Deutschland schneidet beim Wohlergehen von Kindern unterdurchschnittlich ab
- Einkommensungleichheit weiter gestiegen
- Chancenungerechtigkeit und Gesundheit
- Unicef Deutschland kritisiert deutsche Politik
- Deutschland hinter Rumänien und Slowakei
Deutschland hat in einer internationalen Vergleichsstudie zum Wohlbefinden von Kindern nur Platz 25 von insgesamt 37 bewerteten Ländern belegt. Das UN-Kinderhilfswerk kritisierte unter anderem die anhaltend hohe Kinderarmutsquote von 15 Prozent.
So sei die Einkommensungleichheit seit 2012 von einem Verhältnis von 1 zu 4,3 auf aktuell 1 zu 5,0 gestiegen. Das bedeutet, dass das wohlhabendste Fünftel der Bevölkerung über fünfmal so viel Einkommen verfügt wie das ärmste Fünftel. Alarmierend sei das relativ schwache Bildungsniveau: Nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichten in Lesen und Mathematik die Mindestkompetenz.
Dauerproblem ist Chancenungerechtigkeit
Auffällig ist demnach auch der Abstand zwischen Jugendlichen aus wirtschaftlich benachteiligten und wohlhabenden Familien. Unter den Jugendlichen aus benachteiligten Familien erreichten nur 46 Prozent die grundlegenden Kompetenzen. In privilegierten Familien sei der Prozentsatz dagegen doppelt so hoch.
Im Bereich körperliche Gesundheit liegt Deutschland mit Rang 15 im oberen Mittelfeld. Doch auch dabei spielt das Familieneinkommen eine große Rolle: 79 Prozent der Kinder aus wohlhabenden Familien seien in sehr guter gesundheitlicher Verfassung, bei den ärmsten Kindern seien es nur gut die Hälfte.
Unicef Deutschland kritisiert deutsche Politik
Katja Sodomann von Unicef Deutschland kritisierte im Interview bei MDR AKTUELL: "Deutschland bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, weil Deutschland ja eigentlich eine starke Volkswirtschaft ist. Und wir sind zum wiederholten Mal in unserem Ranking im unteren Drittel." Ein Land wie Deutschland könnte mehr schaffen, wenn es die Anliegen und Bedürfnisse der Kinder höher priorisieren würde. Das sehe man an Ländern, die weniger wirtschaftlich stark und dennoch höher im Ranking seien als Deutschland.
Mit Blick auf die wirtschaftlich schwächeren aber besser platzierten Länder Portugal (Platz 4) und Litauen (Platz 7) sagte Sodomann, die politischen Prioritäten würden in solchen Ländern anders gesetzt. Kinderarmut stehe dort stärker im Fokus als in Deutschland. Auch sei die frühkindliche Betreuung in anderen Ländern besser, sodass beide Eltern arbeiten gehen könnten. Als Beispiel nannte Sodomann das zu den Top 3 zählende Frankreich. Dort rentiere es sich ab dem dritten Kind steuerlich. Auch sei die kindliche Frühbetreuung ab dem dritten Lebensjahr "ganz stark", so dass beide Eltern arbeiten gehen könnten.
Sodomann sagte mit Blick auf Deutschland, man wünsche sich, dass mehr in Kinder investiert werde, bei denen die Not am größten ist. Sei es in die Bildung oder in die Nachbarschaft, "dass da ein ordentlicher Spielplatz um die Ecke ist, dass da Kinderärzte sind und dass es vielleicht auch ein gesundes Schulessen für einkommensschwache Kinder gibt".
Deutschland hinter Rumänien und Slowakei
Auf den ersten drei Plätzen im Gesamtranking landeten laut Unicef die Niederlande, Dänemark und Frankreich. Auch deutlich ärmere Länder wie Rumänien, Ungarn und die Slowakei lagen noch vor Deutschland.
Unicef empfiehlt der Bundesregierung, Kinderarmut wirksamer zu bekämpfen und gezielt zu investieren, um benachteiligte Kinder zu unterstützen. Es müsse mehr darauf geachtet werden, dass wirklich alle Kinder Zugang zu Ressourcen wie gut ausgestattete Schulen, Spiel- und Freizeitmöglichkeiten oder medizinische Versorgung hätten.
Die Studie des Unicef-Forschungsinstituts Innocenti mit Sitz in Florenz wird seit dem Jahr 2000 regelmäßig ausgeführt und vergleicht die Situation von Kindern und Jugendlichen in den relativ wohlhabenden Ländern der Welt.
MDR, dpa, KNA (ans, dni)
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