Mieter wehren sich gegen Rechnungen der Vonovia
Inhalt des Artikels:
- Dresdnerin wehrt sich gegen Mieterhöhungen für alte Dämmung und nicht gepflegte Grünfläche
- Leipziger werden nach Wärmemengenzähler abgerechnet, den es nicht gibt
- Magdeburger sollen für Hightech-Rauchmelder mehr bezahlen
- Und das sagt die Vonovia zu den genannten Beispielen ...
Dresdnerin wehrt sich gegen Mieterhöhungen für alte Dämmung und nicht gepflegte Grünfläche
Karin Nossol ist eine von Hunderten Mietern und Mieterinnen, die eine Mieterhöhung der Vonovia nicht hinnehmen wollte. Ihr Hinterhof, an dem seit Jahren nichts gemacht wurde, außer noch die Bänke wegzuräumen, wurde nun mit seiner nicht einladenden und auch noch öffentlich zugänglichen Grünfläche als Wohnwert erhöhend eingestuft. "Sie sehen hier ganz viel Wiese und Dreck. Gepflegt wird hier seit Jahren nichts mehr", erklärt sie dem MDR-Magazin Umschau. "Die Vonovia berechnet uns Betriebskosten für die Pflege und den Erhalt. Pflege passiert nicht, Erhalt passiert nicht. Natürlich wird man sauer und man fühlt sich ausgenutzt", sagt sie weiter.
Als Grund für die Mieterhöhung wurde auch eine Dämmung im Keller angeführt, die bereits vor mehr als 25 Jahren dort angebracht wurde und ihre darüber liegende Wohnung vor Bodenkälte schützen sollte. Doch davon merkt sie nichts. "Da ist die Decke etwas abgedeckt worden. Eine Wärmedämmung soll vielleicht mehr Wärme bringen oder Kälte verhindern. Das tut es nicht", so Nossol.
Wegen der Dämmung und dem Hinterhof wollte die Vonovia letztes Jahr im April die Miete von Karin Nossol erhöhen, von 669 auf 705 Euro – also gut 35 Euro mehr. Für die Rentnerin eine Unverschämtheit. "Es wird hier nichts gemacht. Es wird nichts investiert, aber es wird berechnet und das ist nicht in Ordnung", sagt sie. Das wollte sich Karin Nossol nicht gefallen lassen, sie recherchierte und fand heraus: Uralt-Dämmungen rechtfertigen wohl keine Miet-Erhöhung, öffentlich zugängliche Grünflächen auch nicht. Sie weigerte sich, mehr Miete zu zahlen. Im Juli letzten Jahres schickte ihr Vonovia eine Klage. "Wir haben damit gerechnet, dass so etwas passiert. Die Vonovia kämpft mit allen Mitteln und nicht immer mit fairen Mitteln. Also uns war klar, dass da was passiert", sagt sie.
Es wird hier nichts gemacht. Es wird nichts investiert, aber es wird berechnet und das ist nicht in Ordnung.
Karin Nossol hat eine Rechtsschutzversicherung und beauftragte einen Anwalt. Ergebnis: Die Klage der Vonovia wird weitgehend abgewiesen. Nur eine Mini-Erhöhung von 3,33 Euro ist zulässig – wegen eines Roll-Ladens, den sie auch schon seit Jahren am Fenster hat. Aber sie ist zufrieden. "Das fühlt sich gut an", erklärt die Dresdnerin.
Tausenden Mietern wollte Vonovia in Dresden seit Januar 2025 die Miete erhöhen. Laut Amtsgericht hat der Konzern 900 Klagen eingereicht. In etwa 500 davon hat das Gericht geurteilt. "Das Amtsgericht zittert nicht vor der Vonovia, im Gegenteil. Wir haben Stand jetzt erfahren, dass alle Mitglieder, die von der Vonovia wegen der Mieterhöhung verklagt wurden, vor dem Amtsgericht Dresden gewonnen haben", sagt Florian Bau vom Mieterverein Dresden. Doch die Mehrheit der Mieter hat einen Rechtsstreit gescheut — und die Mieterhöhungen akzeptiert.
