DEFA-Filme laufen am Himmelfahrtswochenende in vielen Kinos
- Wegen einer Jubiläumsaktion sind am Himmelfahrtswochenende viele DEFA-Filme in Kinos zu sehen.
- Die Filme der DEFA sind Zeitdokumente und genießen Kultstatus.
- Die DEFA-Stiftung will nun auch ein junges Publikum für das Filmerbe begeistern.
Am 17. Mai 2026 wird die DEFA 80 Jahre alt. Aus diesem Anlass stellt die DEFA-Stiftung über das Himmelfahrtswochenende ihre digitalisierten Filme den Kinos lizenzfrei zur Verfügung. Das Angebot nutzen auch zahlreiche Kinos in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Szene aus "Das Schulgespenst" mit Nicole Lichtenheldt und Ricardo Roth als Carola und Willi in den HauptrollenBildrechte: MDR/DEFA-Stiftung/Siegfried Skodula, honorarfrei So läuft im Luchs-Kino in Halle am Donnerstag zum Beispiel der Film "Das Pferdemädchen". In Weimar ist am Sonntag "Das Schulgespenst" im Kino Mon Ami zu sehen und in Leipzig "Solo Sunny" in der Kinobar Prager Frühling.
Filme der DEFA als DDR-Zeitdokumente
Für viele, die in der DDR aufgewachsen sind, sind Filme wie "Solo Sunny" ein absoluter Kultfilm – aber nachfolgenden Generationen kaum noch bekannt. So steht es um viele der tausenden DEFA-Produktionen.
Um dieses Filmerbe am Leben zu erhalten, finden seit mehr als 20 Jahren die Merseburger DEFA-Filmtage statt. Dabei werden jährlich im Frühjahr Filme aus dem DEFA-Fundus gezeigt und Filmgespräche dazu geführt.
Der DEFA-Spielfilm "Sonnensucher" von Konrad Wolf (1958/1972) handelt vom Uranbergbau der Wismut, harter Arbeit und einer verbotenen Liebe.Bildrechte: DEFA-Stiftung Herbert Kroiss (Filmstill DEFA-Film "Sonnensucher")Ein Highlight der diesjährigen 21. Ausgabe war der Film "Sonnensucher". Er handelt vom Uranbergbau der Wismut und wurde in der DDR direkt verboten. Anders als in den Jahren zuvor konnte die Leiterin der DEFA-Filmtage, Halina Czikowsky, für ein Filmgespräch keine an dem Film Beteiligten mehr finden. Deshalb habe sie den Kurator der Zwickauer Ausstellung "Sonnensucher – Kunst und Bergbau der Wismut" eingeladen.
Dass die Beteiligten an den Filmen zum großen Teil schon verstorben sind, ist die eine Herausforderung. Die andere ist, die Generationen, die nicht in der DDR aufgewachsen sind, überhaupt für die DEFA zu interessieren. Dabei seien die Filme viel mehr als nur Nostalgie, betont Philip Zengel von der DEFA-Stiftung bei MDR KULTUR: "Es sind Zeitdokumente aus einem Land, das nicht mehr existiert. Ich finde, das ist etwas wahnsinnig Einmaliges."
DEFA-Filme sind Zeitdokumente aus einem Land, das nicht mehr existiert.
Philip Zengel von der DEFA-Stiftung sagt, viele DDR-Filme sind heute noch aktuell.Bildrechte: IMAGO / Funke Foto ServicesViele der Filme könnten uns auch heute noch etwas erzählen, so Zengel weiter, und nennt zum Beispiel die Themen Umweltschutz und Protest. Ein Film wie "Biologie" nehme ein bisschen die Fridays-for-Future-Bewegung vorweg und rücke sie in den DDR-Kontext. "Das sind universelle Themen, die Leute auch heute noch erreichen", betont Zengel.
DEFA-Filme sollen per Streaming ein neues Publikum erreichen
Um die Filme möglichst niedrigschwellig anzubieten, digitalisiert die DEFA-Stiftung sie und stellt einen Großteil davon online zur Verfügung. Aber das allein reicht nicht aus, um ein neues Publikum zu erreichen. Denn wer stößt auf YouTube schon zufällig auf einen DEFA-Streifen oder sucht in der ARD-Mediathek mal ebenso nach DDR-Klassikern?
Laut Stephan Ahrens von der Filmuniversität Babelsberg "Konrad Wolf" braucht es zusätzlich noch einen Anstoß. Der Dozent für Filmforschung beschäftigt sich schon länger mit der Frage, wie man ein junges Publikum für die DEFA begeistern kann.
"Ich finde es wichtig, dass es Veranstaltungen wie öffentliche Kinovorführungen, Filmfestivals und Vorführungen in bestimmten Programmen, in der Schule oder auch in Ausstellungen in Museen gibt", betont er. So gebe es die Möglichkeit, über eine bestimmte Vermittlung junge Menschen oder Schülerinnen und Schüler für diese Filme zu begeistern.
Kürzungen zum Jubiläum
Mit der Aktion der lizenzfreien Filme zum Jubiläum soll nicht nur mehr Publikum gewonnen werden, sondern auch etwas Druck auf die Politik gemacht werden. Denn ausgerechnet im Jubiläumsjahr wird die Förderung für die Digitalisierung der Filme gekürzt. Für die Rettung des gesamten deutschen Filmerbes stehen künftig statt zehn Millionen nur noch fünf Millionen Euro jährlich bereit.
Philip Zengel, von der DEFA-Stiftung sagte bei MDR KULTUR: "Die Streichung der Förderung ist für uns natürlich kein gutes Signal aus der Politik und wir werden uns bemühen, da gegenzusteuern". Die Stiftung sei im engen Austausch mit anderen Filmerbe-Institutionen in Deutschland und versuche dem Filmerbe eine Lobby zu geben.
Das Interesse an den DEFA-Filmen sei da, so Philip Zengel, das merke die Stiftung unter anderem an den Abrufzahlen online.
Redaktionelle Bearbeitung: lig, hro
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