde, denn schon jetzt gebe es Berufe, die nicht bis 67 arbeiten könnten, weil sie vorher körperlich schon platt seien.

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