Leipziger werden nach Wärmemengenzähler abgerechnet, den es nicht gibt
In einer Wohnanlage im Osten von Leipzig hat Mieter Johannes Böhm nach dem Wärmemengen-Zähler gesucht. Die Zähler sorgen eigentlich dafür, dass Mieter verbrauchsabhängige Abrechnungen für Heizung und Warm-Wasser bekommen. Seit 2014 sind sie gesetzlich vorgeschrieben.
Doch im Wohnhaus von Johannes Böhm gibt es gar keinen Wärmemengen-Zähler. Dann hätte er die Heizkosten um 15 Prozent kürzen können. Doch erst vier Jahre nach seinem Einzug, nämlich 2024, fiel ihm auf, dass der Zähler fehlt. Er hätte die berechneten Heizkosten seither um insgesamt 600 Euro mindern können. "Das fühlt sich natürlich mehr als bescheiden an", sagt er dem MDR-Magazin Umschau. Als er eingezogen war, war er noch Student. Von den 600 Euro hätte er auch gerne einen Kurztripp gemacht. "Ein Urlaub, den man mal hätte machen können, der jetzt quasi an Vonovia geflossen ist", so Böhme.
Noch enttäuschter ist Tanja Mohr. Sie hatte bei Vonovia wegen des Zählers nachgefragt. Die Antwort des Konzerns war, dass die Heizkostenabrechnung 2024 mit einem Wärmemengen-Zähler abgerechnet wurde. Das stimmt nicht, wie Vonovia inzwischen eingeräumt hat. "Klar kann mal ein Fehler passieren, aber in dem Fall wurde mir ja schon eine Falschinformation aufgetischt. Ich habe ja konkret nachgefragt und nicht die richtige Information erhalten", so Tanja Mohr.
Klar kann mal ein Fehler passieren, aber in dem Fall wurde mir ja schon eine Falschinformation aufgetischt.
Mehr als 100 Mieter wohnen in der Anlage. Die meisten Mieter wussten nicht, dass der Zähler fehlt und sie ihre Heizkosten über Jahre hätten kürzen können. Viele wehren sich jetzt und legen Widerspruch ein. Bisher hat Vonovia in Leipzig 45.000 Euro Heizkosten zurückgezahlt. Und weitere Widersprüche laufen.
Magdeburger sollen für Hightech-Rauchmelder mehr bezahlen
Das Ehepaar Kotschota wohnt in einem Wohnhaus der Vonovia in Magdeburg. Die Wohnung ist — wie vorgeschrieben — mit Rauchmeldern ausgestattet. Die will die Vonovia jetzt erneuern, aber nicht mit normalen Modellen, sondern der Hightech-Variante Multisensor Plus. Was dieser alles kann? Raucherkennung, Hitze- Erkennung, Temperatur messen, CO2, Lüftungsempfehlung. "Wir haben schon gesagt, das brauchen wir nicht", erklärt Herr Kotschota gegenüber dem MDR-Magazin Umschau.
Doch ob die Kotschotas die Hightech-Variante wollen, interessiert die Vonovia nicht. Rauchmelder müssen alle zehn Jahre ausgetauscht werden, eigentlich auf Kosten des Vermieters. "Die Vonovia versucht hier im Grunde Kosten, die sie eigentlich tragen müsste, auf die Mieter umzulegen", sagt Zakaria Said vom Mieterverein Magdeburg dazu.
"Gut ist erstmal, dass man sich dagegen wehrt. Wenn man nichts sagt, dann passiert auch nichts", sagt Zakaria Said vom Mieterverein Magdeburg.Bildrechte: MDR/UmschauDurch diese vermeintliche Modernisierung soll sich die Miete nach dem Einbau um 4,31 Euro pro Monat erhöhen. Ein Mini-Betrag, doch den Kotschotas geht es ums Prinzip. Sie haben dem Einbau der kostenpflichtigen Hightech-Rauchmelder widersprochen. "Gut ist erstmal, dass man sich dagegen wehrt. Wenn man nichts sagt, dann passiert auch nichts. Und die Vonovia hat dann leichtes Spiel. Die Vonovia setzt natürlich darauf, die Leute mürbe zu machen. Ja, Sie werden Mahnungen bekommen, wo dann drin steht: Zahlen sie uns die 4,31 Euro", erklärt Said. "Dann wird man Sie mit Mahnkosten behelligen, dann wird man Druck machen. Bleiben Sie standhaft", rät er der Familie Kotschotas.
