Jürgen Klopp hat aufgekommene Gerüchte über ein mögliches Trainer-Comeback bei Real Madrid als Nachfolger von Xabi Alonso im Keim erstickt. „Das hat natürlich mit mir gar nichts zu tun, und es hat in mir auch nichts ausgelöst“, sagte der frühere Meistercoach des FC Liverpool beim österreichischen Sender ServusTV. Am Tag von Alonsos Entlassung bei den Königlichen habe er tatsächlich viele Nachrichten aufs Handy bekommen, „aber nicht aus Madrid“.

Die Trennung des spanischen Fußball-Rekordchampion vom früheren Leverkusener Meistertrainer nach nur rund einem halben Jahr habe ihn „wirklich überrascht“, ergänzte Klopp: „Und dann haben ein paar Leute geschrieben, und ich habe unterschiedliche Emojis zurückgeschickt.“

Einen Tag nach dem verlorenen Supercup-Finale gegen Erzrivale FC Barcelona hatte Real die Trennung von seinem Ex-Spieler Alonso bekannt gegeben. Álvaro Arbeloa, der bisherige Trainer der zweiten Mannschaft, wird die Profis um Superstar Kylian Mbappé vorerst betreuen.

Job bei Real für viele Trainer laut Klopp „Endstufe“

Das Scheitern Alonsos in Madrid zeige, dass es im Profifußball immer weniger Zeit für Entwicklung gebe und „die Ansprüche bei Real natürlich riesengroß“ seien, so Klopp: „Das tut mir wirklich leid für ihn, weil ich ihn wirklich für einen großartigen Trainer halte, und es wird für ihn natürlich auch weitergehen. Aber das war sein Verein, und ich glaube, Real Madrid bedeutet für die meisten Trainer so Endstufe. Wenn man mal da ist, dann möchte man da bleiben.“

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Klopp analysierte auch, woran Alonso gescheitert sein könnte. Als Nachfolger des Italieners Carlo Ancelotti, der das Starensemble eher mit langer Leine führte, sei es für den 44-Jährigen schwer gewesen: „Wenn du da hinkommst und versuchst dann ein paar neue Regeln einzubauen – das hat sich diesmal wohl als zu schwierig dargestellt.“

Alonso jetzt nach Liverpool? Das sagt Klopp dazu

Dass Alonso schnell zu Klopps früheren Verein FC Liverpool in die Premier League wechselt, wo der aktuelle Trainer Arne Slot nicht unumstritten ist, glaubt der Deutsche nicht. Für die Verantwortlichen der Reds dürfte die Trainer-Entscheidung in Madrid keine Auswirkungen haben, „und ich glaube auch nicht, dass Xabi Alonso jetzt einfach heute in Madrid aufhört und morgen irgendwie bereitsteht, um woanders anzufangen“.

Im kommenden Sommer sehe es jedoch anders aus, so Klopp. „Der Trainermarkt wird durchgemischt, und es ist nicht schlimm, das aus der Beobachterrolle mal mitzukriegen und nicht darüber nachdenken zu müssen, was das für einen selber bedeuten könnte.“ Er fühle sich in seiner aktuellen Rolle als „Global Head of Soccer“ bei Red Bull „am richtigen Ort“.

Am richtigen Ort wähnte sich zu Beginn seiner Amtszeit im vergangenen Sommer wohl auch Xabi Alonso. Nach etwas mehr als zweieinhalb Jahren, in denen er Bayer Leverkusen trainiert und in seiner zweiten Saison dort das Double gewonnen hatte, war er nach Madrid zurückgekehrt. Dorthin, wo er als Spieler von 2009 bis 2014 aktiv war – und auch schon als Trainer gearbeitet hatte. In der Spielzeit 2018/19 war der frühere Mittelfeldspieler für die U14-Auswahl von Real verantwortlich.

Alonso gelang bei Real quasi ein perfekter Start – mit 13 Siegen aus 14 Spielen. Doch dann rutschte Real im Verlauf der Saison immer tiefer in die Krise.