Die Vonovia ist der größte Wohnungs-Konzern Deutschlands
Vonovia ist der größte Wohnungs-Konzern Deutschlands mit mehr als 500.000 Wohnungen und einem Gesamtwert von 80 Milliarden Euro. Der Gewinn zuletzt: 1,8 Milliarden. Klingt viel, ist für Aktionäre aber eher mager. Und Vonovia ist hoch verschuldet. Der Konzern muss deshalb seine Umsätze maximieren. Letztes Jahr hat er die Mieten im Schnitt um 4,1 Prozent angehoben — das Doppelte der Inflationsrate. Vonovia schöpft dazu alle rechtlichen Möglichkeiten aus, sagt Mietrechtsexperte Gilbert Häfner. "Die Vonovia ist ein wirtschaftliches Unternehmen und versucht Geld zu verdienen. Dementsprechend nimmt man natürlich das, wo man meint, das kann ich auch durchsetzen, mit", sagt er dem MDR-Magazin Umschau.
In Dresden geht das besonders gut. 2006 verkaufte die Stadt 50.000 kommunale Wohnungen. Inzwischen gehören sie der Vonovia. Sie ist dadurch der mit Abstand größte Vermieter in Dresden. "Und damit ist dieses Unternehmen besser in der Lage, den Preis zu beeinflussen. Markt funktioniert nur dann, wenn es Anbieter gibt, die unterschiedlich mit ihren Preisen arbeiten", so Häfner.
"Vonovia ist ein wirtschaftliches Unternehmen und versucht Geld zu verdienen. Dementsprechend nimmt man natürlich das, wo man meint, das kann ich auch durchsetzen, mit", sagt Mietrechtsexperte Gilbert Häfner.Bildrechte: MDR/UmschauUnd das sagt die Vonovia zu den genannten Beispielen ...
1) ... zur alten Dämmung und die öffentliche Grünfläche, die plötzlich Geld kosten sollen:
"In den letzten Jahren gab es das halt kostenlos. Jetzt haben wir nochmal ein bisschen genauer geguckt und gesehen, das haben wir noch nicht geltend gemacht, also machen wir es jetzt geltend", begründet Vonovia-Sprecher Matthias Wulff die uralte Dämmung in einem Dresdner Gebäude, die plötzlich Geld kosten soll. Zur öffentlichen Grünfläche, die nach Jahren erstmals als Wohnwert steigernd gesehen wird, sagt er: "Für uns ist das auch eine Rechtsfrage, die noch geklärt werden muss. Jetzt sind wir gerade beim Amtsgericht und dann gibt es noch das Landgericht. Dann wollen wir mal sehen, wo wir da am Ende landen."
2) ... zu Abrechnungen ohne Wärmemengen-Zähler:
Bei den Mietern entgangenen Heizkostenreduktionen durch fehlende Wärmemengen-Zähler in Leipzig zeigt sich Vonovia-Sprecher Wulff auch gelassen. "Jetzt sagen Leute, dass das ungerecht ist, weil sie sich an uns wenden sollen und wir das nicht sozusagen proaktiv machen. Das kann ich verstehen, ist aber geltende Rechtslage".
3) ... zu Mehrkosten für Hightech-Rauchmelder:
Wie begründet die Vonovia die angekündigte Mieterhöhung für den Einbau von Hightech-Rauchmeldern in Magdeburg, die ans Lüften erinnern? "Das ist eine Verbesserung, wo man sein Wohnklima verbessern kann. Das halten wir für so wertvoll, dass wir das so einrichten", so Vonovia-Sprecher Wulff.
Die Mehrheit der Mieter sei laut Umfragen zufrieden, betont er. Bei einem Großkonzern wie der Vonovia mit Hunderttausenden Wohnungen gebe es immer auch einige Unzufriedene, führt er weiter aus. "Wir haben halt Möglichkeiten, die Miete zu erhöhen. Dafür gibt es eine umfangreiche Gesetzgebung, die wir auch komplett einhalten", schätzt Wulff ein. "Wir machen natürlich auch Fehler. Und dann kann ich mir schon vorstellen, dass man darauf sauer ist", räumt er ein.
Wir machen natürlich auch Fehler. Und dann kann ich mir schon vorstellen, dass man darauf sauer ist.
MDR (cbr)
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