In der Meisterschaft beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter Barcelona vier Punkte. Und in der Champions League sind die Madrilenen Siebter, es drohen die Play-offs. Die Mannschaft schien nicht mehr zu funktionieren und geriet gegenüber dem FC Barcelona immer mehr ins Hintertreffen, dazu kam der Zwist zwischen Alonso und Ex-Weltfußballer Vinícius Junior.

Reals Superstar Kylian Mbappé verabschiedete sich dagegen mit großem Respekt von Alonso. „Es war zwar nur eine kurze Zeit, aber es war mir eine Freude, für dich zu spielen und von dir zu lernen“, schrieb der 27 Jahre alte französische Stürmer bei Instagram: „Vielen Dank, dass du mir vom ersten Tag an Vertrauen geschenkt hast. Ich werde dich als Trainer in Erinnerung behalten, der klare Vorstellungen hatte und viel über Fußball weiß.“

Das aber konnte den Trainer nicht mehr retten, wie die internationalen Kommentatoren analysierten.

„Real Madrid ersetzt Xabi Alonso durch einen ehemaligen Liverpool-Teamkollegen, nur acht Minuten nach Bekanntgabe seines Abschieds. Alonso ist nun ein Arbeitssuchender, während sich der Markt für Trainer im Umbruch befindet“, schrieb die englische „The Sun“. Und die „L‘Èquipe“ in Frankreich: „Ein unvorhersehbarer Absturz. Mit Xabi Alonso unterlag das Team bei wichtigen Spielen, er konnte es nicht richtig zum Spielen bringen und wurde von einem Teil der Mannschaft kritisiert. Alvaro Arbeloa, Trainer der Madrider Reserve, tritt seine Nachfolge an. Die Ernennung von Xabi Alonso zum Trainer von Real Madrid am 25. Mai dieses Jahres hatte eine Welle der Neugier und Begeisterung ausgelöst. Eine Vernunftehe zwischen einer Mannschaft mit schwächelndem Spiel und dem jungen, angesagten Trainer, der gerade mit Bayer Leverkusen Wunder vollbracht hatte, indem er einen attraktiven Offensivfußball entwickelte. Nur acht Monate später endeten die angekündigte Fußballrevolution und das Märchen mit einem Reinfall.“

Hoffen auf den Zidane-Effekt

Statt Xabi Alonso soll es nun also Álvaro Arbeloa bei Real richten. Ähnlich wie einst bei der Beförderung des französischen Superstars Zinedine Zidane Anfang 2016 soll Arbeloa als bisheriger Coach der zweiten Mannschaft Real wieder zu neuen Erfolgen führen. Die spanische Fachzeitung „Marca“ erhob den engen Alonso-Freund gleich zum „neuen Zinédine Zidane“. Der Franzose hatte nach einer erfolgreichen Profikarriere bei Real auch zunächst als Coach des B-Teams angefangen, bevor er schließlich Toni Kroos & Co. dreimal in Serie zum Champions-League-Triumph führte.

Der frühere Real-Profi Arbeloa – immerhin Welt- und Europameister mit Spanien – habe seit 2020 bei Real als Jugend- und B-Team-Trainer mit insgesamt 151 Siegen in 200 Begegnungen „geglänzt“, schrieb das Fachblatt „AS“. Er sei ein „moderner“ Coach. Enorm ist also offenbar der Vertrauensvorschuss, enorm ist aber auch der Druck. Der frühere Rechtsverteidiger hat als Coach zwar keine Erfahrung im Elite-Fußball, gilt aber als Mann mit Charakter und einer engen Beziehung zu Klubboss Pérez.

Innerhalb des Klubs wird Arbeloa für seine moderne Herangehensweise geschätzt, etwa für den Einsatz von Drohnen für Trainingsaufnahmen und seine aktive Einflussnahme während der Spiele, mit der er das B-Team auf Platz vier der dritten Liga führte. Zudem wird seine enge Verbindung zu mehreren Profis des Teams und seine Erfahrung als ehemaliger Spieler hervorgehoben, die ihm – wie es in Madrid heißt – Glaubwürdigkeit und Autorität im Kader verschaffen.

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